Das Burn Out-Interview Teil 2: „Das Gefährlichste ist nicht der Zeitdruck“

von in Arbeitsleben am Dienstag, 5. November 2013 um 11:40

Weshalb Führungskräfte von Burn Out weniger betroffen sind, hat Erich Hotter, Gründer der Arge Burnout gestern an dieser Stelle erklärt. Im heutigen zweiten Interview-Teil erklärt er, wie man die Vorzeichen für Burn Out erkennen kann und erklärt zudem neue und vor allem erschreckende Studienergebnisse.

Achtfach geringeres Burn Out Risiko

Das Teamklima ist eine unterschätzte aber enorm wichtige Größe, wenn es um die Entstehung von Burn Out geht. Die Bestätigung für diese Annahme hat die neueste Forschung der Arge Burnout nun ergeben: Hierfür wurde gemeinsam mit einem amerikanischen Psychologen ein Teamscore entwickelt, der nun erstmals gemeinsam mit dem Burn Out-Test eingesetzt wurde.

Was war für Sie das spannendste Ergebnis der Untersuchung?

Erich Hotter

Erich Hotter

Erich Hotter: Es hat sich gezeigt, dass der für Stresserkrankungen gefährlichste Faktor nicht der Zeitdruck, sondern etwas ganz anderes ist: Es sind gestörte soziale Beziehungen sowie chronische Konflikte am Arbeitsplatz, die deren Entstehung begünstigen. Dieser Annahme sind wir in der Studie nachgegangen, und die Ergebnisse waren eindeutig: Mitarbeiter, die das Klima im eigenen Team positiv beschreiben, sind wesentlich weniger belastet und haben ein achtfach geringeres Burn Out-Risiko als jene, die das Klima als negativ beschreiben.

„Dies ist für uns die heißeste Spur“

teamklima_burnout_risikoWie die Grafik zeigt, besteht ein deutlicher Zusammenhang zwischen Teamklima und dem Risiko für ein Burn Out. Von jenen Befragten, die völlig frei von Symptomen waren, hatten 59 Prozent das Teamklima positiv eingeschätzt. Von jenen, die messbare Burn Out-Symptome zeigten, beurteilten hingegen 75 Prozent das Klima als schlecht.

Welche Rolle spielt dabei die Führungskraft?

Erich Hotter: Eine wichtige. Die Untersuchung (Anmerkung: Burn Out-Studie der ARGE aus dem Jahr 2013) hat gezeigt, dass das höchste Burn Out-Risiko jene Menschen aufweisen, die sich über Vorgesetzte oder Kollegen beschwert haben. Dies ist für uns im Moment die heißeste Spur.

Wie kann man die Gefahr erkennen?

Woran kann man als Führungskraft erkennen, ob die Mitarbeiter gefährdet sind?

Erich Hotter: Das ist wahnsinnig schwierig. Zum einen gibt es natürlich die Möglichkeit, den Mitarbeitern die Teilnahme an einem Burn Out-Test anzubieten. Auf unserer Homepage etwa bieten wir kostenlos und völlig anonym den wohl umfangreichsten Test im deutschsprachigen Raum an – dieser wird auch gut angenommen. Manchmal ist dieser Weg jedoch nicht möglich, statt dessen muss man auf andere Anzeichen achten. Das entscheidendste davon ist meiner Meinung nach der Rückzug. Wenn Menschen ihr Verhalten dauerhaft ändern.

„Wer einem Mitarbeiter hilft, hilft im Grunde allen“

Wie kann dies konkret aussehen?

Erich Hotter: Zum Beispiel wenn jemand, der lustig und gesellig war und sich oft eingebracht hat, plötzlich immer leiser wird. Desinteresse bekundet und sich immer weiter zurückzieht. So ein Verhalten wäre ein Anlass, mit dem betroffenen Mitarbeiter zu reden und Unterstützung anbieten. Es gibt zum Beispiel auch Firmen, die bei Therapeuten Stunden kaufen, die dann von den Mitarbeitern völlig anonym und neutral genutzt werden können. Hierfür braucht es natürlich Vertrauen – erneut. Die Führungskräfte müssen verstehen, dass sie den richtigen Umgang miteinander vorleben müssen. Reagieren sie verständnisvoll und hilfsbereit, so werden auch die Kollegen dies registrieren und Vertrauen zum Chef aufbauen. Wenn man als Chef einem Mitabeiter hilft, hilft man im Grunde allen.

Zur Person: Erich Hotter

Erich Hotter ist Gründer der Arge Burnout und Autor verschiedener Studien zum Thema. Er ist als Seminarleiter, Vortragender und Coach tätig. Zuvor war der Psychologe unter anderem Direktor der Österreich-Werbung in München und London sowie Direktor vom Steiermark-Tourismus in Graz. Er betreibt zudem den Blog happier.

Bildnachweis: Floydine / Quelle Shutterstock, Arge Burnout

Heike Frenner

Heike Frenner schreibt seit April 2012 für karriere.at In nächster Zeit jedoch nicht so oft und vermutlich mit leichtem Baby-Schwerpunkt.

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