Burnout-Gefahr: So rettest du deinen Feierabend!

von in Arbeitsleben am Donnerstag, 11. November 2010 um 11:44

Burnout-Selbstcheck: Wieviel deiner Freizeit widmest du deinem Job? Wann und wie oft checkst du deine Arbeits-Mails? Koordinierst Termine? Tüftelst zumindest gedanklich an Lösungsansätzen herum? Oder nimmst dir gar Arbeit mit nach Hause? Nicht nur, dass du damit deinen Arbeitstag freiwillig verlängerst. Du öffnest dem Burnout damit die Tür zu deinem Energiespeicher ein gutes Stückchen weiter. Warum der Feierabend wirklich dir gehören sollte und sechs Tipps, wie du diese von allen Seiten bedrängte Bastion wieder zurückerobern kannst.

Blackberry, iPhone, Laptop, Webmail. Unverzichtbar für jene, die von Termin zu Termin hetzen und jede sich bietende Gelegenheit nutzen müssen, um Termine zu koordinieren, sich mit anderen abzustimmen und am Laufenden zu bleiben. Das muss sein, keine Frage. Doch wie sieht es nach Feierabend aus? Empfindest du dein Smartphone mittlerweile als elektronische Fußfessel? Als Trägermedium von Stress und Burnout? Wann checkst du deine Firmen-Mails das letzte Mal am Tag? Und wann das erste Mal? Und warum eigentlich?

Das Wirtschaftsmagazin „trend“ zitierte jüngst aus einer US-Studie des Martkforschungsinstituts Harris Interactive: 42 Prozent der Arbeitnehmer würden den Ergebnissen zufolge sogar im Krankenstand ihren Mailaccount checken, jeder zweite tut dies sogar im Urlaub. Weiteres Ergebnis der Studie: Knapp ein Drittel (31 Prozent) der Unter-35-Jährigen fühlt sich geradezu dazu gezwungen, die Mailbox zu checken. Bei jenen über 35 reduziert sich dieser Anteil auf 15 Prozent.

Dass Burnout ein vielschichtiges Problem ist, das von Fall zu Fall verschiedene Ursachen – jahrelanges Mobbing, chronischer Stress, Überforderung etc. – haben kann, ist bekannt. Dass das Nicht-Abschalten-Können bei vielen Burnout-Opfern eine wesentliche Rolle spielt, jedoch auch: Und hier ist sowohl das Ausknipsen der Elektro-Freunde, als auch das Ausklinken aus den Job betreffenden Gedankengängen gemeint.
Schritt eins zur persönlichen Burnout Prophylaxe: Die Wiederbesinnung auf das verlorene Heiligtum des Feierabends.

Burnout: Sechs Schritte die helfen, den Speed am Ende des Tages zu drosseln

  1. Manchmal Dienst nach Vorschrift schieben: Genehmige dir regelmäßig den „Luxus“, pünktlich Schluss zu machen. Auch und gerade dann, wenn du nicht schon den nächsten Termin beim Friseur, im Fitnessstudio oder im Theater hast.
  2. Nimm dir keine Arbeit mit nach Hause: Es gibt immer was zu tun, schon klar. Nur muss das nicht noch nach zehn Stunden Arbeit von dir und unbezahlt in deiner Freizeit erledigt werden. Sollte dies vom Vorgesetzten als selbstverständlich erwartet werden, ist ein Gespräch fällig.
  3. Übertreibe es nicht mit der Freizeitplanung: 17.30 Uhr Dienstschluss, 17.45 Uhr Einkaufen, 18.15 Uhr Fitnessclub, 20.30 Uhr Körperpflege+Nahrungsaufnahme, 21 Uhr Freunde treffen, 23 Uhr bügeln, 23.30 Uhr letzter Facebook-Check… Natürlich sollte Freizeit auch aktiv gestaltet werden, Sport eine Rolle spielen und Sozialkontakte gepflegt werden – genau dies beugt dem Burnout nämlich auch vor. Gefährlich wird es jedoch, wenn es für den Einzelnen zum Gesetz wird, dass um punkt 18.15 Uhr Tag für Tag die Hanteln gestemmt werden müssen, weil sich sonst die Planung des restlichen Abends nicht mehr ausgeht. Dies generiert zur Arbeitsbelastung auch noch Freizeitstress. Und du wirst zum Getriebenen in allen Lebensbereichen.
  4. Sorge für Abwechslung: Was im oben genannten Punkt zu straff organisiert ist, kann auch ins Gegenteil hinein zelebriert werden. Wer sich selbst zur Entspannung ausschließlich gemütliche Couch-Abende im Kreise der Liebsten verordnet, wird sich bald als Gefangener seines eigenen neuen Rituals fühlen, in eine Opferrolle abdriften und den Job wieder als willkommene Abwechslung sehen. Das Extrem auf der anderen Seite: Der bekannte Marathon. Fünfmal pro Woche eine klar definierte Leistung erbringen. Passiert das nicht, fühlt man sich als Versager. Zusätzlicher Stress, der gerade Burnout-Gefährdeten weiter zusetzen kann (siehe oben).
  5. Arbeits-Mails ignorieren: Was bringt es, dem Boss noch um 22.45 Uhr ein Antwortmail schicken? Die Erledigung der Aufgabe kann ohnehin erst am Tag darauf angegangen werden. Dafür reicht eine Antwort um 7.30 Uhr morgens auch noch aus. Ein Tipp für jene, die selbst am Wochenende und im Urlaub nur am Mail-Checken sind und damit Partner, Familie und Freunde zur Weißglut bringen: Simkarte für diese Tage in ein altes, nicht-internetfähiges Handy einlegen und dem Smartphone und sich selbst eine Pause gönnen.
  6. Lerne abzuwägen: Ganz klar, Abendtermine gehören in bestimmten Jobs einfach dazu. Und sie können auch richtig Spaß machen. Doch bei allen Gelegenheiten seinen, auf gut österreichisch gesagt, „Servus herunterzureißen“, ist nicht immer erforderlich und macht auch müde. Wichtig ist, zu definieren, welche Termine wirklich etwas bringen und welche verzichtbar sind. Dasselbe gilt für das berühmte After-Work-Bier mit Kollegen. Muss es wirklich dreimal pro Woche sein, oder habe ich nicht auch das Recht meine Joggingrunde oder die Couch der Gewohnheit vorzuziehen?

Bildnachweis: lassedesignen/Shutterstock

Christoph Weissenböck

Christoph Weissenböck macht Kommunikation bei karriere.at. Und dazwischen Blogposts. Schreiben ist für ihn mehr als ein Job.

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