Das Burn Out-Interview Teil 1: „Führungskräfte sind weniger belastet“

von in Arbeitsleben am Montag, 4. November 2013 um 11:33

Burn Out ist vielleicht in aller Munde, es handelt sich dabei jedoch definitiv um mehr als eine bloße Modeerscheinung. Die Krankenstandstage aufgrund von psychischen Problemen nehmen seit Jahren zu. Positiv ist: Österreichs Unternehmen sind mit 46 Prozent bei der  Burn Out-Prävention führend. Im Interview erzählt der Gründer von Arge Burnout, Erich Hotter, weshalb Führungskräfte zwar eine enorme Rolle spielen – selbst jedoch deutlich weniger oft betroffen sind.

Warum selbständiges Arbeiten vor Burn Out schützt

Laut dem aktuellen Hernstein Management Report schätzen 20 Prozent der befragten Führungskräfte das Burn Out-Risiko als eher hoch ein, was meinen Sie dazu?

Erich Hotter

Erich Hotter

Erich Hotter: Wir haben zu diesem Thema viele Untersuchungen angestellt und dabei zwei wesentliche Punkte beobachtet: Führungskräfte sind einerseits ein entscheidender Faktor, wenn es um die Entstehung von Burn Out geht. Andererseits sind sie laut unserer Forschung im Schnitt weniger davon belastet. Erklären lässt sich dies durch den höheren Grad an Autonomie. Selbständigkeit ist eine wichtige Voraussetzung dafür, dass man in der Arbeit Erfolgsgefühle hat. Je mehr Selbständigkeit, desto besser geht es im Regelfall auch den Mitarbeitern. Führungskräfte sind hier begünstigt, sie haben mehr Autonomie und sind im Regelfall auch zufriedener, besser entlohnt und motiviert.

„Thema Vertrauen ist der rote Faden“

Was begünstigt bzw. verhindert das Aufkommen von Burn Out im Team?

roter fadenErich Hotter: Das Teamklima ist ein weitaus unterschätzer Faktor, wenn es um die Stress- und Burnoutbelastung geht. Dieses wird von den Führungskräften stark beeinflusst. Es geht darum, dass die Mitarbeiter Vertrauen in das Management haben. Hierzu braucht es nicht nur die entsprechenden Fähigkeiten sondern auch Glaubwürdigkeit, Kompetenz und Seriösität. Dieses Vertrauen in die Führungskräfte zieht sich wie ein roter Faden durch all unsere Untersuchungen.

„Die Firmenkultur ist bei uns kooperativer“

Wie steht Österreich im internationalen Vergleich da?

kooperatives arbeitsklimaErich Hotter: Ein solcher Vergleich ist schwer zu beurteilen. Um eine Antwort zu finden, muss man erst einmal die unterschiedlichen Ebenen bedenken. Denn im Vergleich zu den USA oder Großbritannien etwa haben wir ein sehr positives Arbeitsumfeld, auch die Firmenkultur ist bei uns kooperativer als anderswo. Zudem ist der soziale Druck am Abeitsplatz in Österreich nicht so hoch wie etwa in den Vereinigten Staaten. Der entscheidende Punkt hier ist ja, dass der Einzelne diese gesellschaftlichen oder betrieblichen Dinge nicht verändern kann. Er kann jedoch lernen, optimal auf sich zu schauen bzw. zu achten. Das ist auch der Ansatzpunkt für unser Vorsorgeprogramm.

Lesen Sie morgen hier im Blog im zweiten Teil des Interviews: Wie kann man Burn Out erkennen und welche Umstände begünstigen das Vorkommen?

Die Arge Burnout

Die Arge Burnout wurde 2007 von Erich Hotter als Netzwerk von Psychologen gegründet. Neben der Forschungsarbeit bietet das Team auch Analysen des Burn Out-Risikos bzw. Teamklimas in Firmen an.

Bildnachweis: Yevhenvitte/ Quelle Shutterstock, littleny / Quelle Shutterstock, Yantev / Quelle Shutterstock, ARGE Burnout

Heike Frenner

Heike Frenner schreibt seit April 2012 für karriere.at In nächster Zeit jedoch nicht so oft und vermutlich mit leichtem Baby-Schwerpunkt.

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