„Bring Your Own Device“ als juristisches Nirvana

von in Arbeitsleben, Arbeitsrecht am Dienstag, 11. Juni 2013 um 09:59

Bring Your Own Device (BYOD) ist ein Gedanke, der sich aktuell wie ein Lauffeuer auszubreiten scheint und immer mehr Arbeitgeber vor die Frage stellt: Wollen wir, dass die privaten Geräte der Mitarbeiter in die Infrastruktur des Unternehmens integriert werden? Über rechtliche Auswirkungen sowie die Vor- und Nachteile aus technischer Sicht berichten Rechtsanwalt Thomas Schweiger und karriere.at-Systemadministrator Christoph Grabmer.

„Die Technik rennt der Juristerei davon“

Flexibel in der Arbeit bedeutet für immer mehr Arbeitnehmer auch flexibel in der Wahl der Arbeitsmittel zu sein. So wie der Mac-User, der auch in der Firma nicht auf seinen Apfel verzichten will. Oder der Onliner, der sich nur mit seinem Smartphone wohl fühlt. Bring Your Own Device sorgt für immer mehr Diskussionen – nicht zu Unrecht, wie Jurist Thomas Schweiger meint. „Es ist wie so oft: Die Technik rennt der Juristerei davon. Es ist mittlerweile Standard geworden, dass sich die Realität schneller entwickelt, als in der Rechtswelt Regeln aufgestellt werden können. Das heißt man muss sich für spezielle technische Fragestellungen der allgemeinen Regeln bedienen, die grundsätzlich nicht dafür geschaffen worden sind.“

„Als würde ich ein Schiff im Nebel steuern“

Reise ins UngewisseIm Arbeitsverhältnis stehen hierfür das Arbeitsrecht sowie bei dieser Thematik insbesondere auch der Datenschutz zur Verfügung. „Man muss also schauen, dass man mit den bisherigen Instrumentarien einen neuen Sachverhalt erfassen kann“, erklärt der Jurist. Erschwert werde dies, da es noch keine speziellen Regeln oder Gerichtsentscheidungen gibt, an denen man sich orientieren kann. „Es ist ein bisschen so, als würde ich ein Schiff im Nebel steuern. Ich weiß zwar grundsätzlich, wo ich hinsteuere, es könnte aber sein, dass ich vielleicht doch woanders lande“, so Schweiger.

Jedes Unternehmen bräuchte ein eigenes Reglement

rechtslageIm Gegensatz zu Deutschland, wo es bereits sehr viel Information zu juristisch-technischen Themen gibt, hinkt Österreich etwas hinterher. Problem ist dabei, dass die Situationen vielleicht sehr ähnlich, die Rechtslage jedoch nicht unbedingt die selbe ist. „Das heißt die Aussagen, die für Deutschland getroffen werden, sind meistens eine Richtung, die man auch in Österreich gehen kann, aber nicht immer eins zu eins umlegbar. Prinzipiell bräuchte jedes Unternehmen ein eigenes Reglement, wie damit umzugehen ist bzw. wie sich die einzelnen Mitarbeiter aber auch das Unternehmen verhalten sollen.“ Ein Beispiel wäre etwa die Klärung der Frage was passiert, wenn ein Mitarbeiter sein privates Smartphone, das er auch dienstlich verwendet, im Dienst verliert oder dieses kaputt wird.

Vergleiche aus der analogen Welt helfen

Thomas SchweigerBei Stellenausschreibungen heißt es manchmal: Eigener Pkw nötig. Wäre das rein rechtlich auch mit Smartphones, Laptop & Co. möglich? Eher nicht, meint Schweiger. „Wenn ich es beruflich brauche oder mein Chef mich erreichen will, soll er mir dieses Kommunikationsmittel zur Verfügung stellen.“ Die private Handynummer muss privat bleiben können. „Es kann nicht sein, dass jemand immer auf Abruf auf dem privaten Gerät erreichbar sein muss und der einzige Weg für Ruhe jener ist, das Privathandy abzuschalten“, so der Jurist. Vergleiche aus der analogen Welt helfen ihm zu argumentieren. „Es würde ja auch niemand auf die Idee kommen, jemanden zu zwingen, seine private Adresse herauszugeben.“

Handy kaputt – was dann?

DiensthandyAngenommen, jemand verwendet sein privates Telefon auch beruflich. Wird das Gerät kaputt oder geht gar verloren – was ist dann? „Beim Privatauto, welches für dienstliche Zwecke genutzt wird, gibt es hier klare gesetzliche Vorgaben und auf diese beruhende Entscheidungen des OGH. Bei Handys ist das noch nicht so und falls etwas ersetzt wird, kann es von Situation zu Situation verschieden sein, welche Summe ersetzt wird. Die Frage lautet etwa: Braucht man das neuste iPhone oder ist dies persönlicher Luxus, der nicht ersetzt werden muss. „Viel Ärger erspart sich das Unternehmen durch Dienstgeräte. Diese gehören dann zweifelsfrei dem Unternehmen. Es ist klar, wer welches bekommt, wem die Daten gehören und was bei Verlust oder Zerstörung passiert.“ Die Empfehlung des Juristen an Unternehmen, die den Mitarbeitern BYOD gestatten: Alternativ ein Diensthandy anbieten und wenn dennoch das private Gerät vorgezogen wird, werden Verluste nicht ersetzt.“ Auch für Dienstnehmer ist es besser, beruflich und privat zu trennen – denn das Diensthandy kann er abschalten.“

„In einer Autowerkstätte bekomme ich den Hammer ja auch gestellt“

Christoph Grabmer„Der Vorteil von BYOD ist ganz einfach, dass die Firma in Zukunft die Geräte nicht mehr besorgen muss bzw. sich Streitigkeiten um das richtige Modell spart. Der Mitarbeiter kann die Devices benutzen, die er bereits kennt. Und dies reduziert den Support-Aufwand enorm. Der Nachteil ist, dass der Benutzer sich das Gerät selbst besorgen muss, es ist also sein eigenes Geld.“ Und dies findet karriere.at-Systemadministrator Christoph Grabmer nicht richtig. „In einer Werkstätte bekomme ich den Hammer ja auch gestellt, die Arbeitsgeräte sollten Sache der Firma sein.“ Weiters kann es ein großer Nachteil für den jeweiligen Systemadministrator sein, wenn die Mitarbeiter ihre privaten Geräte verwenden: „Man muss viel mehr Gerätetypen ins System implementieren, das ist ein deutlicher Mehraufwand. Dadurch ist in weiterer Folge die Administration im Hintergrund nicht so einfach, denn jedes Gerät funktioniert anders. Weiters besteht immer ein Sicherheitsrisiko – denn diese Geräte gelangen ungeprüft ins Firmennetzwerk.

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Heike Frenner

Heike Frenner schreibt seit April 2012 für karriere.at In nächster Zeit jedoch nicht so oft und vermutlich mit leichtem Baby-Schwerpunkt.

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