Brainstorming! Wie man dem Ideen-Chaos Struktur gibt

von in Arbeitsleben am Donnerstag, 26. Mai 2011 um 13:07

Brainstorming. Ein Wort, das bei vielen Arbeitnehmern bereits ein leichtes Würgegefühl hervorruft. Keine Klausur ohne Brainstorming. Kein Kreativ-Meeting ohne Brainstorming. Kein Arbeitsessen mit dem Chef, das man nicht auch gleichzeitig zum Brainstormen nutzen soll. Was dabei viel zu selten herauskommt, sind wirklich zündende Ideen. Oft auch, weil es diesen verordneten Kreativitäts-Phasen einfach an der nötigen Struktur fehlt, weiß Psychologin Christa Schirl-Russegger.

Als Leiter eines Marketing-Teams bin ich ständig auf der Suche nach unkonventionellen Ideen. Während in bestimmten Phasen kaum Zeit für die Ideenfindung aufgewendet werden muss, gibt es Phasen, in der wir in stundenlangen Brainstorming-Meetings sitzen. Deren Output ist jedoch oft mehr als dürftig. Woran kann das liegen?

Grundsätzlich ist Brainstorming sehr gut geeignet, um eine breit gestreute Sammlung an Namensvorschlägen zu erhalten. Oft macht es Sinn, das Brainstorming ein paar Tage vor dem Termin anzukündigen. So hat jeder Teilnehmer die Möglichkeit, Ideen zu entwickeln, ohne vorab von den Ideen der anderen beeinflusst zu sein. Der Erfolg der Sitzung steht und fällt mit der Organisation und der Durchführung. Grundlage dieser Kreativitätsmethode ist ein vertrauensvolles Klima, in dem jeder bereit ist, seine Gedanken und Ideen frei zu äußern.

Auch Sinnlos-Ideen protokollieren

Der Moderator führt durch die Technik und achtet darauf, dass alle Ideen – auch sinnlose – protokolliert werden. Als Grundregel gilt, dass Ideen in dieser Phase des Brainstormings nicht kritisiert werden dürfen. Jeder Einfall ist willkommen, egal wie kreativ und ausgefallen. Verrückte Einfälle sind erwünscht, da sie den Kreativitätsfluss anregen und zu weiteren Einfällen beitragen. Der Gesprächsleiter sorgt dafür, dass in der ersten Phase des Brainstormings Ideen nicht bewertet werden. Nur so ist garantiert, dass Vorschläge ungehemmt fließen können. Quantität geht vor Qualität, es zählt zunächst die Vielfalt und Menge an Ideen.

Kritik an Ideen erst am Schluss äußern

Eine Idee für sich zu beanspruchen, ist im Brainstorming fehl am Platz. Brainstorming ist ein kollektives Ideen entwickeln. Damit ist gemeint, dass das Aufgreifen und Weiterspinnen von Ideen der anderen Teilnehmer erwünscht ist. Zu wenig Zeit gilt als Ideenbremse, da Kreativität ausreichend Zeit braucht, um in den Fluss zu kommen. Auch hierarchische Strukturen können Ideen bremsen. Beim Brainstorming sind Vorgesetzte dazu angehalten, möglichst neutral aufzutreten. Wenn klar ist, dass der Teamleiter eine bestimmte Idee favorisiert, kann es dazukommen, dass der Rest des Teams nur mehr an der Idee des Leiters weiterdenkt. Nach der Entwicklung des Lösungsfeldes bewährt sich eine Pause, damit sich die Ideen setzen können. Erst jetzt ist Kritik erlaubt und notwendig. Die notierten Ergebnisse werden einem Bewertungsprozess unterzogen. Sinnlose Lösungen werden sofort aussortiert.

Zur Person:
Christa Schirl-Russegger ist Klinisch- und Gesundheitspsychologin, zertifizierte Arbeitspsychologin und sinnzentrierte Psychotherapeutin. Neben der Tätigkeit in ihrer eigenen Praxis ist sie außerdem Trainerin und Vortragende. Ihre Expertise stellt Christa Schirl-Russegger seit mehreren Jahren zahlreichen Medien zur Verfügung.

Christoph Weissenböck

Christoph Weissenböck macht Kommunikation bei karriere.at. Und dazwischen Blogposts. Schreiben ist für ihn mehr als ein Job.

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