Bore Out – Langeweile macht krank

von in Arbeitsleben am Dienstag, 28. Dezember 2010 um 10:28

Ausgebrannt sein, Depression, zu großer Leistungsdruck – Burnout ist in aller Munde. Doch auch das Gegenteil davon kann krank machen: Das „Bore Out“. Davon spricht man, wenn die 40-Stunden-Woche acht mal fünf Stunden lähmende Unterforderung bedeutet. Aber man sich trotzdem mit der chronischen Langeweile arrangiert, um nur ja nicht den Job zu verlieren. Psychologin und Psychotherapeutin Christa Schirl-Russegger weiß, warum dieses Phänomen auch krank machen kann und gibt Tipps, wie man sich aus der Bore Out-Falle befreit.

Ich arbeite als Assistentin in der Finanzdienstleistungs-Branche. Seit dem Beginn der Wirtschaftskrise ist unser Umsatz eingebrochen. Arbeitsaufträge haben sich drastisch reduziert, sodass ich über lange Zeit fast nichts zu tun hatte. Trotz der besseren Wirtschaftslage füllt mich mein Tätigkeitsbereich aber auch heute bei weitem nicht aus. Mir ist langweilig und ich merke, wie meine Stimmung schlechter wird. Eigentlich sollte ich weniger Stress genießen. Was ist mit mir los?

Die Vorstellung, den ganzen Tag nichts zu tun zu haben, scheint nur auf den ersten Blick verlockend zu sein. Tatsächlich aber führt eine permanente Unterforderung zu Gefühlen der Leere, Unzufriedenheit, zu Selbstzweifeln und Antriebsschwäche, für die es sogar einen Namen gibt. Das „Bore Out-Syndrom“ bezeichnet ein Bündel von Symptomen, das einfach ausgedrückt unter dem Stichwort „Gelangweilt vom Leben“ zusammengefasst werden kann.
Der gesunde Mensch möchte etwas leisten. Der gesunde Mensch fühlt sich dann wohl, wenn er weder über- noch unterfordert ist, wenn seine Leistung anerkannt und geschätzt wird. Die Langeweile stellt sich oft schleichend ein. Zu Beginn ist es noch verlockend, während der Arbeitszeit Privates zu erledigen. Je länger der leistungs-lose Zustand aber andauert, umso unbefriedigender wird er. Permanent Unterbeschäftigte fühlen sich müde, gereizt und lustlos. Dabei hat Bore Out nichts mit Faulheit zu tun, sondern vielmehr mit Unterforderung, weil man nicht weiß, was man tun soll. Gleichzeitig versuchen unterforderte Personen, ihre Untätigkeit zu verbergen, weil sie – aus Angst ihren Job zu verlieren – nicht auffallen wollen.

Bore Out – Eigeninitiative ist gefragt

In Ihrem Fall könnte Eigeninitiative eine Möglichkeit sein, um dem Bore Out zu entrinnen. Fragen Sie sich, was Sinnvolles getan werden könnte. Wenn Sie nicht mit Arbeit eingedeckt sind, suchen Sie danach. Finden Sie den Sinn nicht nur in Ihrer eigentlichen Tätigkeit sondern im Unternehmen als Ganzes. Was können Sie zu einem guten Betriebsklima beitragen? Wie können Sie weniger erfahrenen Kollegen und Kolleginnen helfen? Was an Neuem könnte entwickelt und eingeführt werden? Wozu war früher keine Zeit? Möglicherweise könnte es für Sie auch hilfreich sein, mehr Energie in Ihre Freizeit zu investieren und sich einen geistig fordernden Ausgleich beispielsweise in Form einer Weiterbildung zu organisieren. Auf keinen Fall ist eine unbefriedigende Situation hinzunehmen. Da Bore Out ein individuelles Phänomen ist, kann ein Coaching zur Klärung Ihrer ganz persönlichen Bedürfnisse führen. Was würde in Ihrer aktuellen Situation Sinn stiften? Wo liegen Ihre momentanen Interessen? Und wozu könnten Sie die freie Zeit nützen? Gibt es etwas, dass Sie spannender finden als Ihre Arbeit? Lässt sich damit sogar Geld verdienen?

Zur Person:
Christa Schirl-Russegger ist Klinisch- und Gesundheitspsychologin, zertifizierte Arbeitspsychologin und sinnzentrierte Psychotherapeutin. Neben der Tätigkeit in ihrer eigenen Praxis ist sie außerdem Trainerin und Vortragende. Ihre Expertise stellt Christa Schirl-Russegger seit mehreren Jahren zahlreichen Medien zur Verfügung.

Christoph Weissenböck

Christoph Weissenböck macht Kommunikation bei karriere.at. Und dazwischen Blogposts. Schreiben ist für ihn mehr als ein Job.

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