Bildungskarenz neu: Bildungsboom statt Babyboom

von in Arbeitsmarkt, HR am Dienstag, 11. Juni 2013 um 10:17

Für die eigene Bildung in Karenz zu gehen ist nach wie vor „in“ – 2007 eingeführt, boomt dieses Weiterbildungsmodell seit 2009. In Zahlen bedeutet das: 2012 waren 19.500 Frauen und Männer in Bildungskarenz. Zum Vergleich: 2011 sind es nur 16.631 gewesen. Doch nun ziehen zumindest für einige zukünftige Bildungskarenzler dunkle Wolken auf: Und zwar in Form einer Gesetzesnovelle. So gibt es etwa die Möglichkeit nicht mehr, von der Babypause direkt in die Bildungskarenz einzutreten. Ein Lagebericht zur Bildungskarenz neu.

Ein Gastbeitrag von Rita Obergeschwandner

Alles neu macht der Juli

Ab 1. Juli 2013 sind Personen in Bildungskarenz verpflichtet, auch bei Studien einen Leistungsnachweis zu erbringen. Nachzuweisen sind vier Semesterwochenstunden oder 8 ECTS-Points. Die Begründung zu dieser neuen Regelung: Missbrauch soll vorgebeugt werden. Denn so manche ArbeitnehmerInnen kassierten in der Vergangenheit fleißig Weiterbildungsgeld, ohne – abgesehen von der verpflichtenden Inskription – die Universität jemals betreten zu haben.

Was sonstige Weiterbildungsmöglichkeiten im Rahmen der Bildungskarenz angeht, ändert sich nichts. Das heißt, es genügt, dass man die Teilnahme an einem Kurs, etwa einer Abendmatura, im Ausmaß von 20 Stunden wöchentlich, nachweist.

Weiterbildung ist nach wie vor weiblich

Lebenslanges Lernen liegt bei Frauen im Trend. 60 von 100 „Weiterbildungsgeld“-BezieherInnen waren zuletzt weiblich. 44 Prozent der Frauen haben als höchsten Bildungsabschluss eine mittlere Schule oder eine Lehre, 31 Prozent Matura und 24 Prozent ein abgeschlossenes Studium. Was die Branchen angeht, sind Weiterbildungen in Gesundheits- und Sozialberufen beliebt.

Checkliste Bildungskarenz

Ich kann eine Bildungskarenz beantragen …

  • wenn meine Arbeitgeberin, mein Arbeitgeber damit einverstanden ist.
  • wenn ich keine Beamtin, kein Beamter oder Neue/Neuer Selbstständige bin.
  • wenn ich ununterbrochen 6 Monate gearbeitet habe.
  • wenn ich mindestens 2 Monate bis maximal 1 Jahr vor habe, mich weiterzubilden.
  • wenn ich Fort- und Weiterbildungsmaßnahmen jenseits des Hobby- oder Freizeitbereichs im In- und Ausland absolvieren möchte.

Bildungsteilzeit ab 1. Juli

Bildungshungrige, die auf ihr Gehalt nicht ganz verzichten wollen, können in Bildungsteilzeit gehen. Sie ist zu den gleichen Bedingungen wie die Bildungeskarenz möglich. Nach 6 Monate nachgewiesener Beschäftigung kann beim AMS eine Bildungsteilzeit beantragt werden. Diese darf 4 Monate bis zu 2 Jahre dauern.

BildungsteilzeitnehmerInnen müssen eine Weiterbildung nur im Ausmaß von zehn Wochenstunden oder zwei Semesterstunden an den Universitäten nachweisen. Die Höhe des Bildungsteilzeitgeldes wird entsprechend der Reduktion der wöchentlichen Normalarbeitszeit berechnet. Werden nun etwa statt 40 Stunden  pro Woche nur mehr 20 gearbeitet, werden 456 Euro ausbezahlt.

Fachkräfte-Stipendium ab 1. Juli

Bis dato wurde für eine Fachkräfte-Ausbildung eine pralle Geldbörse benötigt – jetzt gibt es für Interessierte eine neue Möglichkeit.

Ab 1. Juli 2013 wird ein so genanntes Fachkräfte-Stipendium eingeführt. Gedacht ist diese Unterstützung für Vollzeit-Ausbildungen, die sich nur wenige leisten wollen und können. Wer eine Ausbildung in einem so genannten Mangelberuf macht, soll monatlich Geld in der Höhe des Ausgleichszulagenrichtsatzes (derzeit 795 Euro) bekommen, und zwar für die Dauer der Ausbildung, maximal aber drei Jahre lang. Beantragt werden kann das Stipendium beim AMS, egal ob man/frau arbeitslos ist oder nicht. Einzige Voraussetzung: 48 Monate Erwerbstätigkeit zuvor – wie beim Selbsterhalter-Stipendium an der Universität.

Bildungskarenz neu: Eltern benachteiligt

Auch für Eltern ist ab 1. Juli alles anders. Bis dato haben viele Mütter und Väter an die Babypause gleich eine Bildungskarenz angehängt, um sich beruflich weiterzubilden. Für diese Zeit war es möglich, Weiterbildungsgeld in der Höhe des fiktiven Arbeitslosengeldes zu beantragen. Ab 1. Juli müssen Mütter und Väter nach der Karenzzeit ein halbes Jahr über der Geringfügigkeitsgrenze gearbeitet haben, um einen Anspruch auf Bildungskarenz zu haben. Dies besagt eine neue Novelle des Arbeitslosenversicherungsgesetzes.

Fazit: Für alle, die vor dem 30. Juni ihre Bildungskarenz antreten, gelten diese neuen Regelungen noch nicht. Das Arbeitsmarktservice ist der erste Ansprechpartner für Bildungskarenz, Bildungsteilzeit sowie das Fachkräfte-Stipendium. Dort muss auch die Weiterbildung beantragt werden. Die Arbeiterkammer informiert auch, aber primär über die arbeitsrechtlichen Hintergründe, da manche Kammern in den Bundesländern keine Bildungsabteilung haben.

Nützliche Informationen und Links

Fachkräftestipendium

Bildnachweis: Creativa / Quelle Shutterstock

Redaktion

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