Schlaue Auszeit vom Job: Wissenswertes zur Bildungskarenz

von in Arbeitsrecht, HR am Freitag, 19. September 2014 um 10:32

Die Bildungskarenz ermöglicht österreichischen Arbeitnehmern eine Auszeit für Studium oder Fortbildung und ist auch in Krisenzeiten bei Arbeitgebern beliebt. Bevor man seinen Schreibtisch räumt, um sich in die Weiterbildung zu stürzen, gibt es aber einiges zu klären: Wer darf sich vom Job frei nehmen, wer finanziert die Auszeit und kann man währenddessen gekündigt werden?

Tausche Schreibtisch gegen Hörsaal

Die Mindestdauer der Bildungskarenz beträgt 2 Monate, maximal ist ein Jahr möglich. Man kann die Bildungskarenz entweder am Stück konsumieren, oder aufteilen. Wer in Bildungskarenz gehen möchte, muss bestimmte Voraussetzungen erfüllen.

Wer kann Bildungskarenz beantragen?

Grundsätzlich alle Arbeitnehmer, die sich seit mindestens sechs Monaten in einem aufrechten Arbeitsverhältnis befinden. Auch freie Dienstnehmer dürfen sich in die Weiterbildung stürzen, wenn Anspruch auf Arbeitslosengeld vorliegt und sie mindestens sechs Monate als freie Dienstnehmer bei einem Arbeitgeber beschäftigt sind. Der Antrag auf Bildungskarenz bzw. für den Erhalt des Weiterbildungsgeldes ist bei der zuständigen regionalen Arbeitsmarktservice-Geschäftsstelle zu stellen.

Wie sage ich es meinem Chef?

Bildungskarenz MitarbeiterVereinbart wird die Bildungskarenz zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer. Der Chef muss für die Zeit der Fortbildung also sein Einverständnis geben. Von der Aussicht, Arbeitnehmer zu karenzieren, sind nicht alle Chefs begeistert. Immerhin muss der Betrieb für die Zeit der Fortbildung auf einen Mitarbeiter verzichten. In Zeiten wirtschaftlicher Krise kann die Bildungskarenz aber ein willkommenes Mittel sein, um temporär Belegschaft „abzubauen“. Was Betriebe außerdem bedenken sollten: Gesteht man Arbeitnehmern die gewünschte Fortbildung nicht zu läuft man vielleicht Gefahr, sie ganz zu verlieren. Wer beim Vorgesetzten um Bildungskarenz anfragen möchte, sollte gut vorbereitet in das Gespräch gehen. Auch wenn die Fortbildung vielleicht in erster Linie persönlich bereichernd ist: Dem Chef aufzuzeigen, warum das Unternehmen von der Bildungskarenz profitiert, schadet sicher nicht.

Kann mich der Arbeitgeber während der Bildungskarenz kündigen?

Ja, die Karenzzeit bietet keinen Schutz vor der Kündigung durch den Arbeitgeber. Allerdings darf sie nicht Grund für die Kündigung sein. Wer gekündigt wird und annimmt, dass die Bildungskarenz der Grund dafür war,  sollte sich an die Rechtsberatung der Arbeiterkammer wenden. Kündigt man selbst, erhält man kein Weiterbildungsgeld nach Beendigung des Dienstverhältnisses.

Schwanger in der Bildungskarenz?

Bildungskarenz SchwangerWird eine Arbeitnehmerin während der Bildungskarenz schwanger, tritt sofort der strengere „Mutter“-Kündigungsschutz in Kraft und das Arbeitsverhältnis kann auch nach Beendigung der Bildungskarenz nicht aufgelöst werden. Eine Kündigung während der Schwangerschaft ist prinzipiell nur dann möglich, wenn sich der Arbeitgeber vorab eine Zustimmung des Gerichtes einholt. Und eine solche darf das Gericht nur geben, wenn der Betrieb eingeschränkt bzw. Betrieb oder Betriebsabteilungen stillgelegt werden und eine alternative Beschäftigung nicht möglich ist.

Von der Babypause in die Bildungskarenz?

Es ist wieder möglich, die Bildungskarenz im Anschluss an die Babypause in Anspruch zu nehmen. Diese Regelung gilt für Personen, die sich aufgrund einer vor dem 1. Jänner 2017 erfolgten Geburt in einer Mutterschafts- oder Elternkarenz befinden. Die Bildungskarenz muss danach binnen sechs Monaten angetreten werden.

Wer finanziert die Auszeit?

Auf sein Gehalt muss man für die Zeit der Bildungskarenz verzichten. Allerdings bekommt man vom AMS Weiterbildungsgeld in Höhe des Arbeitslosengeldes. Zuverdienste sind im Ausmaß einer geringfügigen Beschäftigung erlaubt: 395,31 Euro dürfen monatlich dazu verdient werden – entweder beim alten Arbeitgeber oder in einem anderen Unternehmen. Während der Bildungskarenz und dem Bezug des Weiterbildungsgeldes besteht Kranken- und Unfallversicherungsschutz, außerdem ist man pensionsversichert.

Welche Kurse kann ich besuchen?

Arbeitnehmer können für sich entscheiden, welche Bildungsangebote sie absolvieren möchten. Auch Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen im Ausland sind möglich. Kurse, die dem Hobbybereich zuzuordnen sind, können für die Bildungskarenz nicht angerechnet werden.Der Besuch von Bildungsmaßnahmen im Ausmaß von mindestens 20 Wochenstunden muss schriftlich bestätigt werden. Nur dann besteht Anspruch auf das Weiterbildungsgeld vom AMS. Wer Kinder bis zum vollendeten 7. Lebensjahr betreut, muss 16 Stunden Weiterbildungsmaßnahmen nachweisen können. Auch Lernzeiten können miteinberechnet werden, das muss von der Bildungseinrichtung aber bestätigt werden! Beim Besuch einer Universität muss am Ende des Semesters ein Leistungsnachweis von 8 ECTS bzw. 4 Semesterwochenstunden erbracht werden.

Nützliche Informationen und Links

Bildnachweis: Evgeny Atamanenko /Shutterstock; lassedesignen /Shutterstock; Coffeemill /Shutterstock

Martina Kettner

Martina hat zwei Leidenschaften: Schreiben und Fotografieren. Für karriere.at macht sie Ersteres und bloggt am liebsten über alles, was den Arbeitsalltag schöner und Karriereplanung einfacher macht.

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