Alter als Bewerbungs-Manko: Sechs von zehn bekommen keine Antwort

von in Arbeitsmarkt am Mittwoch, 10. Oktober 2012 um 10:26

„Trotz Qualifikation und Erfahrung passe ich nicht zu den jungen Teams, die heute jeder Arbeitgeber will.“ Mit dieser Aussage spricht ein Teilnehmer der jüngsten AK-Befragung wohl vielen Arbeitssuchenden über 45 Jahre aus der Seele. Um die Chancen der Älteren am Arbeitsmarkt in Österreich zu erheben, hat die AK OÖ 6400 Arbeitssuchende befragt. Die zentrale Aussage: Hauptproblem sind fehlende Arbeitsplätze. Viele wünschen sich zudem mehr Motivation und Zuspruch seitens des AMS.

60 Prozent warten meist vergeblich auf Antwort

Das Hauptproblem der Umfrageteilnehmer (634 haben den Fragebogen retourniert) sind die fehlenden Jobangebote. 86 Prozent der Betroffenen sind laut der AK-Umfrage intensiv auf Jobsuche, mehr als die Hälfte von ihnen schickte in den vergangenen sechs Monaten mehr als zehn Bewerbungen ab. Fast 60 Prozent von ihnen bekamen keine oder nur vereinzelt eine Antwort. Eine Einladung zu einem Vorstellungsgespräch gab es nur für zehn Prozent der Befragten. Diese endeten jedoch meist mit einer Enttäuschung. „Immer wieder bekomme ich gute Rückmeldungen bei Bewerbungsgesprächen – doch letztendlich werde ich doch nie eingestellt. Ausreden – das Alter wird nie als Grund angeführt.“ Ein anderer Befragter sagte aus: „Mit 55 Jahren einen passenden Job zu finden, ist schwieriger, als einen Lotto-6er zu machen.“

AMS-Mitarbeiter: Freundlich aber zu wenig motivierend

AK-Präsident Johann Kalliauer

Mit der Beratungsleistung der AMS-Mitarbeiter sind die Befragten zufrieden, die besten Werte enthält das AMS übrigens für die Freundlichkeit (90 Prozent Zustimmung). Was hingegen kritisiert wurde, ist die die Motivationsebene. 40 Prozent der älteren Arbeitssuchenden fühlen sich laut der Umfrage zu wenig vom AMS motiviert und unterstützt, fast die Hälfte beklagt, dass  keine Qualifizierungsangebote zur Verbesserung der Jobchancen getroffen wurden. Ein Betroffener etwa sagt: „Es müsste viel mehr Arbeit für Ältere geben. Man wird zu Lehrgängen geschickt und nicht ernst genommen. Man wird als faul hingestellt. Mir ist das schon drei Mal passiert.“

Forderung: „Wer zu wenig Ältere beschäftigt, muss zahlen“

Für AK-Präsident Johann Kalliauer liegt dies an einem Mangel an Personal und Ressourcen. Er fordert eine Art Bonus-Malus-System, um Unternehmen und Institutionen dazu zu bringen, mehr ältere Arbeitnehmer zu beschäftigen. „Wer zu wenig Ältere beschäftigt, muss zahlen.“

Bildnachweis: Colourbox, AKOÖ

Heike Frenner

Heike Frenner schreibt seit April 2012 für karriere.at In nächster Zeit jedoch nicht so oft und vermutlich mit leichtem Baby-Schwerpunkt.

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