Gutes Betriebsklima hält Arbeitnehmer im Job, Mobbing weckt den Fluchtinstinkt

von in Arbeitsleben am Dienstag, 23. September 2014 um 10:44

Geld alleine macht nicht glücklich. Ein erfüllendes Aufgabengebiet und ein tolles Betriebsklima, das schätzen Arbeitnehmer am meisten. Schlechtes Arbeitklima und Mobbing sind hingegen Gründe, warum sich Mitarbeiter am ehesten nach einem neuen Job umsehen. Herausgefunden hat das eine österreichische Studie, die Personalberaterin Geraldine Hofstetter unter mehr als 500 Bewerbern durchgeführt hat. Was man als Arbeitgeber tun kann, um Mitarbeiter wegen Mobbings nicht zu verlieren, weiß Expertin Christa Kolodej.

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Was macht im Job wirklich zufrieden?

Geraldine Hofstetter

Geraldine Hofstetter, JOB bowl

Rund 700 Personen hat Geraldine Hofstetter im Rahmen einer Studie seit 2009 befragt, über 500 relevante Fragebögen wurden ausgewertet. „Mich hat interessiert, was Mitarbeiter an einen Arbeitgeber bindet und wie Unternehmen Arbeitnehmer halten können“, erklärt Hofstetter, die als Personalberaterin und Personalistin aus langer Erfahrung beide Seiten der Job- und Bewerbersuche kennt. Teilgenommen haben Bewerber quer durch alle Altersschichten, Führungsebenen und Branchen. In über 30 Fragen rund um Arbeitsumfeld, Weiterbildung, Kündigungsgründe, Gehalt, Motivation und Arbeitsbedingungen verrieten die Teilnehmer, was ihnen bei der Jobsuche und im Arbeitsalltag wichtig ist. Im ersten Teil der Blogserie verraten wir:

Was Arbeitnehmer wirklich glücklich macht, kostet nichts

Zufrieden JobAuf die Frage, was Arbeitnehmern im Job wichtig ist, liegt anhand der Studie ganz klar auf Platz 1 ein erfüllendes Aufgabengebiet, dicht gefolgt von gutem Arbeitsklima. Erst auf Platz 3 liegt der Wunsch nach hohem Gehalt. „Was Mitarbeiter schätzen, ist absolut nicht mit hohen Kosten verbunden“, bringt es Hofstetter auf den Punkt. Nicht teure Fringe Benefits, sondern z.B. flexible Arbeitszeiten und ein toller Vorgesetzter, sind den Arbeitnehmern wichtig.

Der ideale Chef ist kompetent, loyal und menschlich

Arbeit Zufriedenheit ChefDer Wunsch nach einem „tollen Chef“ liegt auf Platz 5 der Wunschliste. Was Arbeitnehmer von ihrem Chef erwarten, wurde im Rahmen der Studie ebenfalls abgefragt. Die Top 3 der Dinge, die an einem Chef besonders geschätzt werden: Einen kompetenten Vorgesetzten wünschen sich 61,2 Prozent der Befragten, Loyalität gegenüber den Arbeitnehmern ist für 58,6 Prozent ein wichtiges Kriterium. Dass ein Chef menschlich sein muss, steht für 57,5 Prozent der befragten Bewerber außer Frage. Ein tolles Jobangebot ist für die Befragten aber noch kein Grund, den Posten zu wechseln. Denn die Top-Gründe für den Jobwechsel sind folgende:

Schlechtes Klima und Mobbing? Ich bin dann mal weg!

Buero Streit„Was sind Gründe, einen Job zu wechseln?“ wollte Hofstetter wissen und es liegt klar auf der Hand: Schlechtes Arbeitsklima wäre für 90 Prozent der Befragten Anlass Nummer Eins, um die Flucht zu ergreifen. Für 66 Prozent ist Mobbing Grund genug, um sich betrieblich neu zu orientieren. Stimmt der Draht zum Chef nicht, würden 64,5 Prozent einen Jobwechsel in Erwägung ziehen. Werden die Bewerber nach dem konkreten Grund ihres aktuellen Berufswechsels befragt, geben 44,6 Prozent schlechtes Arbeitsklima als Grund dafür an. Für junge Arbeitnehmer zwischen 18 und 28 Jahren liegen davor nur noch fehlende Aufstiegschancen im Betrieb als Grund für die berufliche Veränderung (52,3 Prozent).

Wenn Mobbing die Atmosphäre vergiftet

Je schlechter die wirtschaftliche Lage, desto eher häufen sich Mobbingfälle. „In wirtschaftlich schlechten Zeiten wird die Ellbogentechnik womöglich schneller und eher eingesetzt“, vermutet Hofstetter. Kompetente Führungskräfte sind deshalb gefragt wenn es darum geht, Mitarbeiter erfolgreich zu führen. Den Zusammenhang zwischen wirtschaftlicher Lage und dem Auftreten von Mobbing bestätigt die Psychologin und Soziologin Christa Kolodej, die sich seit mehr als zwei Jahrzehnten mit dem Thema Mobbing beschäftigt: „In der Beratungsstelle sehen wir hier einen sehr deutlichen Zusammenhang. Immer, wenn wirtschaftliche Krisensituationen auftreten, haben wir einen deutlich rasanten Anstieg, was Mobbingfälle betrifft.“

An die Führungskräfte: Mobbing verhindern, Arbeitnehmer im Unternehmen halten

„Im Sinne der Prävention gibt es 3 grundlegende Säulen, die mobbingpräventiv wirken“, erklärt Kolodej.

  • Angemessenes Konfliktmanagement etablieren
    Zwischen Konflikt und Mobbing muss grundsätzlich unterschieden werden. „Konstruktiv ausgetragene Konflikte sind normale Bestandteile unseres sozialen Lebens. Es ist eine Frage, wie Konflikte ausgetragen werden. Der Arbeitgeber muss Bedingungen schaffen, damit Konflikte in angemessener Art und Weise ausgetragen werden können“, erklärt die Expertin. Wichtiger Punkt ist die Etablierung eines vernünftigen Konfliktmanagements. Darunter fallen z.B. eine Meeting– und Kommunikationskultur und die Etablierung einer konstruktiven Feedbackkultur, damit die Arbeitnehmer angemessen mit Meinungsverschiedenheiten und Konflikten umgehen können. Wenn Mitarbeiter das nicht mehr selbst schaffen, können Konfliktbeauftrage oder andere Anlaufstellen unterstützend eingreifen.
  • Klare Deklaration der Führung gegen Mobbing
    Führungskräfte und das Management müssen ein deutliches Signal abgeben: Mobbing wird nicht toleriert, sondern sanktioniert.
  • Allgemeine Rahmenbedingungen
    „Sie legen fest, wie Arbeit organisiert wird, so dass die Arbeitnehmer sie bestmöglich erledigen können: Dazu gehören Rollenklarheit, Zielklarheit und auch ein Bewusstsein über strukturelle Abläufe. Und eine dazugehörige Führung, die sich verantwortlich zeigt für soziale Konflikte, wenn Mitarbeiter nicht mehr selbst im Stande sind, sie zu lösen“, sagt Kolodej.

Mobbing nimmt Führungskräfte in die Pflicht

Stopp Mobbing„Ich traue mich zu sagen, dass Mobbing ein Führungsthema ist. Bei einer Führung, die diese Aspekte bestmöglich berücksichtigt, wird man eine sehr geringe Mobbingrate haben, weil Konflikte rechtzeitig abgefangen werden“, stellt Kolodej fest. Sind Mobbingfälle erst einmal aufgetreten, muss interveniert werden. „Es gibt in Österreich ganz klare Rechtsnormen, was Mobbing betrifft. Das bedeutet, dass die Führungskraft eine Fürsorgepflicht hat: Wenn sie von Mobbing erfährt, hat sie es zu unterbinden. Fürsorgepflicht heißt, dass sie für Arbeitnehmer Bedingungen schaffen müssen, die deren Gesundheit erhalten. Wenn die Führungskraft von einem Mobbingfall hört,  ist sie juristisch – nicht nur sozial oder ethisch – verpflichtet, Mobbing zu unterbinden“, erklärt die Mobbingexpertin.

Auswege aus der Konfliktsituation

„Im ersten Schritt geht es darum zu deklarieren, dass im Unternehmen Mobbing nicht geduldet wird“, so Kolodej. Denn während der Arbeitgeber eine Fürsorgepflicht hat, haben Arbeitnehmer wiederum eine Interessenswahrungspflicht: Mitarbeiter, die andere mobben, verletzen die Interessen der Organisation und haben ebenso mit juristischen Konsequenzen zu rechnen. Nach der Deklaration laufen die normalen Interventionen weiter, z.B. Einzelgespräche der Führungskräfte mit den Beteiligten, damit diese sich ein Bild von der Situation machen können. Je nach Ergebnis wird die Führungskraft entscheiden, wie sie mit dem jeweiligen Fall weiter umgeht. Sie kann ein moderierendes Gespräch zwischen den Beteiligten führen oder eine externe Beratung hinzuziehen.

Keine Mediation ohne Chef

TeamworkAber auch eine externe Beratung wird den Vorgesetzten einbeziehen, ist für Kolodej klar: „Es wird nicht ohne die Führungskraft gehen! Die Vorstellung, dass ein mediatives Verfahren initiiert wird, an dem die Führungskraft nicht beteiligt ist, ist aus meiner Sicht in Bezug auf Mobbing nicht sinnvoll. Der Vorgesetzte wird zwar nicht immer am Prozess teilnehmen, wenn es einen Konflikt oder Mobbing zwischen den Mitarbeitern gibt, aber nachdem sie die Verantwortung hat, wird sie natürlich miteinbezogen, wenn es um strukturelle Probleme geht. Sie hat die Verantwortung vor Ort, während und nach dem Prozess. Darüber hinaus hat sie je nach Schweregrad die normalen juristischen Sanktionsmöglichkeiten, die von der bloßen Ermahnung bzw. Verwarnung über die Versetzung bis zur Kündigung und Entlassung reichen.“

Bei Bedarf Hilfe von außen holen

Auch Führungskräfte können sich beim Thema Mobbing an diverse Beratungsstellen wenden und Unterstützung holen. Erste Anlaufstelle kann durchaus die Arbeiterkammer sein. “ Man kann sich auch durch einen Coach oder Organisationsentwickler beraten lassen, der kompetent und in der Intervention erfahren ist. Das Thema Mobbing braucht jedenfalls eine Person, die sich mit dem Phänomen auskennt, denn es hat eine ganz eigene Dynamik die es notwendig macht, spezielle Interventionen zu setzen“, sagt Kolodej.

Bildnachweis: PromesaArtStudio /Shutterstock; Theresa Schrems (Portraitbild Hofstetter); Syda Productions /Shutterstock; Nomad_Soul /Shutterstock; Tom Wang /Shutterstock; hxdbzxy /Shutterstock

Martina Kettner

Martina hat zwei Leidenschaften: Schreiben und Fotografieren. Für karriere.at macht sie Ersteres und bloggt am liebsten über alles, was den Arbeitsalltag schöner und Karriereplanung einfacher macht.

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