Arbeiten beim Radio: Glanz, Glamour und Hansi Hinterseer?

von in Arbeitsleben am Montag, 7. Dezember 2015 um 11:56

Dreht man das Radio auf, weiß man meist sofort, auf welchem Sender man gelandet ist. Aber wieso eigentlich? Dafür ist das sogenannte Senderlayout zuständig. Wie auch ein Glas Cola immer gleich gut schmecken soll, gilt auch für den Radiosender ein beständiger Wiedererkennungswert. Dafür zeichnet beim Radio vor allem der Produzent verantwortlich. Im Rahmen unserer Reihe „Menschen und Berufe“ stellen wir heute den Beruf des Radioproduzenten vor. Dazu haben wir mit Claus-Dieter Schneider vom ORF Oberösterreich gesprochen. Er ist im Landesstudio OÖ u.a. für die sendebegleitende Produktion, das Senderlayout, Comedy und die Trailerproduktion zuständig.

Weitere Artikel zum Thema

Die Medienlandschaft ist ein weites Feld mit scheinbar unbegrenzten Möglichkeiten, hohem Glamourfaktor und ein Sinnbild für Kreativität, „irgendwas mit Medien“ ein oft gehörter Berufswunsch. Neben Zeitungen, Zeitschriften und TV gibt es da noch das Radio, das gerade in Österreich vor allem von einer Institution beherrscht wird: dem ORF. Wir haben im Linzer Landesstudio beim Radioproduzenten Claus-Dieter Schneider nachgefragt, was er den ganzen Tag so macht.

Claus-Dieter Schneider, Radio Producer

Claus-Dieter Schneider

Was macht ein Producer im Radio eigentlich?

Dieter Schneider: Der Radioproduzent ist für das akustische Logo des Senders verantwortlich. Wie jede gute Marke, hat auch jeder Radiosender eine eigene ID. Abgesehen von der gespielten Musik und den redaktionellen Inhalten soll der Sender durch sein individuelles Senderlayout jederzeit für den Hörer erkennbar sein.

Die Nachrichten-Jingles und andere Sendeelemente werden heute hauptsächlich von eigens spezialisierten Tonstudios nach bestimmten Vorgaben produziert. Innerhalb der Radiostation wird dann in der sogenannten „Post-Produktion“ das vorhandene Sendelayout auf die aktuellen Erfordernisse hin umgestaltet. Beispiel: Der Advent klingt im Radio natürlich anders als der Sommerferienbeginn.

Und dann werden im Radio Hörfunktrailer aller Art produziert. Zum Teil Radio-Comedy. Oder sogar aufwendige Features mit Originaltönen, Übersetzungen und Musikausschnitten. Aber das ist von Radiostation zu Radiostation verschieden.

Vom Schulabbrecher zum Fotografen zum Werbetexter zum Radioproduzenten

Wie sind Sie zu diesem Beruf gekommen?

Dieter Schneider: Zum Start der Privatradiowelle im Jahr 1998 wechselte ich von der klassischen Werbung ins Privatradio. Zuerst arbeitete ich bei „Welle 1“, später bei „Cityradio Linz“. Davor konzipierte und produzierte ich schon für verschiedene Agenturen Hörfunkspots im Rahmen meiner Tätigkeit als Kreativdirektor und Texter. Beim Radio wechselte ich dann recht rasch vom Schreibtisch zum Mischpult. Dabei war ich vorerst noch für den Werbeauftritt des Senders zuständig. Dann kam die Produktion verkaufter Hörfunk-Spots hinzu. Mithilfe von Seminaren und Schulungen, sowohl im Sender als auch bei Workshops in anderen Radiostationen (auch in Deutschland), eignete ich mir schließlich nach und nach die Fähigkeiten eines Radio-Produzenten an. Beim ORF fing ich im Jahr 2000 als freier Mitarbeiter an, dort war zu dieser Zeit und zum Glück für mich eine Produzentenstelle frei.

Gibt es für das Berufsbild des Produzenten einen klassischen Ausbildungsweg?

Dieter Schneider: Ich war ein klassischer Schulabbrecher und wusste nicht genau, was ich eigentlich beruflich machen wollte. Irgendwie bin ich dann in eine Fotografen-Lehre hineingerutscht. Die Fotografie hat für mich spannend geklungen, war allerdings nicht unbedingt mein Herzenswunsch. Gott sei Dank hatte ich das Glück, nicht bei einem klassischen Portraitfotografen zu landen, sondern bei einem Werbefotografen. So lernte ich die Werbewelt kennen … Ich habe als Juniortexter den Einstieg in eine Agentur gefunden, war später eine Zeit lang selbstständig. Die Musik war natürlich schon da in meinem Leben. Ich bin immer gern auf Konzerte gegangen, hatte eine Band. Besonders der Beginn der Privatradiowelle war eine enorm spannende Sache. Neben Albanien war Österreich ja das einzige Land, in dem es damals noch keine Privatsender gab. Aus der Werbung hatte ich Erfahrung mit der Produktion von Hörfunkspots und das war dann mein Eintritt in die Radiolandschaft – das hat mich sofort fasziniert.

Radio hat mich immer fasziniert, in die Produktion bin ich dann hineingerutscht.

Zu allererst hatte ich generell ein großes allgemeines Interesse für das Radio, sowohl an der redaktionellen als auch an der technischen Seite. Mittlerweile gibt es einige Privatschulen, Fachhochschulen und Studienlehrgänge, die sich mit Tontechnik und Hörfunk beschäftigen. Auch diverse journalistische Studien werden angeboten, wobei ein Radioproduzent im Grunde kein Journalist ist. Als ich Ende der 1990er Jahre begann, bestand unsere Ausbildung aber durchaus aus „Learning by doing“. Zum Start der Privatradios glich die Medienlandschaft noch ein kleines Bisschen dem Wilden Westen. Niemand wusste, wohin die Reise ging, das war spannend und inspirierend.

Im ORF Produktionsstudio

Was sind die spannenden, was die nervigen Seiten an diesem Beruf und wie sieht´s mit der Entlohnung aus?

Dieter Schneider: Man kann seine kreativen Seiten ausleben, auch einmal einen gesungenen Witz produzieren. Und das aktuelle Weltgeschehen mit Musik, Geräusch und gesprochenem Wort immer wieder neu aufbereiten. Gleichzeitig muss man rasch arbeiten können und darf nicht den Überblick verlieren, da in einer modernen Radiostation viele Abläufe sehr genau geregelt sind. Mitunter können gewisse Trailer-Produktionen auch eine ziemliche Herausforderung bedeuten, wenn z.B. viel Information in wenigen Sekunden vermittelt werden soll. Und es gibt technische Komponenten und Standards, die man nicht auf die leichte Schulter nehmen darf. Man sollte auf jeden Fall stressresistent sein!
Zur Entlohnung: Ich denke, dass ich im Moment mit meinem Einkommen ein ausreichendes Auskommen finde …

Was sollte man für diesen Beruf mitbringen und wie sieht der Arbeitsmarkt dafür eigentlich aus?

Dieter Schneider: Freude am Radio, Interesse für Tontechnik, für Musik, aber auch Genauigkeit, die Fähigkeit schnell und unter Druck arbeiten zu können, da Hörfunk immer ein tagesaktuelles Medium ist. Dafür ist es aber auch sehr abwechslungsreich. Das spannende an der Produktion ist ja die Funktion der Schnittstelle zwischen Redaktion und Technik.
Ich würde sagen, dass die Radiolandschaft in Österreich zwar überschaubar ist, aber dennoch genug Möglichkeiten bietet, um z.B. im Rahmen eines Praktikums erste Kontakte zur Branche zu knüpfen. Oft gibt es anfangs nur Teilzeitarbeit oder projektbezogene Arbeit als freier Mitarbeiter, aber es gibt definitiv die Chance auf fixe Anstellungen.
Radioproduktion ist meiner Meinung nach ein Nischenberuf. Von Webradio über freie Radios bis zur Veranstaltungstechnik gibt es da aber doch ein weites Feld an Betätigungsmöglichkeiten. Zur Not könnte man immer noch einen Piratensender gründen – die waren ja in den 1980er Jahren durchaus populär …

Wie schaut ein klassischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Dieter Schneider: Eine spezielle Form der Radio-Produktion betrifft den sogenannten „Frühdienst“ bei dem der Produzent in Echtzeit die Morgensendung – die wichtigste Sendung des Radios, weil da die meisten Menschen zuhören – begleitet und dementsprechend mitgestaltet. Dienstbeginn dafür ist bei uns in Radio OÖ 04:00 Uhr in der Früh. Dabei ist es natürlich spannend, gemeinsam mit dem Redakteur und dem Moderator jeden Morgen die aktuellen Themen hörergerecht und mit Pep aufzubereiten. Aber man sollte eine gute Kaffeemaschine haben! Abgesehen vom Frühdienst haben wir von Montag bis Freitag normale Bürozeiten. Der Jahreskreislauf bleibt immer ungefähr der gleiche – Neuigkeiten und Routine halten sich da gut die Waage. Neue Trends kommen durch die Radioforschung auf. Diese präsentiert gewisse Ergebnisse, die sich der Hörer wünscht. Dann gibt es ja schließlich noch eigene Erfahrung und Wahrnehmung. Und man versucht all das immer aktuell und modern klingen zu lassen. Natürlich sollte man mit offenen Augen und Ohren durch die Welt gehen, wenn man mit Medien arbeitet.

 Zur Not könnte man ja immer noch einen Piratensender gründen!

Arbeiten in der Medienbranche – hat das auch „glamouröse Seiten?

Dieter Schneider: Als Produzent steht man da sicher in der zweiten Reihe. Die Moderatoren stehen im Rampenlicht. Stars wie einen Hansi Hinterseer lernt man aber auch kennen – genau wie die Sekretärin am Eingang. Der Produzent ist innerhalb des Radios aber in erster Linie ein Dienstleister – der Society-Faktor ist deshalb schon sehr eingeschränkt, vor allem in Oberösterreich. Wenn man in Wien bei Ö3 Produzent ist, kann das natürlich noch was anderes sein.

Können Sie sich vorstellen, den Beruf bis zur Pensionierung auszuüben oder lassen Sie sich Raum für einen „Plan B“?

Dieter Schneider: Nun, bis 65 Jahre um drei Uhr morgens aufstehen, ich weiß nicht. Außerdem verändert sich die Medienbranche ständig. Da kann man gar nicht davon ausgehen, dass immer alles gleich bleibt. Ich persönlich arbeite ja zusätzlich in der Musikredaktion und somit in einem zweiten spannenden Radiobereich. Privat schreibe ich auch gerne. Wörter sind neben Musik eine weitere Leidenschaft von mir. Doch im Moment macht die Radioproduktion noch sehr viel Spaß.

Gibt es etwas, das Sie jungen Menschen raten würden, die sich auch für dieses Berufsbild interessieren?

Dieter Schneider: Ich würde über die klassischen Einstiegsfelder „Tontechnik, Mediendesign, Veranstaltungstechnik“ in die Branche hineinschnuppern und versuchen, bei diversen Praktikumsstellen erste Erfahrungen zu sammeln. Erst in der Praxis bekommt man ein Gefühl, ob dieser Beruf auch wirklich für einen selber passt.

Zur Person

Claus Dieter Schneider arbeitet seit dem Jahr 2000 in der Radioproduktion von ORF Radio Oberösterreich. Soeben ist sein erster Roman „Linzer Höhenrausch. Protokoll einer absurden Affäre“ erschienen, der auch einige Einblicke in die Welt des Radios bietet.

Bildnachweis: Chatrawee Wiratgasem / Shutterstock; Claus-Dieter Schneider

Tanja Karlsböck

Tanja Karlsböck verfasst Blogposts rund umʼs Arbeitsleben, denn Schreiben ist ihre liebste Kulturtechnik.

Durch die Nutzung unserer Angebote erklärst du dich mit dem Setzen von Cookies einverstanden. Mehr erfahren