Arbeitstier Chef – braucht der niemals eine Auszeit?

von in Arbeitsleben am Montag, 30. Mai 2011 um 14:43

Sie werden immer beliebter – und auch immer häufiger in Anspruch genommen: Sabbaticals. Immer mehr österreichische Unternehmen geben an, ihren Mitarbeitern die Möglichkeit zu einer längeren Auszeit zu geben. Was allerdings auffällt: Acht von zehn Managern können sich hierzulande nicht vorstellen, sich selbst für längere Zeit auszuklinken.

„Das Ergebnis an und für sich überrascht nicht. Menschen in Führungsposition sind karriereorientiert und möchten in Unternehmen etwas bewegen und weiterentwickeln. Teilweise wird auch die Angst vor Job-, Prestige- und Einkommensverlust eine Rolle spielen. Auf der anderen Seite ist es gerade für Führungskräfte wichtig, auf das innere Gleichgewicht zu achten. Nicht zuletzt deshalb, weil man ja seine nachhaltige Leistungsfähigkeit sichern muss. Und da sind Pausen auch für hoch belastete Top-Manager sinnvoll“, nimmt Katharina Lichtmannegger, Institutsleiterin zu den Ergebnissen des Hernstein Management Reports Stellung.

Sabbatical in zwei von drei Unternehmen möglich

Grundsätzlich geben zwei von drei der befragten Unternehmen an, dass ihre Mitarbeiter Auszeiten nehmen könnten. Grundsätzlich. Denn nur bei sieben Prozent der Führungskräfte sind diese Timeouts laut Studie auch anerkannt. Und: Je kleiner das Unternehmen, umso schwieriger ist es laut Studie, sich einfach einmal auszuklinken.

 

Acht von zehn Managern sagen: „Auszeit keine Option“

Was würde wohl Ihr Chef auf die Frage „Ist Auszeit für Sie persönlich ein Thema?“ antworten? Wahrscheinlich dasselbe wie 79 Prozent der Führungskräfte in Österreich. Nämlich, dass dies für sie oder ihn keine Option sei. Und wenn überhaupt, dann zu einem anderen Zeitpunkt (13 Prozent). Was auffällt, ist, dass Österreich in puncto Auszeit-Möglichkeit im Ländervergleich mit Deutschland und der Schweiz (Grafik oben) zwar führt, das Thema Sabbatical bei den Alpenland-Managern selbst aber noch wenig Akzeptanz hat.

Karriere-Verzicht für Work-Life-Balance? – Undenkbar!

Das zeigt sich auch in folgender Auswertung: In neun von zehn österreichischen Unternehmen weiß man nichts von Führungskräften, die Beförderungen zugunsten ihrer Work-Life-Balance (sprich ihres persönlichen Lebensglückes wegen) abgelehnt hätten. Vergleichswerte: Deutschland 60 Prozent, Schweiz 47 Prozent. In der Schweiz kennt man sogar in fast jedem zweiten Unternehmen (45 Prozent) Einzelfälle, die einen Karrieresprung ausgeschlagen haben.

Auszeit oder Burnout – das ist hier die Frage

Ergebnisse, die nachdenklich machen. Einerseits ist es ja zu begrüßen, wenn Führungskräfte sich selbst nicht so ausgebrannt und von der Arbeit so stark mitgenommen fühlen, dass sie eine längere Zeit Pause vom Unternehmen haben wollen. Denn immerhin spricht dies ja dafür, dass diese Freude an ihrem Job haben und sie über eine große Portion Verantwortungsgefühl gegenüber dem Unternehmen und auch ihren Belegschaften haben. Andererseits: Jeder ist über gewisse Zeitspannen ersetzbar. Das merkt auch jeder von uns nach längeren Urlauben oder Krankheitsphasen.

Und falsch verstandener Ehrgeiz – nach dem Motto „ohne mich läuft hier nichts“ – ist oft der erste Schritt ins Burnout, das oft monate- oder gar jahrelange Krankenstände nach sich zieht. Im Vergleich zu einigen Wochen oder Monaten zuvor klar begrenzter Auszeit oft eine vergleichbar kleine – und billigere – Lösung, um sich selbst vor dem Totalzusammenbruch zu schützen.

Christoph Weissenböck

Christoph Weissenböck macht Kommunikation bei karriere.at. Und dazwischen Blogposts. Schreiben ist für ihn mehr als ein Job.

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