Aufschieberitis: Autopilot einschalten!

von in Arbeitsleben am Donnerstag, 21. April 2011 um 10:20

Jeder kennt das: Angenehmes wird zuerst erledigt. Und ungeliebte Aufgaben türmen sich bereits bedrohlich. So lange, bis fast alles steht. Und dann kommt die Panik. Davor aber noch  Schuldgefühle, innere Unruhe und Unzufriedenheit. Warum gegen die „Aufschieberitis“ oft nur der Autopilot hilft und was Zitronenlimonade damit zu tun hat, weiß Psychologin Christa Schirl-Russegger.

In meinem Job als Buchhalterin in Home-Office habe ich immer wieder Aufgaben, die ich erledigen muss, aber nicht erledigen will. Manche stehen seit Monaten auf meiner Aufgabenliste und ich habe ein schlechtes Gewissen, weil ich mich nicht dazu aufraffen kann. Und es kommen immer wieder Aufgaben dazu. Haben Sie auch für mich einen Tipp, wie ich meine „Aufschieberitis“ beenden kann?

Sie leiden unter U-Aufgaben. U-Aufgaben sind unangenehm, ungeliebt, unerträglich oder unerquicklich, aber leider auch unerlässlich. Sie verursachen schlechtes Gewissen, Unzufriedenheit und Schuldgefühle. Schuldgefühle sind aber leider meist vollkommen nutzlos und kosten viel Energie. Das Unangenehme an diesen Aufgaben ist, dass sie dazu neigen, sich zu vermehren, wenn man sie in einem Anfall von „Aufschieberitis“ immer wieder aufschiebt. Aufschieben sorgt mittelfristig für Frust, weil man nicht schafft, was man sich vornimmt. Ein Teufelskreis, der zu Zweifel an der eigenen Leistungsfähigkeit und am Selbstwert führt.

Das Steuer an den Autopiloten übergeben!

Eine Möglichkeit ist es, zu Ihrer Aufschieberei zu stehen. Was für den einen eine U-Aufgabe ist, kann für den anderen eine angenehme Aufgabe sein. Überlegen Sie sich daher: Gibt es jemanden, mit dem Sie die Aufgabe tauschen können? Unter dem Motto „Du bügelst meine Wäsche, dafür mache ich dir deine Steuer?“ Wenn Sie jemanden finden, der Ihre Aufgabe gerne macht, gewinnt jeder.

Eine andere Möglichkeit ist es, eine U-Aufgabe zu einer Gewohnheit zu machen. Vergleichen Sie es mit dem Zähneputzen. Keiner macht es gerne, aber es gehört zur Routine. Wie das geht? Wenn wir etwas immer wieder machen, schaltet sich unser Autopilot ein. Routine-Aufgaben gehen ganz automatisch ohne Anstrengung, wenn wir gewisse Abläufe immer wieder wiederholen. Wie gesagt: Überlisten Sie sich selbst und notieren Sie sich am Vorabend, was Sie am folgenden  Arbeitstag tun werden (und nicht wollen). Packen Sie den Stier bei den Hörnern und beginnen Sie am nächsten Tag mit dem Unangenehmsten!

Aufgaben versüßen

Eine weitere Idee folgt dem Motto „Beiße nicht in die Zitrone, sondern mache eine Zitronen-Limonade daraus“. Was ich damit meine? Versüßen Sie sich die Aufgaben! Wie das geht? Verbinden Sie das Unangenehme mit etwas Angenehmem. Zum Beispiel: Man kann auch Belege sortieren, wenn daneben die Lieblingsmusik läuft. Eine Reisekostenabrechnung funktioniert mit Laptop auch auf der Terrasse mit einem Stück Torte.

Zur Person:
Christa Schirl-Russegger ist Klinisch- und Gesundheitspsychologin, zertifizierte Arbeitspsychologin und sinnzentrierte Psychotherapeutin. Neben der Tätigkeit in ihrer eigenen Praxis ist sie außerdem Trainerin und Vortragende. Ihre Expertise stellt Christa Schirl-Russegger seit mehreren Jahren zahlreichen Medien zur Verfügung.

Christoph Weissenböck

Christoph Weissenböck macht Kommunikation bei karriere.at. Und dazwischen Blogposts. Schreiben ist für ihn mehr als ein Job.

Durch die Nutzung unserer Angebote erklärst du dich mit dem Setzen von Cookies einverstanden. Mehr erfahren