Auf ins Silicon Valley! Wie lange ein Aufenthalt hier sein muss, um sich bezahlt zu machen

von in Arbeitsleben am Dienstag, 2. September 2014 um 09:34

Eine Woche, ein Monat oder eine Ewigkeit? Wie viel Zeit man für eine Reise ins Silicon Valley investieren sollte, um den Spirit für Unternehmertum und Innovation zu verstehen: Die Journalistin Elisabeth Oberndorfer gibt wieder einen Einblick in das Arbeiten und Leben in der Tech-Metropole.

Ein Gastbeitrag von Elisabeth Oberndorfer

Elisabeth Oberndorfer

Elisabeth Oberndorfer

„Ich komme wieder, wenn ich superreich bin – oder pleite.“ So lautete meine Ansage, wenn Freunde und Arbeitskollegen mich fragten, wie lange ich denn in San Francisco bleiben werde. Wie lange ein Aufenthalt in der Technologie-Metropole wirklich Sinn macht, darüber herrschen unterschiedliche Meinungen. Für mich war klar: Ich will auf jeden Fall dort alle Höhen und Tiefen eines Auslandsaufenthalts miterleben. Alle bürokratischen Hürden durchmachen, eine Wohnung finden, ein berufliches Netzwerk aufbauen und nicht nur das System der Tech-Branche, sondern auch die nordkalifornische Kultur kennenlernen.

Euphorie beim ersten Besuch

Start UpIst das alles notwendig, um zu verstehen, was im Silicon Valley passiert? Nein. Besonders junge Menschen mit Startups oder auch Chefs etablierter Unternehmen aus Österreich nehmen sich ein paar Wochen Zeit, um in die San Francisco Bay Area zu reisen. Ein Foto vor dem Facebook Like-Schild am Hauptstandort des Social Networks, ein Rundgang am Google-Campus und der Besuch von Startup-Events gehören zum üblichen Programm der Kurztrips.
Reichen ein, zwei Wochen aus, um den Silicon Valley Spirit mit nach Hause zu nehmen? Das werde ich oft gefragt und meine ehrliche Antwort darauf ist ein „Jein“.

Motivation und Energie als Souvenir

Was bei Leuten, die nach einigen Tagen oder Wochen wieder in Österreich ankommen, auffällt, ist der Enthusiasmus und die Motivation für neue Projekte. Man ist angeregt von den vielen Innovationen, auf die man hier im Alltag trifft: das mit Elektromotor betriebene Luxusauto oder Bezahlen an der Supermarktkasse mit dem Smartphone. Inspirierend sind auch die Gespräche mit Menschen, die im Gegensatz zur österreichischen Kultur keine Angst davor haben, ihre Geschäftsideen freimütig zu teilen.
„Hier ist alles so toll! Kein Wunder, dass alle hier leben wollen“, teilen mir Kontakte, die ich bei ihrem Kurzbesuch in San Francisco auf einen Kaffee treffe, ihre Begeisterung mit. Dass sie diese Energie als Souvenir in das Heimatland mitnehmen, ist gut. Denn das verschlafene Österreich kann jedenfalls vom Unternehmertum im Valley, das übrigens in den USA insgesamt mehr zu spüren ist als hierzulande, lernen.

Bürokratische Herausforderungen

Bürokratie ArbeitMit Bekannten, die es länger hierher verschlägt, klingt der Kaffeeklatsch anders. Gemeinsam wird über die hohen Mieten gelästert, nach leistbaren Büroräumen gesucht und man teilt sich Steuer- und Versicherungstipps. Personen, die hier mehrere Monate oder sogar Jahre bleiben, tauschen Kontakte zu Bankberatern aus, um möglichst unkompliziert ein Konto und eine in den Vereinigten Staaten überlebenswichtige Kreditkarte zu erhalten.
Aber nicht nur Bürokratisches beschäftigt Startup-Gründer und Unternehmer, die im Silicon Valley mehr Zeit verbringen. Die Suche nach Risikokapital, die viele in den Westen lockt, gestaltet sich schwieriger als gedacht. Europäer sind zwar immer gern willkommen, aber investiert wird oft nur, wenn das Startup auch einen offiziellen Sitz in den USA hat. Und auch die Kommunikation mit der Heimat wird zur Herausforderung. Sowohl die Zeitverschiebung, als auch die geografische Distanz erschweren die Kommunikation mit Kollegen.

Lieber zuhause bleiben?

Nicht zuletzt fällt auch die rosarote Brille ab, die viele Besucher in den ersten Wochen ihres Aufenthalts hier tragen. Unternehmensgründungen werden schneller abgewickelt, die Supermärkte haben auch sonntags offen, doch abgesehen davon ist vieles – zumindest für Auswanderer – im Valley komplizierter als in der Heimat. Das zeigt sich spätestens, wenn die Monatsmiete per Scheck via Post an die Hausverwaltung geschickt werden muss.
Egal ob eine Woche, ein Monat oder eine Ewigkeit: Wer sich weiterbilden will, aus dem Arbeitstrott ausbrechen und neue Ideen sammeln will, für den zahlt sich eine Reise in das Zentrum der Tech-Industrie aus. Eine Rundreise mit Besuchen bei Unternehmen und Konferenzen kratzt jedoch nur an der Oberfläche. Ich selbst habe ein Jahr gebraucht, um das Wirtschaftssystem Silicon Valley zu verstehen. Und Menschen, die noch länger in der San Francisco Bay leben und arbeiten, haben dazu noch eine ganz andere Meinung als ich. Ein kurzer Ausflug an die US-Westküste ist unbestritten besser, als am Schreibtisch zuhause festzukleben. So begann übrigens auch mein San Francisco-Abenteuer. Superreich bin ich bisher zumindest an Erfahrungen geworden.

Zur Person: Elisabeth Oberndorfer

Elisabeth Oberndorfer zog im Winter 2013 nach San Francisco, um als freie Korrespondentin für deutschsprachige Medien über Silicon Valley zu berichten. Seit Juli 2014 splittet sie ihr Berufsleben zwischen Wien, Gmunden und San Francisco auf und arbeitet derzeit an ihrem eigenen Onlinemagazin, fillmore.at.

turtix / Shutterstock.com; Jirsak /Shutterstock; Hurst Photo /Shutterstock

Redaktion

Durch die Nutzung unserer Angebote erklärst du dich mit dem Setzen von Cookies einverstanden. Mehr erfahren