Minijobs und Teilzeitarbeit als Ehekiller?

von in Arbeitsleben am Freitag, 3. Juli 2015 um 10:27

Um 8 Uhr ins Büro und um 17 Uhr wieder nach Hause, abends und am Wochenende Zeit für Freunde und Familie – das ist für Arbeitnehmer in atypischer Beschäftigung nicht die Regel. Wie sich Minjobs, Teilzeitstellen und Leiharbeit auf das Privatleben auswirken, hat eine deutsche Studie untersucht.

Welche Effekte das Arbeiten abseits der „Norm“ auf das Privatleben hat, hat eine Studie des Forschungszentrums Familienbewusste Personalpolitik in Münster untersucht. Im Zentrum stand die Frage, wie sich atypische Beschäftigungsformen auf Familie, Partnerschaft und soziale Netzwerke auswirken.

Die zwei Seiten der Medaille

Atypische Beschäftigungsverhältnisse wie Teilzeitarbeit, Minijobs oder Leiharbeit sind laut den Studienautoren nicht zwingend negativ zu sehen, haben aber zwiespältigen Chrakter: Befristete Stellen und Leiharbeitsjobs werden überwiegend unfreiwillig und mangels Alternativen angenommen, bei Teilzeitstellen und Minijobs sieht es teilweise aber anders aus. Insbesondere Frauen entscheiden sich oft bewusst für solche Jobs, um mehr Zeit für die Familie zu haben. Doch auch hinter der scheinbar freiwilligen Wahl stecken oft strukturelle Zwänge: Fehlende Kinderbetreuung oder mangelndes Familienbewusstsein in der Arbeitswelt.

Verliebt, verlobt, verheiratet?

„Während normalbeschäftigte Männer zumeist eine Partnerin im Hintergrund haben, die ihnen den Rücken für das berufliche Engagement freihält, sind Frauen mit regulärem Job mehrheitlich ledig“, schreiben die Studienautoren Irene Gerlach, Regina Ahrens, Inga Laß und Henning Heddendorp. Nur 38 Prozent der Frauen seien verheiratet, unter den normalbeschäftigten Männern seien es 59 Prozent. Laut Studie scheint atypische Beschäftigung sogar die Partnerschaft zu belasten: Nicht verheiratete Paare trennen sich laut Studie öfter, wenn ein Partner in Leiharbeit beschäftigt ist oder beide Partner atypischen Beschäftigungen nachgehen. Bei verheirateten Paaren ist dieser Effekt nicht zu beobachten.

Kinderbetreuung ist meist Frauensache

Beschäftigte in Teilzeit oder Minijobs investieren am meisten Zeit in die Betreuung von Kindern – im Schnitt zwischen 7,6 und 11,2 Stunden pro Werktag, wenn das jüngste Kinder unter drei Jahren ist. Diese Betreuungsarbeit wird überwiegend von Frauen übernommen. Beschäftigte in Normalarbeitsverhältnissen, eine Gruppe mit besonders hohem Männeranteil, wenden am wenisten Zeit für Kinderbetreuung auf: 2,7 Stunden pro Werktag.

Wenig Mitsprache im Job

Während Vollzeitbeschäftigte über Gewerkschaften oder Betriebsräte gut organisiert sind, sieht es bei Beschäftigten mit atypischen Jobs anders aus: Je größer die Abweichung vom Normalarbeitsverhältnis, desto weniger Mitspracherecht haben Arbeitnehmer in der Arbeitswelt. Geringfügig Beschäftigte sind am seltensten organisiert, am besten gelingt das befristet Vollzeitbeschäftigten.

Bildnachweis: aslysun / Shutterstock

Martina Kettner

Martina hat zwei Leidenschaften: Schreiben und Fotografieren. Für karriere.at macht sie Ersteres und bloggt am liebsten über alles, was den Arbeitsalltag schöner und Karriereplanung einfacher macht.

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