Arbeitsmarkt: Bildung schützt vor Sorgen nicht

von in Arbeitsmarkt, Jobsuche am Dienstag, 2. August 2016 um 10:30

Je besser die Ausbildung, umso besser die Chancen am Arbeitsmarkt. Ein Satz, der einleuchtet und den die meisten Experten unterschreiben würden. Trotzdem sind Österreichs Akademiker eher skeptisch, was den Jobmarkt betrifft, besagt nun eine Studie. Ein Erklärungsansatz dafür: Die Erwartungen von Arbeitnehmern an Jobs und Arbeitgeber sind oft zu hoch gesteckt.

Zwei von drei österreichischen Arbeitnehmern zwischen 30 und 49 Jahren und mit Bachelor, Master oder MBA-Abschluss – 63 Prozent – sehen die aktuelle Situation am Arbeitsmarkt „schlecht“. Jeder Dritte davon glaubt sogar, dass es „sehr schlecht“ stehe. Zahlen, die aus einer europaweiten Umfrage der Personalberatung Michael Page stammen und im Job Confidence Index zusammengefasst wurden. Verglichen mit anderen europäischen Staaten liegt deser Wert unterhalb des Mittelwerts. Nur in Frankreich (66 Prozent), Italien (75 Prozent), Portugal (78 Prozent) und Spanien (82 Prozent) sieht man die Lage am jeweiligen Arbeitsmarkt noch pessimistischer.

Negative Arbeitsmarkt-News schuld?

Wen wundert’s, möchte man fragen. Immerhin waren die Schlagzeilen selten ermutigend, die der Arbeitsmarkt in den vergangenen Jahren geliefert hat. So waren im Juli 2016 insgesamt 379.679 Menschen in Österreich arbeitslos oder in Schulung, verlautbarte das Sozialministerium.

Aber…

  • Dass Personen mit niedrigerem Ausbildungsniveau häufiger und länger von Arbeitslosigkeit betroffen sind, ist seit Jahren ebenso Fakt.
  • Dass mit 3.675.000 Personen aktuell um 45.000 Menschen mehr unselbständig arbeiten als noch zum gleichen Zeitpunkt 2015, ist auch bekannt.
  • Dass die Zahl der offenen Stellen – nicht zuletzt aufgrund des Startup-Booms – kontinuierlich steigt, kann man immer wieder in Medien lesen.

Warum sind dann gerade Akademiker im besten Berufs-Alter so pessimistisch? Nur 39 Prozent der Umfrageteilnehmer glauben, dass sich die Situation am Arbeitsmarkt verbessern wird. Christoph Trauttenberg, Director der Personalberatung Michael Page Österreich ist überzeugt, dass sich die Anforderungen an Arbeitgeber verändert haben. Letztere hätten in dieser Hinsicht jedoch noch nicht nachgezogen: „Die Erhebungen im Job Confidence Index zeigen, dass über die Hälfte aller Bewerber bei Neuanstellung von einem Gehaltssprung ausgeht. Allerdings sind fast 40 Prozent der Befragten auf Jobsuche, da sie sich persönlich weiterentwickeln wollen. Arbeitgeber setzen hier oft zu wenig Reize, um ihre Mitarbeiter zu fördern und im Unternehmen zu halten.“

Arbeitnehmer vertrauen in ihr Können

Trotz der Sorgenfalten, die „der Arbeitsmarkt“ den Umfrageteilnehmern ins Gesicht treibt, vertrauen höher Gebildete grundsätzlich aber auf ihre Fähigkeiten: Vier von zehn glauben, innerhalb von drei Monaten eine neuen Job finden zu können. 80 Prozent sind optimistisch, dass sie immerhin noch binnen eines halben Jahres einen adäquaten Job an Land ziehen, so Trauttenberg: „Diese Werte rücken die negative Grundstimmung ein ein neutraleres Licht.“

Bildnachweis: pathdoc / Shutterstock

Christoph Weissenböck

Christoph Weissenböck macht Kommunikation bei karriere.at. Und dazwischen Blogposts. Schreiben ist für ihn mehr als ein Job.

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