Arbeitsmarkt: Mehr offene Stellen, aber auch mehr Arbeitslose

von in Arbeitsmarkt am Mittwoch, 14. September 2016 um 10:39

Die Statistik Austria hat Zahlen zum 2. Quartal des österreichischen Arbeitsmarktes veröffentlicht: Die Zahl der Erwerbstätigen steigt zwar – aber auch die Arbeitslosenquote hält sich auf hohem Niveau. Weitere interessante Ergebnisse: Wie viele Österreicher gerne mehr arbeiten würden, als sie es derzeit tun und wie groß die „stille Reserve“ am Arbeitsmarkt tatsächlich ist.

Die Fakten zum Arbeitsmarkt

  • 4.212.400 Personen waren im 2. Quartal des Jahres erwerbstätig, ein Plus von 84.300 im Vergleich zum 2. Quartal des Vorjahres. Dieser Anstieg ist teils saisonbedingt, insbesondere bei Männern
  • 273.400 Personen waren im 2. Quartal arbeitslos – weniger als im ersten Viertel des Jahres, aber deutlich mehr als im Vergleichszeitraum 2015 (254.100 Arbeitslose im 1. Quartal 2015)
  • Die Zahl der offenen Stellen steigt: 75.500 Jobs waren im 2. Quartal zu haben, in den drei Monaten davor waren es 73.200 freie Stellen
  • Die größten Beschäftigungszuwächse verzeichnen diese Branchen: Herstellung von Waren (plus 21.000), Gesundheits- und Sozialwesen (plus 18.200) sowie Beherbergung und Gastronomie (plus 17.600)

Starkes Plus bei Vollzeitjobs

Mehr Unselbstständige in Österreich (plus 87.700) und hier im Jahresvergleich mehr Männer als Frauen. Ein großes Plus gibt es außerdem bei ausländischen Staatsangehörigen sowie älteren Personen ab 55 Jahren. Die Zahl der Vollzeitbeschäftigten erhöhte sich im analysierten Quartal um 56.300, je zur Hälfte Männer und Frauen. Um 31.400 stieg die Zahl jener, die Teilzeit arbeiten. Ein Großteil des Anstiegs entfällt übrigens auf Männer – plus 25.600 männliche Teilzeitbeschäftigte laut Statistik. Teilzeitarbeit bleibt insgesamt dennoch fest in weiblicher Hand.

Arbeitslosigkeit

Im Jahresvergleich erhöhte sich die Zahl der Arbeitslosen deutlich. Diese unerfreuliche Entwicklung betrifft vor allem Männer, Jugendliche, Personen ohne höheren Bildungsabschluss sowie ältere Personen ab 55 Jahren.

 2. Quartal 20162. Quartal 2015
Arbeitslose273.400254.100
Arbeitslosenquote6,1 %5,8 %
Männer6,6 %6,2 %
Frauen5,5 %5,4 %
Jugendliche (15 bis 24 Jahre)10,8 %10,2 %
Ältere (55 bis 64 Jahre)5,2 %4,4 %

Die „stille Reserve“ am Arbeitsmarkt

111.800 Personen im Alter von 15 bis 64 Jahren waren im 2. Quartal 2016 zwar ohne Job, suchten aber auch nicht aktiv nach Arbeit. Sie stünden allerdings innerhalb von zwei Wochen für eine Arbeitsaufnahme zur Verfügung. Diese Personengruppe wird als „stille Arbeitsmarktreserve“ bezeichnet. Im Vorjahr waren es 128.600 Personen. Einige Österreicher würden gerne mehr arbeiten, als sie das derzeit tun. 230.900 Personen arbeiten weniger als 40 Wochenstunden, äußerten aber den Wunsch nach einer höheren Arbeitszeit und würden dafür auch kurzfristig zur Verfügung stehen (arbeitsbezogene Unterbeschäftigte).

5 Jahre Arbeitsmarkt: Mehr Teilzeitstellen

Die Zahl der Erwerbstätigen ist seit dem 2. Quartal 2011 um insgesamt 165.400 Personen gestiegen. Der größte Teil davon ist in der Unselbstständigkeit tätig, der Anteil der Frauen überwiegt (56,4 %). Der Zuwachs betrifft fast ausschließlich Teilzeitstellen – bei Männern und Frauen gleichermaßen. Bei Selbstständigen und Mithelfenden zeigt der Blick auf die letzten fünf Jahre, dass ein Austausch von Vollzeiterwerbstätigen (minus 18.900) gegen Teilzeiterwerbstätige (plus 17.100) stattgefunden hat.

Zur Methodik

Die veröffentlichten Daten stammen aus der „Europäischen Arbeitskräfteerhebung“, die in allen EU-Mitgliedsstaaten durchgeführt wird. In zufällig ausgewählten Haushalten werden Informationen zu Erwerbstätigkeit und Arbeitssuche erhoben. In Österreich wird diese Erhebung im Rahmen des Mikrozensus durchgeführt. Wöchentlich werden rund 1.500 Haushalte befragt, die Daten werden auf die Bevölkerungszahl hochgerechnet. Arbeitslose nach internationaler Definition: Personen, die  nicht erwerbstätig sind, innerhalb der nächsten beiden Wochen nach der Referenzwoche eine Arbeit aufnehmen können und in der Referenzwoche oder den drei vorhergehenden Wochen aktiv eine Arbeit gesucht haben oder nur deshalb nicht gesucht haben, weil sie bereits eine Arbeit gefunden haben, die sie innerhalb von drei Monaten aufnehmen werden. Definitionsbedingt liegen sowohl die Zahl der beim Arbeitsmarktservice (AMS) registrierten Arbeitslosen als auch die nationale Arbeitslosenquote deutlich über dem Niveau der von Statistik Austria erhobenen Zahlen nach internationaler Definition.

Bildnachweis: rawpixel.com/Shutterstock

Martina Kettner

Martina hat zwei Leidenschaften: Schreiben und Fotografieren. Für karriere.at macht sie Ersteres und bloggt am liebsten über alles, was den Arbeitsalltag schöner und Karriereplanung einfacher macht.

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