Österreichischer Arbeitsmarkt: mehr Arbeitslose und Unselbstständige in Teilzeit

von in Arbeitsmarkt am Donnerstag, 16. Juni 2016 um 10:31

Das Jahr 2016 hat nicht wirklich einen guten Start hingelegt, wenn es um den Arbeitsmarkt in Österreich geht. Die Statistik Austria hat die Zahlen für das erste Quartal des Jahres anhand des Mikrozensus Österreich analysiert. Besonders auffallend: die Arbeitslosigkeit ist recht deutlich angestiegen, mehr Männer arbeiten Teilzeit und ältere Frauen in Berufen beeinflussen die höhere Erwerbsbeteiligung maßgeblich.

Der Arbeitsmarkt in Österreich im Überblick

  • 4.144.400 Personen sind in Österreich Anfang des Jahres erwerbstätig – immerhin 68.700 mehr als im 1. Quartal 2015.
  • Die größten Zuwächse wurden im Bereich „Erziehung und Unterricht“, im „Gesundheits- und Sozialwesen“ und der „Herstellung von Waren“ festgestellt.
  • 275.400 Menschen waren im 1. Quartal 2016 arbeitslos (internationale Definition).
  • Den arbeitslosen Personen standen 73.200 offene Stellen gegenüber – 6.400 mehr als im Vorjahr.

Arbeitslosigkeit: Anstieg vor allem bei Jugendlichen

Mehr Arbeitslose durch die Bank – so lautet die traurige Bilanz für das 1. Quartal 2016. Im Vergleich zum Vorjahr ist die Zahl der Arbeitslosen deutlich gestiegen. Männer sind davon mehr betroffen als Frauen. Insgesamt trifft der Anstieg der Arbeitslosigkeit besonders Jugendliche und ältere Personen (ab 45 Jahren) mit österreichischer Staatsangehörigkeit und Personen ohne höheren Bildungsabschluss.

 1. Quartal 20161. Quartal 2015
Arbeitslose275.400251.000
Arbeitslosenquote6,3 %5,8 %
Männer6,8 %6,3 %
Frauen5,6 %5,3 %
Jugendliche (15–24 Jahre)11,7 %9,6 %
Ältere (55–64 Jahre)5,1 %4,9 %

Stagnierende Selbstständigkeit – mehr Unselbstständige

Vor allem die Unselbstständigen bewirkten den Anstieg in der Erwerbstätigkeit. Während die Zahl der Unselbstständigen ein deutliches Plus verzeichnen konnte (+78.800), stagnierte die Anzahl der Selbstständigen und mithelfende Familienangehörige erlebten ein Minus von 11.800. Der allgemeine Beschäftigungszuwachs verteilte sich auf Vollzeit und Teilzeit.

Teilzeit: immer mehr Männer

Im aktuellen Quartal erhöhte sich die Zahl der Vollzeitbeschäftigten um 42.700 auf 2.565.000. Auch die Teilzeitarbeitenden nahmen um 36.100 Personen zu. Wie üblich arbeiten mehr Frauen (851.700) Teilzeit als Männer (195.000). Dieses Jahr entfiel allerdings etwas mehr als die Hälfte des Anstiegs auf Männer.

Mehr arbeitende ältere Frauen

Vor allem ältere Frauen sind der Grund für die höhere Erwerbsbeteiligung im Vergleich zum Vorjahr: Die Zahl der 55- bis 59-Jährigen, die einem Beruf nachgehen stieg um 3,8 Prozentpunkte auf 58,3 %, bei Männern zwischen 55 und 64 Jahren immerhin auch um 3,2 Prozentpunkte auf 56,4 %.

Fünf-Jahres-Rückblick: deutliches Plus für Teilzeit

Sieht man sich die Entwicklungen des Arbeitsmarktes über den Zeitraum von fünf Jahren an, fällt besonders auf, dass deutlich mehr Frauen (+90.900) als Männer (+66.300) am Zuwachs der Erwerbstätigen in Österreich beteiligt waren. Gleichzeit gehen Frauen immer mehr von Vollzeitarbeit (-36.100) weg zu Teilzeitarbeit (+127.000). Der Abbau von Vollzeitstellen (insgesamt -26.900) fand überwiegend bei Selbstständigen und Mithelfenden statt. Der Zuwachs bei Teilzeitbeschäftigung (insgesamt +184.100) betraf großteils Unselbstständige.

 

Quelle: Statistik Austria, Mikrozensus-Arbeitskräfteerhebung und Offene-Stellen-Erhebung. Internationale Definition des Erwerbsstatus nach dem ILO-Konzept.

Bildnachweis: Luna Vandoorne / Shutterstock

Tanja Karlsböck

Tanja Karlsböck verfasst Blogposts rund umʼs Arbeitsleben, denn Schreiben ist ihre liebste Kulturtechnik.

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