Arbeitsdruck hat zwei Gesichter: Superkräfte und Supergau

von in Arbeitsleben am Donnerstag, 16. Mai 2013 um 10:04

Unter Stress passieren Fehler. Diese Aussage mag zwar richtig sein – jedoch nicht immer zutreffen. Wie eine aktuelle Studie der Universität Basel zeigt, kann Stress unter gewissen Umständen die Leistung sogar steigern. Der Druck, mehrere Aufgaben gleichzeitig erledigen zu müssen, kann Mitarbeiter zu regelrechten Superhelden der Arbeit machen.

Es hängt jedoch von der Art der Aufgabe ab, wie gut das Multitasking gelingt.

Erfahrungsschatz eines Mediziners

diagnoseZu diesem Ergebnis kommt das Forscherteam um die Psychologin Bettina von Helversen. Der Grund für die hohen Leistungen im Stress-Modus ist, dass Betroffene unter Druck ihre Bearbeitungsstrategien verändern. Anstatt nach Regeln zu agieren, wird eher mit Hilfe von Ähnlichkeits-Strategien gearbeitet. Was damit konkret gemeint ist, erklären die Forscher anhand eines einfachen Beispiels. Muss ein Mediziner anhand von Symptomen eine Diagnose erstellen, greift er unter Druck eher auf seinen Erfahrungsschatz zurück und versucht, sich an Parallelen zu früheren Fällen zu erinnern. So kommt nicht nur Dr. House schneller zur richtigen Diagnose. Hat der Mediziner hingegen keinen Zeitdruck, so entscheidet er eher systematisch und geht nach fixen Regeln vor.

Wann Druck nicht gut ist

unter_druckAls Gegenprobe wurde ein zweiter Versuch gestartet. Für diesen wurden Teilnahme eine Aufgabe gestellt, die am besten nach strikten Regeln gelöst wird. Es zeigte sich, dass, unter Druck mehr Fehler passierten. Der Grund? Auch in dieser Stress-Situation reagierten die Menschen mit Ähnlichkeits-Strategien – was jedoch für diese Aufgaben nicht zielführend war. Für die Forscher ist nun bestätigt, dass die Redewendung „Man kann nicht auf zwei Hochzeiten tanzen“ nicht generell gültig ist.

Je komplexer desto besser

Ob Stress Superkräfte verleiht oder doch eher zum Supergau führt, hängt also stark von der jeweils zu erledigenden Aufgabe ab. „Als Daumenregel kann man sagen, dass Multitasking eher zum Erfolg führt, wenn die Aufgabe komplex ist.“

Bildnachweis: optimarc / Quelle Shutterstock, Violet Kaipa / Quelle Shutterstock, Azuzi / Quelle Shutterstock

Heike Frenner

Heike Frenner schreibt seit April 2012 für karriere.at In nächster Zeit jedoch nicht so oft und vermutlich mit leichtem Baby-Schwerpunkt.

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