Arbeitgeber-Image: „Wenn man bei euch reingeht, fühlt man sich wohl“

von in HR am Mittwoch, 11. September 2013 um 07:20

Schlagzeilen über die attraktivsten Arbeitgeber für Studenten lassen nicht nur HR-Manger und Personalchefs aufhorchen. Die spannende Frage lautet: Wie schafft es ein Unternehmen, dass so viele Menschen dort arbeiten wollen? Der Tee- und Gewürzspezialist Sonnentor mit Sitz im niederösterreichischen Örtchen Sprögnitz ist so ein beliebter Arbeitgeber. 40 Blindbewerbungen pro Woche sind keine Seltenheit. Warum das so ist, erklärt Sonnentor-HR-Manager Klaus Doppler im Interview.

„Employer Branding ist seit Jahren immer wieder Thema“

Blindbewerbungen sind ein sehr deutliches Zeichen für die Attraktivität als Arbeitgeber. Wie sieht es damit bei Sonnentor aus?

Klaus Doppler

Klaus Doppler

Klaus Doppler: In manchen Wochen haben wir zehn bis 15 Blindbwerbungen aber dann gibt es wieder Zeiten, in denen es bis zu 40 Stück pro Woche sind.

Liegt das Geheimnis an der großen Bekanntheit?

Klaus Doppler: Auf der einen Seite sind wir natürlich in einer Region, in der Arbeitsplätze rar sind. Auf der anderen Seite sind wir als Marke in den vergangenen Jahren sehr bekannt geworden. Wir investieren viel in die Frage, wie wir uns und unsere Produkte positionieren. Die Arbeitgebermarke, also das Employer Branding, ist bei uns seit einiger Zeit immer wieder Thema. Zudem ist die Marke Sonnentor auch aufgrund des Designs immer wieder im Blickpunkt.

Für welche Bereiche kommen Bewerbungen?

fertigung-sonnentorKlaus Doppler: Quer durch den Gemüsegarten. Bei uns gibt es Positionen in den verschiedensten Bereichen – von der Verwaltung über den Verkauf bis hin zu Marketing, Franchise, EDV und die Fertigung. Grob kann man sagen, dass für die Fertigung viele Interessenten aus der Gegend kommen. Es interessieren sich gerade in letzter Zeit aber auch immer mehr Menschen von weiter weg. So erhalten wir derzeit etwa viele Bewerbungen von Menschen aus dem Großraum Linz oder Wien, die nach einigen Jahren in der Stadt zurück aufs Land wollen. Es gibt aber auch Bewerber aus Tschechien, Deutschland und der Schweiz – etwa für den Außendienst. Und dann erhalten wir immer mehr Anfragen von Studenten oder Schülern für Praktikumsplätze.

„Es ist ein sehr guter Drive entstanden“

 Was zählt neben der Marke Sonnentor?

Klaus Doppler: Es geht um die Philosophie und die Werte, die wir selbstverständlich auch leben. Das Miteinander spielt bei uns eine große Rolle. So erhalten neue Mitarbeiter eine intensive Einschulung, denn die Integrationsphase ist uns sehr wichtig. Weiters gibt es das gesunde Mittagessen, welches im Grunde gratis ist. Wir legen viel Wert auf gemeinschaftsfördernde Aktivitäten wie Feiern, Schulungen, Seminare und  Weiterbildungen – diese sind für die Mitarbeiter in der Regel ebenfalls gratis. Auch auf das Thema der Führungskräfteentwicklung wird viel Wert gelegt, da ist in den letzten Jahren ein sehr guter Drive entstanden.

Gutes Miteinander als Schlüssel zu langfristigem Erfolg

sonnentor_kochenDas Feedback von vielen Seiten lautet: „Wenn man bei euch reingeht, fühlt man sich wohl.“ Wenn man ein bisschen ein Gespür dafür entwickelt, merkt man einfach, wie es in einem Unternehmen zugeht. Die Wertschätzung und das gegenseitige Vertrauen sind für uns die wichtigste Basis. Sicher, Gewinnmaximierung ist das eine aber langfristig wird nur der erfolgreich sein, der eine breite, gute Basis im Miteinander erreicht hat.

Wie läuft die vorhin angesprochene Integrationsphase ab?

Klaus Doppler: Diese Phase dauert in der Regel zwei bis drei Wochen und bedeutet, dass jeder alle Bereiche einmal kennenlernt. In einem so genannten Durchlauf gibt es ein Training on the Job in allen Bereichen – und zwar egal, als was man später anfangen wird. Der Grund ist einfach: Alle Mitarbeiter müssen wissen, wie  das Werk funktioniert. Das kostet zwar Zeit und auch Geld  aber lohnt sich und zwar tausendfach. Schön ist auch, dass sich die Leute so wirklich kennen lernen.

Wie sieht die Mitarbeiterentwicklung bei Sonnentor aus?

sonnentor_eingangKlaus Doppler: Vor zehn Jahren waren wir etwa 35 Mitarbeiter, heute bewegen wir uns auf die 200 zu. Vor allem in den Jahren zwischen 2007 und 2010 sind wir stark gewachsen, da kamen jedes Jahr etwa 25 neue Gesichter hinzu. Aktuell wachsen wir jährlich um bis zu 15 Personen. Freilich gibt es auch Pensionen und Karenzen, die Rückkehrquote nach einer Karenz ist aber sehr, sehr hoch – sie liegt bei 80-90 Prozent. Wir wollen diese Mitarbeiter natürlich zurück bekommen, deshalb wird es ab dem Frühjahr 2014 auch eine eigene Kinderbetreuung geben.

Sonnentor-Chef Hannes Gutmann

Sonnentor-Chef Hannes Gutmann

Die Spitze muss die Philosophie vorleben

Die dritte, große Säule ist, dass sich immer mehr Menschen mit dem Thema Nachhaltigkeit beschäftigen und sich hier von der Sonnentor-Philosophie verstanden fühlen. Ganz vergessen darf man dabei natürlich nicht, dass wir auch ein wirtschaftliches Unternehmen sind. Die Interessen zu verbinden ist eine gewisse Kunst aber sehr wohl möglich. Es liegt immer im Ermessen, was man bereit ist, dafür zu tun. Und eines ist klar: Vorleben muss es immer die Spitze! Hannes Gutmann lebt sehr intensiv vor, darum funktioniert das sehr gut. Ich sage aber immer: Jeder hat die freie Wahl zu entscheiden, ob er in diesem Boot mitrudert oder nicht.

Zur Person: Klaus Doppler

Klaus Doppler ist seit 2003 bei der Firma Sonnentor, zuvor war er in der Produktionsplanung und Betriebsorganisation sowie Abteilungsleiter im Qualitätsmanagement. Seit 2004 leitet der 42-Jährige die Abteilung Human Resources.

Das Werk

Die Firma Sonnentor feiert heuer 25-jähriges Jubiläum und hat sich vom kleinen Kräuterhandel zu einer regelrechten Institution mit 180 Mitarbeitern gemausert. Aktuell wird an einer eigenen Sonnentor-Akademie gebaut, bis zum Frühjahr 2014 soll das Seminarzentrum samt Gasthaus und Kinderbetreuungseinrichtung stehen.

Bildnachweis: FREEGREEN/Quelle Shutterstock, Sonnentor

Heike Frenner

Heike Frenner schreibt seit April 2012 für karriere.at In nächster Zeit jedoch nicht so oft und vermutlich mit leichtem Baby-Schwerpunkt.