Arbeiten in der Schweiz: Drei Österreicherinnen im Interview

von in Arbeitsleben, Arbeitsmarkt am Montag, 10. Februar 2014 um 12:51

Ob als Expatriate, für ein bestimmtes Projekt oder auf unbestimmte Zeit: Viele Arbeitnehmer zieht es in die Ferne, die Schweiz ist dabei aus mehreren Gründen ein recht attraktives Ziel. Arbeiten in der Schweiz – klingt für viele verlockend, doch was bedeutet es wirklich und ist Geld immer der Schlüsselfaktor? Wir haben nachgefragt.

Weitere Artikel zum Thema

Zwei Neu-Schweizerinnen berichten

Viele träumen von einem erfolgreichen Arbeitsleben im Ausland, manche haben den Schritt gewagt. Daniela Kocagoez, Alexandra Pieler und Julia Ebner sind drei der vielen Österreicher, die aktuell im Nachbarland Schweiz leben und arbeiten. Im Interview erzählen Sie, was sie zum Auswandern motiviert hat und wie das Arbeitsleben sich durch den Wechsel verändert hat.

Was hat euch in die Schweiz gebracht?

Daniela

Daniela Kocagoez

Vor einigen Jahren habe ich in Wien einen Schweizer Mann kennengelernt. Nach drei Jahren Fernbeziehung war für uns klar, dass ich von Wien nach Zürich ziehe und nicht umgekehrt. Ich war neugierig und offen für Neues. Nun bin ich seit zweieinhalb Jahren in Zürich, hab eine super Stelle und im April heirate ich. Es hat sich also definitiv gelohnt“, so Daniela Kocagoez. Recht frisch noch ist das Arbeiten in der Schweiz für die Architektin Alexandra Pieler – sie hat ihre neue Stelle im September des Vorjahres begonnen. Beweggründe für den Wechsel waren neben der Sympathie für das Land und die Schweizer das bessere Ansehen der Architekten sowie das bessere Gehalt. Die gebürtige Linzerin Julia Ebner ist seit November 2011 fix in Basel, bereits im Sommer 2009 hat sie in ihrer jetzigen Firma ein Praktikum absolviert. „Ich habe meinen jetzigen Job im Bereich Marketing & Sales schon vor Studienende angeboten bekommen und war neugierig auf ein neues Umfeld. Außerdem ist der Berufsstart in der Schweiz sicher gut für meine spätere Karriere.“

„Die drei Küsse zur Begrüßung waren die größte Umstellung“

Arbeiten in der Schweiz Hochdeutsch

Extrem positiv überrascht hat mich, dass ich mich ohne Probleme so wohl fühle. Die größte Umstellung waren wohl die drei Küsse auf die Wange bei der Begrüßung anstatt der zwei österreichischen sowie die schweizer Tastatur. Aber im ernst: Zürich bietet extrem viel und ist zugleich nicht zu groß. Ein Unterschied bei der täglichen Arbeit ist, dass diese hier viel entspannter abläuft“, so Pieler.

„Nur noch Hochdeutsch“

Für Kocagoez, die als diplomierte Gesundheits- und Krankenschwester arbeitet, hat es sechs Monate gedauert, bis sie sich richtig zu Hause gefühlt hat. „Obwohl in Österreich und der Schweiz deutsch gesprochen wird, ist der Unterschied doch größer, als man denkt.“ Auch für Ebner war die Sprache die größte Umstellung: „Da viele Deutsche mit mir arbeiten und ein zusätzlicher Dialekt zum Schweizerdeutschen immer auf viele Rückfragen gestoßen ist, habe ich mir angewohnt, nur noch Hochdeutsch zu sprechen.“

Mehr Anerkennung der Arbeit

AnerkennungSpannend sind freilich vor allem jene Punkte, die die Arbeit in der Schweiz von jener in Österreich unterscheiden: Ähnlich wie Pieler spricht auch Kocagoez von mehr Anerkennung der eigenen Arbeit. „Hier in der Schweiz hat man in meinem Beruf mehr Kompetenzen als in Österreich, dies macht das Arbeiten interessanter und spannender. Was mir besonders gefällt, ist, dass mich mein Arbeitgeber regelmäßig zu Weiterbildungen schickt und fördert.“ Julia Ebner berichtet von mehr Arbeitsstunden pro Woche sowie einem sehr kollegialen Umfeld. „Man merkt, dass hier über den Großteil an Initiativen direkt abgestimmt wird, daher wird auch in Meetings stärker nach einem Konsens gesucht.“

Auswandern der anderen zum Job gemacht

Luca Angelastri

Luca Angelastri

Freilich, die Beweggründe für eine Karriere im Ausland sind individuell verschieden – die Interviews zeigen jedoch sehr gut, dass es nicht immer nur ums Gehalt geht. Die Faktoren Wertschätzung, Anerkennung und Freude bei der Arbeit sind länderübergreifend die selben – Gewinner sind jene Arbeitgeber, die dies nicht nur verstanden haben, sondern auch aktiv umzusetzen wissen. Den Wechsel in das Land der Banken und der Schokolade kennt einer besonders gut: Luca Angelastri. Gemeinsam mit einem Partner hat der Schweizer diesen zu seinem Geschäft gemacht und bietet als Premium Partners seit 2012 neben Jobs unter anderem auch Wohnungen oder Hilfe in Steuerfragen sowie Tipps, welches Fitnesscenter zu empfehlen ist.

Woher die Schweiz-Einwanderer kommen

„Aktuell betreuen wir jeden Monat 10 bis 15 Personen und deren Familienangehörige. Einen Großteil unserer Aufträge erhalten wir von Firmen aus dem In- und Ausland, die wir bei der Rekrutierung und anderen Dienstleistungen unterstützen. Die meisten Kunden kommen aus Österreich, gefolgt von Deutschen, Engländern, Franzosen, Brasilianern, Indern und US-Amerikanern. Aus Österreich wenden sich hauptsächlich Ärzte und Gesundheits- und Krankenschwestern an uns – aber auch immer mehr IT-Spezialisten und Handwerker“, so Angelastri.

Wohnungssuche als größte Herausforderung

Arbeiten in der Schweiz WeiterbildungZu den größten Herausforderungen beim Umzug in die Schweiz gehört die Wohnungssuche. „In den Städten ist der Wohnungsmarkt hart umkämpft. Bei den geltenden Versicherungsgesetzen fällt es Neu-Schweizern zudem schwer, den Überblick zu behalten und die richtigen Policen abzuschliessen. Die Kultur und die Sprache sind ähnlich, spätestens nach zwei bis drei Monaten klappt es mit der reibungslosen Verständigung. Die Schweizer mögen Österreicher und empfangen sie mit offenen Armen“, so der Schweiz-Profi. Dass die Schweiz ein so attraktives Land für Zuwanderer ist, wundert Angelastri nicht. „Die Fort- und Ausbildung wird in der Schweiz intensiver gefördert als in Österreich. Die Firmen sind an hochqualifiziertem Personal interessiert. Für viele junge Leute ist das die Hauptmotivation, eine Stelle in der Schweiz anzutreten – das höhere Gehalt spielt nur eine sekundäre Rolle.“

Bildnachweis: chaoss / Quelle Shutterstock, ollyy / Shutterstock, Robert Kneschke / Shutterstock, alphaspirit / Quelle Shutterstock, Premium Partners, Privat

Heike Frenner

Heike Frenner schreibt seit April 2012 für karriere.at In nächster Zeit jedoch nicht so oft und vermutlich mit leichtem Baby-Schwerpunkt.

Durch die Nutzung unserer Angebote erklärst du dich mit dem Setzen von Cookies einverstanden. Mehr erfahren