„Die große Chance ist, dass die Arbeit freizeitähnlicher wird“

von in Arbeitsleben am Mittwoch, 6. Februar 2013 um 10:35

Dass es in Zukunft vor allem darum gehen wird, die eigene Arbeits- und Freizeit selbst einteilen zu können, erklärte Peter Zellmann, Wiener Freizeit- und Tourismusforscher, vergangene Woche. Im dritten und letzten Teil der Serie „Zukunft der Arbeit“ erklärt er, wie es in Zukunft um unsere Arbeitszeit bestellt sein wird. Flexibilität in Hinblick auf Zeit und Inhalt wird nötig sein. Denn das einzig Sichere, so Zellmann, sei die Veränderung.

„Die Menschen leben die Veränderung schon“

Peter Zellmann

Peter Zellmann

„Die Entwicklung, dass Zeit wichtiger wird als Geld, ist in unserer Gesellschaft unumkehrbar. Die Frage ist, ob die Rahmenbedingungen – die Arbeitsmarktpolitik, die Wirtschaft und die einzelnen Unternehmen – dies zulassen“, erklärt Zellmann. Dass sie dies müssen, daran lässt der Experte keine Zweifel. „Die Entwicklung kommt und es geht uns erfreulicherweise so gut, dass wir uns dieses Denken leisten können. Die Interessensvertreter aus Wirtschaft und Politik sind jedoch noch fest im Industriezeitalter verankert und müssen lernen, umzudenken. Denn die Menschen leben die Veränderung schon und zwar je jünger sie sind, desto deutlicher.“

Unternehmen müssen den Mitarbeitern vertrauen

Die große Chance ist, dass die Arbeitswelt freizeitähnlicher wird, so Zellmann. „Die Lebensbereiche Arbeit und Freizeit kommen aufeinander zu. Das heißt, dass wir vieles vom Qualitätsempfinden aus der Freizeit in die Arbeitswelt mitnehmen. Umgekehrt sind wir aber durchaus bereit, auch in der Freizeit einiges für den Beruf zu erledigen. Das heißt die Flexibilisierung der Arbeitszeiten und das Vertrauen, dass man auch außerhalb des Arbeitsplatzes entsprechende Leistung für den Betrieb einbringen kann, muss zunehmen.“

Arbeitszeit: Mehr Jahre dafür weniger Stunden pro Woche

In Zukunft werden wir länger an Jahren arbeiten müssen, umgekehrt aber vermutlich weniger an Stunden pro Woche. „Dies bedeutet, wir brauchen Flexibilität in Hinblick auf Zeit und in Hinblick auf Inhalt. Ein heute 19-Jähriger wird den Beruf drei bis vier Mal wechseln, den Arbeitgeber bis zu 20 Mal“, erklärt Zellmann, dass die Themen Fortbildung und eigene Interessenslage die Schlüsselfaktoren zum Erfolg sein werden. Und dieses Wissen-Aneignen wird zunehmend in der Freizeit passieren. Die Grenzen verschwimmen also erneut. „Auch an den Universitäten wird man weniger einen Beruf oder Inhalte fürs Leben lernen, sondern man wird lernen, mit der Flexibilität umzugehen. Die Wissenschaft war schon immer der Meinung, es könnte alles auch ganz anders sein. Alles ist in Bewegung, alles verändert sich. Das einzige sichere ist die Veränderung“, so Zellmann.

Nicht andere, man selbst bildet sich fort- und weiter

Wer das versteht und nicht als Bedrohung auffasst, ist für das Leben des 21. Jahrhunderts gerüstet, meint er. „Es ist wichtig, die Erkenntnis zu haben, dass man selbst sich fort- und weiterbildet und zu dem werden lässt, was man werden kann. Das machen nicht andere, das mache ich für mich selbst. In ein paar hundert Jahren werden vermutlich alle Menschen nach dieser These auch viel glücklicher leben als heute. Bis es wirklich alle erreicht, wird es noch einige Generationen dauern. Der derzeitige Stand – jene zwei Drittel, die für Zeit auf Geld verzichten würden – das ist schon eine tolle Leistung und ein toller Fortschritt in der Gesellschaft.“

Bildnachweis: Dudarev Mikhail / Quelle Shutterstock, ift

Heike Frenner

Heike Frenner schreibt seit April 2012 für karriere.at In nächster Zeit jedoch nicht so oft und vermutlich mit leichtem Baby-Schwerpunkt.

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