„Erst die Arbeit, dann das Vergnügen?“ Das ist Schnee von gestern

von in Arbeitsleben am Mittwoch, 30. April 2014 um 10:19

Das tun, was man liebt und die Arbeit nicht mehr als Arbeit, sondern als Vergnügen empfinden. Klingt unmöglich? Ist es aber nicht. Wie viele Menschen sind aber wirklich angekommen und machen das, was ihnen Spaß macht? Wie fühlt er sich an, der Flow im Job? Arbeitspsychologin Daniela Reiter verrät, wie man sein Glück findet und wie bunte Stifte bei dieser Reise helfen können.

Schlechtes Gewissen, weil es so viel Spaß gemacht hat!

„Tu was du liebst, und du musst nie wieder arbeiten“: Was sagen Sie dazu?

Daniela Reiter: Ich liebe meine Arbeit! Mir gefällt der Ansatz besser, den Begriff Arbeit (wieder) positiv zu besetzen. Viele sind stark beeinflusst von der Haltung „Erst die Arbeit, dann das Vergnügen.“ Diese Trennung erscheint mir nicht mehr zeitgemäß, aber wir haben sie verinnerlicht. Besonders als ich mich selbständig machte, hatte ich anfangs mit schlechtem Gewissen zu kämpfen: Einfach, weil es so viel Spaß gemacht hat! Nun helfe ich anderen dabei, dass ihnen ihre Arbeit auch Spaß macht. Dies gelingt etwa mit spielerischem Herangehen an die Arbeit.

Wenn die Arbeit flutscht

Was darf man sich darunter vorstellen?

Daniela Reiter

Daniela Reiter

Daniela Reiter: Arbeitsethos weicht immer öfter einem Spielethos: lustvoll aber mit vollem Ernst bei der Sache. Ich mag an Arbeit das Lernen, das Neue. Ich beobachte etwa mein Kind dabei, wie es alles zum Spielzeug macht, vorhandene Dinge neu kombiniert, einfach ausprobiert und tut. Es geht ganz auf im Tun, ist im Hier und Jetzt – im Flow, würden wir in der Arbeitspsychologie sagen. Das ist, wenn die Arbeit flutscht, wenn es leicht von der Hand geht, wenn wir die Zeit und alles andere um uns vergessen. Spielen kann so unterschiedlich aussehen. Dazu gehört es, dass ich die Vorbereitung für meine Arbeit mit bunten Stiften mache. Dass ich zwischendurch meiner Neugierde folge oder eine kleine Pause mache.

Was macht mich wirklich glücklich?

Spielbuch Glueck ArbeitHaben Sie einen Tipp wie man merkt, was einen wirklich glücklich macht?

Daniela Reiter: Ich kann ein Spielbuch anlegen, in dem ich alles sammle, was Spaß macht. Wobei komme ich in einen Flow-Zustand? Ich schreibe es auf, male es, klebe Bilder davon hinein. Zitate, die mich ansprechen, kommen ebenso rein wie Listen mit all den Dingen, die mir in meiner Kindheit Spaß gemacht haben und seither. Natürlich auch alles, was an meiner aktuellen Arbeit gut ist: Der Inhalt, der Ort, die Mitspieler, der Nervenkitzel, der mögliche Gewinn, … Vielleicht entstehen daraus konkrete Ideen, wie Arbeit sonst noch aussehen könnte. Wenn mir dann noch nicht klar genug ist, was Spaß macht, kann mir folgende Übung helfen: Was würde ich tun, wenn ich jedes Jahr eine große Menge Geld bekommen würde mit einer einzigen Auflage: zu arbeiten, wo auch immer, was auch immer?

Eine Aufgabe, die das Herz zum Singen bringt

VeraenderungWas denken Sie: Kommt das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten zurück? Trauen sich immer mehr Leute, sich ihre Träume zu verwirklichen?

Daniela Reiter: Zu mir kommen natürlich vor allem Menschen zum Coaching, die ihr Leben verbessern und ihre Träume verwirklichen möchten. Die einen organisieren dann in ihrer Freizeit karitative Veranstaltungen, die anderen hängen eine klassische Karriere an den Nagel und machen sich beruflich selbständig mit etwas, das ihr Herz zum Singen bringt.

Was sind die größten Hindernisse dabei? Ist es immer das Geld?

Daniela Reiter: Bei größeren Veränderungen treten naturgemäß Ängste auf: Diese können auch hilfreich sein, wenn sie uns auf Dinge hinweisen, die wir noch genauer betrachten müssen. Eine der Ängste ist es sicher, dass sich der Wunschtraum nach der Realisierung entzaubert und das hart erarbeitete Neue dann womöglich gar nicht so toll ist wie erhofft. Dafür kann es gut sein, in kleinen Schritten vorzugehen und die Verwirklichung des Traums erst mal im Kleinen auszuprobieren.

Der Erfolg kommt dort, wo uns der Bauch hinzieht

Zum Thema Karrierewechsel: Haben Sie einen vollzogen und falls ja, was sind Ihre Learnings/Tipps daraus?

Gluecklich im JobDaniela Reiter: Ich habe mich vor ein paar Jahren selbständig gemacht als Arbeitspsychologin. Ich wollte den Gestaltungsspielraum und den genieße ich jetzt auch sehr. Ich darf mich immer wieder daran erinnern, dass es diesen Spielraum gibt. Ich kann – und das ist das Besondere an diesem Spiel – die Spielregeln auch immer wieder umgestalten. Ich gewinne nicht erst dann, wenn ich ein bestimmtes Ziel schneller oder mit mehr erreicht habe als wer anderer. Ich gewinne schon beim Tun, weil es mir Spaß macht und ich sehe, dass ich etwas bewirke mit meiner Arbeit. Ich habe seither viele Gründer beraten und begleitet. Bei ihnen konnte ich beobachten, was ich auch selbst erfahren habe: Der Erfolg kommt dort, wo uns der Bauch hinzieht und das ist nicht immer das, was der Kopf meint.

Zur Person: Daniela Reiter

Daniela Reiter ist freiberufliche Arbeitspsychologin. Sie unterstützt mit Coaching und Supervision Menschen dabei, mehr Spaß und Freude an der Arbeit zu haben. Seit 2009 leitet sie die Frauen-Coaching-Woche in Finnland als „Hebamme für Träume“.

Bildnachweis: alphaspirit /Quelle Shutterstock, marekuliasz /Quelle Shutterstock, Ksenia Ragozina /Quelle Shutterstock, Maridav /Quelle Shutterstock, diereiter.at

Heike Frenner

Heike Frenner schreibt seit April 2012 für karriere.at In nächster Zeit jedoch nicht so oft und vermutlich mit leichtem Baby-Schwerpunkt.

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