Die Arbeit als Sport – Teil 1: Das Job-Leben als täglicher Wettkampf

von in Arbeitsleben am Dienstag, 27. November 2012 um 15:08

Sport und Arbeit habe einiges gemeinsam. Das weiß auch Sportcoach John Herzog. Er erklärt, wie man Tricks und Tipps aus dem Profisport auch im eigenen (Berufs-)Alltag nutzen kann: Sei es zur Motivation, als Training oder auch als Hilfe, um mit Niederlagen im Job besser fertig zu werden. Im ersten Teil der Serie „Die Arbeit als Sport“ geht es heute um die guten und schlechten Seiten des täglichen Wettkampfes sowie eine Strategie bei Misserfolgen.

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„Der Wettkampf ist ein Motor“

Ist der Job ein täglicher Wettkampf?

John Herzog

John Herzog: Natürlich ist das Job-Leben in gewisser Weise ein täglicher Wettkampf. Und das ist gut so, denn der Wettkampf ist ein Motor, er spornt uns an und lässt uns über uns hinauswachsen. Wir brauchen ihn, um von anderen zu lernen und um uns verbessern zu können. Genau genommen handelt es sich um einen Wettkampf in doppelter Hinsicht: Einerseits messen wir uns an unseren Kollegen; wir schauen, was sie anders und besser machen als wir und übernehmen einiges für unsere Arbeit. Andererseits messen wir uns mit uns selbst: Habe ich mich weiterentwickelt? Wo stehe ich, wo kann ich besser werden? Das ist die positive Seite des Wettkampfs.

„Auf den kritischen Punkt achten“

Aber: Es gibt da auch einen kritischen Punkt zu beachten, der nicht überschritten werden sollte. Denn wenn dieser erreicht ist, kippen die genannten positiven Effekte ins Negative. Das ist dann der Fall, wenn die Kultur des Voneinander-Lernens im Büro verloren geht und jeder zum Einzelkämpfer wird. Diesen Punkt spürt jeder Mitarbeiter intuitiv. Dann ist aus dem teamförderlichen Wettkampf ein verbissenes, egoistisches Gegeneinander geworden, bei dem jeder sein eigenes Süppchen braut. So eine Situation im Büro lässt sich sehr gut vergleichen mit einem Fußball-Team: Wenn jeder nur mehr darauf schaut, dass er der ruhmreiche Torschütze wird und vermeidet, den Ball jemandem zuzuspielen, auch wenn der günstiger als er steht und den Schuss eher verwerten kann als er.

„Ein guter Trainer steuert das Schiff“

Die Folgen sind gravierend für das ganze Team und dessen Leistung: Das wird viele Torchancen kosten, die Leistung nimmt langfristig ab. Jeder Mitarbeiter eines Unternehmens trägt dazu bei, dass dieser kritische Punkt nicht überschritten und der Teamgeist gewahrt bleibt. Und wichtig ist auch ein guter Trainer, der dafür sorgt, dass der Wettkampf auf der „guten“, auf der produktiven Seite bleibt und nicht kippt. Er steuert das Schiff schließlich. Das ist 1:1 in die Corporate World übertragbar: Die Führungskraft ist immer auch Coach.

Wird dieser Wettkampf härter?

John Herzog: Wechselnde demografische Entwicklungen, gesellschaftliche Veränderungen, Modifikationen in Konsum- und Medienverhalten bringen sicher auch steigende Anforderungen mit sich. Viele Menschen haben heute das Gefühl, dass der Arbeitsmarkt ‚härter‘ wird, der Wettkampf laugt sie aus, oft empfinden sie ihn – zu Recht – als unfair. Gerade ältere Menschen haben es oft schwer auf dem Arbeitsmarkt, wieder einen Job zu finden. Ihre Erfahrungen werden sicher zu wenig gewürdigt.

„Wir könnten nun natürlich jammern – aber das bringt uns nicht weiter“

Wir können nun natürlich jammern und Dinge sagen wie ‚Früher war alles besser‘. Bringt uns das weiter? Nein. Wir werden wohl nur depressiver und an der Sache ändert sich auch nichts. Werden wir lieber aktiv und fragen uns: Was würde ein Sportler tun? Aus meiner Praxis als Sportcoach weiß ich, dass ein Sportler, will er Erfolg haben, immer demselben Schema folgt: Zunächst analysiert er seine Schwächen und minimiert sie soweit wie möglich. Ganz wichtig dabei: Er muss sie nicht alle völlig ausmerzen, er erlaubt sich auch, Fehler und Schwächen zu haben. Auch ein Hermann Maier und auch ein Sebastian Vettel haben Fehler. Sie kennen sie und sie haben sie auf ein Minimum reduziert, sodass sie sie nicht mehr beeinträchtigen.

„Das Ziel bestimmt“

Und dann haben diese Top-Sportler das Entscheidende gemacht: Sie konzentrieren sich immer auf ihre Stärken, denn sie wissen, dass hier ihr Motor liegt, der sie antreibt und der sie von anderen unterscheidet und letztendlich besser macht. Außerdem haben sie genaue Ziele abgesteckt. Es ist etwas ganz anderes, wenn ich sage: „Ich setze mir zum Ziel, beim New York Marathon im guten Mittelfeld zu sein“ oder wenn ich sage: „Ich will unter die ersten Drei beim New York City Marathon kommen.“ Denn das Ziel bestimmt, wie ich trainiere und wie ich mir meine Kräfte einteile.

„Machen Sie es wie ein Spitzensportler“

Und vor allem weiß er: Er muss nicht alles allein machen, sondern sucht sich einen guten Coach, der ihn durch die vielen Hürden und zeitweiligen Niederlagen führt. Niemand kann immer gleich motiviert sein und immer Niederlagen gleich leicht wegstecken. Auch ein Felix Baumgartner hatte seine Helfer, die ihn unterstützten und mental aufbauten, als der Sprung erneut verschoben werden musste. Er hatte einige Coaches als Helfer vor Ort. Umgesetzt auf das Berufsleben: Angenommen, Sie suchen einen Job. Machen Sie es wie ein Spitzensportler: Graben Sie so lang und so tief wie möglich, bis sie genau wissen: Was sind meine Stärken und wo kann ich diese einsetzen? Was sind meine Schwächen und wie minimiere ich sie so weit, sodass sie mich nicht mehr behindern? Dann stellen Sie sich auf Misserfolge ein – denn Misserfolge erleben wir alle dann und wann. Sie passieren einfach, das ist Teil des Lebens.

„Wer tut mir gut, wer baut mich auf?

Da hilft es, wie jeder Topsportler zu wissen, welche Methoden uns aus diesem Tief, aus dieser Enttäuschung, holen. Und dann suchen Sie sich einen zuverlässigen Helfer, der Ihnen durch schwierige Zeiten hilft. Fragen Sie sich: Wer tut mir gut, wer baut mich auf? Das können die Eltern oder besten Freunde sein oder idealerweise ein gut ausgebildeter Berufscoach. Und nicht zuletzt: Schulen Sie sich im Geduld-Haben. Klingt banal, aber was viele nicht bedenken, ist: Auch Sportler-Superstars wie David Alaba haben klein angefangen und viele, viele Jahre trainiert und mit vielen, vielen Niederlagen fertig werden müssen, bis sie die ersten Erfolge erleben durften.

Im nächsten Teil der Serie „Arbeit als Sport“ wird unter anderem die Frage geklärt, welche verschiedenen Sportlertypen es in der Arbeit gibt.

Zur Person: John Herzog

John Herzog ist Leiter des Bewegungsteams bei ARGEF (Arbeitsgemeinschaft Gesundheitsförderung, Wr. Neustadt), Dipl. Senioren- und Vitaltrainer, Lehrbeauftragter Universität Wien (Sportuni Wien), Diplom-Sportlehrer und Kreator des NÖ-Projekts „Bewegungskaiser“.

Bildnachweis: gregepepperson / Quelle Photocase, ARGEF

Heike Frenner

Heike Frenner schreibt seit April 2012 für karriere.at In nächster Zeit jedoch nicht so oft und vermutlich mit leichtem Baby-Schwerpunkt.

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