Die Arbeit als Sport – Teil 2: Welcher Sportlertyp sind Sie?

von in Arbeitsleben am Dienstag, 4. Dezember 2012 um 11:17

Arbeit ist zu einem gewissen Teil auch Wettkampf – und zwar ein harter. Die vielen Gemeinsamkeiten von Sport und Arbeit erklärt heute wieder Sportcoach John Herzog. Im zweiten Teil der Serie „Die Arbeit als Sport“ geht es diesmal unter anderem um die spannende Frage: Welcher Sportlertyp sind Sie im Job? Dem Verhältnis von Talent und (hartem) Training geht der Experte ebenso auf die Spur, wie der Suche nach der perfekten Vorbereitung auf wichtige Termine.

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Von A wie Ausdauer bis V wie Verbindend

Welche „Sportlertypen“ gibt es im Job?

John Herzog: Im Berufsleben lassen sich übertragen aus der Welt des Sports folgende Grundtypen festhalten:

  • Der Ausdauer-Typ – Seine Stärke: Er hält durch und ist der Fels in der Brandung, wenn alle anderen schon von Niederlagen zerzaust sind und ans Aufgeben denken. Seine Schwächen: Er denkt nie, wirklich nie, ans Aufgeben, auch dann nicht, wenn etwas aussichtslos geworden ist, und ignoriert Möglichkeiten, die sich stattdessen auftun würden.
  • Der Meister der Inszenierung – Er will im Zentrum stehen, braucht die Aufmerksamkeit, liebt die große Inszenierung. Seine Stärke: Er bringt die Leichtigkeit, das Spielerische, die Begeisterung, ins Team hinein. Nicht selten jagen seine theatralischen Überlegenheits-Gesten, die an der Schwelle zwischen Spielerei und Arroganz stehen, den Konkurrenten Angst ein. Seine Schwäche: Niederlagen sind nicht sein Ding, er braucht viel Aufmunterung. Auch wird’s brenzlig, wenn ihm ein weiterer Inszenierer die Show stehlen will.
  • Der Titan – Sieg bedeutet ihm alles, eine Niederlage steckt er nur sehr schlecht weg. Er hat außergewöhnliches Talent, das weiß er und er riskiert aus dieser Selbstsicherheit heraus mehr als jeder andere Typ. Sein Wagemut zahlt sich nicht immer, aber häufig aus: Er schafft es zumindest längerfristig, auf der Siegerstraße zu bleiben. Seine Schwäche: Er ist nicht immer ein Teamspieler, weil er glaubt, das ‚nicht nötig‘ zu haben.
  • Der Analyst – Seine große Stärke liegt in der Analyse. Was noch nicht zerlegt ist, zerlegt er mühelos auf Mikroskop-Ebene. Er findet jede noch so kleine Schwachstellen des Teams, die anderen verborgen bleiben. Seine Schwäche: Er muss aufpassen, die Analyse nicht zu übertreiben. Denn er versäumt manchmal den Punkt, an dem er agieren statt alles zu Tode analysieren sollte.

„Die helfende Hand“

  • Der Abenteurer – Seine Stärken: Er liebt die Abwechslung, sucht und braucht ständig Neues. Er liefert viele Inputs, die dem ganzen Team nützlich sein können. Privat versucht er sich in immer neuen (Trend-) Sportarten und ist bisweilen ein Adrenalin-Junkie. Seine Schwäche: Jeder Job hat auch Routinen. Damit kommt er nur schwer klar, nichts jagt ihm mehr Angst ein als Routinen. So ist er manchmal nicht der Beständigste.
  • Der Ehrgeizige – Der Ehrgeiz ist ihm buchstäblich ins Gesicht geschrieben. Er kennt sämtliche Methoden aus dem Eff-Eff und hat sie alle schon selbst ausprobiert. Er übt und trainiert hart (Ähnlichkeit mit dem Typ des Ausdauernden). Seine Stärke: Er spornt die anderen zum Wettbewerb und somit zur Bestleistung an. Seine Schwäche: Vom Ehrgeiz zur Verbissenheit ist manchmal ein kurzer Weg.
  • Der Verbindende – Im Sportumfeld ist er der „Verbindende“ etwa in der Rolle des Teamarztes als helfende Hand zu finden, die im Hintergrund unterstützend agiert. Seine Stärke: Er findet Verbindungen, wo andere nur Trennendes sehen. Übertriebener Ehrgeiz und Leistungsdenken lehnt er ab. Sein großes Plus sind Loyalität und Zuverlässigkeit. Privat sieht er Sport als Gesundheitsmotor und den Job als Gelderwerbsquelle – nicht mehr, aber auch nicht weniger.  Seine Schwäche: Er liefert selten die zündende Idee, geht ungern auf Entdeckungsreise seiner Talente.
  • Der Realist – Er ist das Gegenstück des Analysten: Seine Stärke ist, dass er stets das große Ganze sieht und immer den Überblick bewahrt. Aus einem Faktenmeer findet er umgehend den roten Faden und filtert das Wesentliche heraus. Seine Schwäche: In manchen Situationen ist Präzisions-Arbeit unumgänglich, was ihm nicht unbedingt liegt (und ihm auch nicht viel Spaß bereitet).

Wichtig: Keiner dieser Typen ist gut oder schlecht, jeder hat seine Stärken und seine Schwächen. Ein guter Coach und eine gute Führungskraft schafft es, aus dieser Vielfalt den besten Nutzen für das Team zu ziehen, jeden Einzelnen optimal zu fördern, die Stärken jedes Typen zu stärken und dessen Schwächen zu schwächen. Ein guter Coach, eine gute Führungskraft, ist wie ein Dirigent, der sein Orchester bestmöglich zum Klingen bringt.

Schon im Kindesalter zeigen sich die Talente

Training ist im Sport das A und O. Wie sieht es mit Training für den Job aus?

John Herzog

John Herzog: Nicht nur Training ist das A & 0! Auch ein „Veranlagtsein “, „Vererbtes“, das so oft zitierte Talent sowie der Spruch „Zur richtigen Zeit am richtigen Ort mit den richtigen Möglichkeiten“ gelten. Wichtig ist, alles gemeinsam zum Klingen zu bringen, sich mental genauso wie körperlich bzw. fachlich zu trainieren.

Kann jemand durch sehr hartes Training mangelnde Talente wettmachen?

John Herzog: Bis zu einem gewissen Grad sehr wohl, wenn dafür bereits im Kindesalter gearbeitet wird. Was ich aber unbedingt hinzufügen möchte: Eltern tun gut, wenn sie sich die Mühe machen, herauszufinden, was ihre Kinder gern machen, sprich: Was ihrem Talent entspricht. Das sieht man ja recht gut, indem man genau hinschaut: Was macht mein Kind gern und oft, ohne dass dazu ermuntern muss? Worin scheint es sich mühelos zu verlieren, was macht ihm offensichtlich Spaß? Wenn Talent und Training sich zumindest die Waage halten, steht einem höheren Erfolgspotential nichts im Wege. Aber natürlich weiß man aus eigener Erfahrung: Wozu man offensichtlich eine gute Portion Talent in die Wiege gelegt bekommen hat, fällt einem einfach und geht ganz mühelos. Ohne viel Aufwand erreicht man viel – das stärkt automatisch das Selbstbewusstsein und macht zufrieden. So tut wohl jeder gut herauszufinden, wo seine Talente versteckt sind, und sich gemäß dieser weiterzuentwickeln. Sich zu etwas zwingen zu müssen heißt oft nichts anderes als: Halt! Falscher Weg! Das bist nicht du! Daher: Sich Zeit nehmen und herausfinden, wofür man wirklich brennt, ist ein zwar oft zeitintensiver und mühsamer Weg, aber: Er lohnt sich allemal als einen Job zu ergreifen, den mal halbherzig „erledigt“.

„Wir haben sehr wohl Kontrolle über das Wie“

Was ist Ihrer Meinung nach das größte Problem: Der harte Wettbewerb, eine harte Zeit, die falsche Branche oder stehen wir Menschen uns selbst im Weg?

John Herzog: Jeder Mensch wird vor mehr oder weniger großen Herausforderungen im Leben gestellt. Und es bleibt ihm überlassen, wie er diese Herausforderung definiert – ob als Problem oder Chance – und wie er damit umgeht. Wir haben die Wahl: Ziehen wir den Kopf ein, verschließen wir uns  dem Problem oder gehen wir aktiv darauf zu, nehmen es an und suchen wir nach passenden Lösungen. All das sind Entscheidungen, die wir treffen können. Das „Was“, sprich: Die Randbedingungen, können wir oft nicht bestimmen, wir haben aber sehr wohl viel Kontrolle über das „Wie“. Wie sehe ich die Welt, wie gehe ich mit Misserfolgen um. Im Kopf entstehen unsere Bilder, Träume, Visionen, Haltungen – und die alle müssen bewegt werden, um Wirkungen und Aktionen hervorzurufen; das gilt für Positives gleich wie Negatives. Mit dieser Wirkungskette arbeitet ja auch jeder erfolgreiche Sportcoach. Das Gehirn muss im Sport genauso trainiert und auf den Wettkampf vorbereitet werden wie der Körper. Und hierzu gibt es eine Fülle an Methoden aus dem neurowissenschaftlichen Bereich, die in der Praxis bei Topsportlern angewandt werden – und die wir im „normalen“ Leben beruflich wie privat genauso anwenden können.

Mit welchen (mentalen) Übungen kann man sich auf einen wichtigen Termin vorbereiten?

John Herzog: Wichtig vor einem sportlichen Wettkampf ist es, dass man sich ganz bewusst ins Hier und Jetzt versetzt. Schauen Sie sich einmal unsere Schistars vor dem Start an: Sie stehen höchst konzentriert da und praktizieren Methoden, mit denen sie genau das erreichen können: Fokus auf das, was vor ihnen steht. Sie fokussieren sich, um optimale Leistung im richtigen Moment abliefern zu können. Da können sie von zehn Kameras frontal ins Bild geholt werden, und sie werden sich nicht ablenken lassen. Wenn ich mit meinen Gedanken da noch beim Ärger mit meiner Freundin bin und es nicht schaffe, mich gedanklich davon loszureißen, werde ich das nicht schaffen können. Eine der besten mentalen Übungen, die vor einem Sportereignis genauso gut angewandt werden können wie vor einem wichtigen Auftrag im Job oder vor einem Job-Interview, ist das sogenannte „Earthing“ nach Clinton Ober und Stephen Sinatra. Das mache ich auch selbst immer vor wichtigen Terminen oder vor einem sportlichen Wettbewerb. Dazu benötigt man ganze fünf Minuten: Man sucht sich einen ruhigen Ort ohne mögliche Ablenkung, Handy natürlich aus. Wenn gar nichts anders geht und Sie gerade vor einem Job-Interview stehen, dann kann man auch dort auf die Toilette flüchten. Danach: Aufrecht stehen, Beine parallel, Füße volle Bodenhaftung, Konzentration auf einen langsamen Atemrhythmus. Und dann sagt man zu sich „Ich stehe mit beiden Beinen fest am Boden. Ich bin eine Einheit“. So sammelt man sich und seine Energien in Windeseile und fühlt sich gerüstet für das, was nun kommen möge. Viele Skisportler nutzen auch die Methode „Visualisieren“, mit der sie – wieder mit maximaler Fokussierung – die gesamte Wegstrecke vor ihrem geistigen Auge abfahren. Das ist für sie dann so real, sodass ihr ganzer Körper mit ihren Gedanken mitgeht und sie beispielsweise die Kurve nach rechts durchspielen lässt. Das sind Übungen, die vor dem Wettkampf und jeder anderen Herausforderung enorm hohe Wirkung zeigen.

Bisher in der Serie „Arbeit als Sport“ erschienen: Das Leben als täglicher Wettkampf

Zur Person: John Herzog

Zur Person: John Herzog ist Leiter des Bewegungsteams bei ARGEF (Arbeitsgemeinschaft Gesundheitsförderung, Wr. Neustadt),  Dipl. Senioren-und Vitaltrainer, Lehrbeauftragter Universität Wien (Sportuni Wien), Diplom-Sportlehrer, Kreator des NÖ-Projekts „Bewegungskaiser“.

Bildnachweis: too. / Quelle Photocase, Raffiella / Quelle Photocase, ARGEF

Heike Frenner

Heike Frenner schreibt seit April 2012 für karriere.at In nächster Zeit jedoch nicht so oft und vermutlich mit leichtem Baby-Schwerpunkt.

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