Warum ein kurzer Anruf oft besser ist als Facebook, SMS & Co.

von in Arbeitsleben am Montag, 11. März 2013 um 11:46

Wer Privat- und Berufsleben trennen möchte, wird wohl eines im Büro eher vermeiden: das Telefonieren mit „draußen“. Oder aber dazu aus dem Büro gehen bzw. sich in irgendeiner Nische ein ruhiges Plätzchen dafür suchen. Die meisten Arbeitnehmer greifen jedoch auf eine andere Methode der in der Arbeitszeit stattfindenden privaten Kommunikation zurück: Textnachrichten via Facebook, Skype oder SMS. Vor allem letztere Variante sorgt für im Akkord vibrierende Schreibtischplatten.

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Schreibwut am Schreibtisch

Man braucht gar nicht frisch verliebt zu sein, um viele SMS zu schicken. Die Planung des Abendessens, die Frage: Wer kauft was ein? oder eine Verabredung zum Sport, um nur ein paar SMS-Gründe zu nennen. Es gibt im Leben eines Arbeitnehmers eben unzählig viele Dinge, die manchmal auch während der Arbeitszeit geregelt werden müssen. Um Kollegen nicht zu stören oder einfach weil es praktischer ist, wird geschrieben. Und zwar hin und her. Dass dies nicht nur die eigene Stresstoleranz strapaziert – SMS & Co. führen zu Missverständnissen – ist klar. Der Schreibwut am Schreibtisch tut dies jedoch keinen Abbruch und wohl jeder kennt mittlerweile jemanden, der fast nur mehr per geschriebener Nachricht erreichbar ist.

Telefonieren reduziert Stress

Ein Plädoyer für das gute, alte Telefonat kommt nun seitens der Wissenschaft. Wie die Plattform Forschung erleben berichtet, ist ein Telefongespräch nämlich viel mehr als reiner Informationstausch. Es ist nämlich in der Lage, Stress zu reduzieren. Untermauert wird diese Aussage durch eine Studie von Forschern um Verhaltensforscherin Leslie Seltzer aus dem Jahr 2010. Die Amerikanerin fand heraus, dass bei Stress ein Gespräch die selbe beruhigende Wirkung wie eine körperliche Berührung hat. Messbar machte diese Entdeckung die Veränderung des Kortisolspiegels, jenes Hormons, das bei Stress ausgeschüttet wird.

SMS ist wie kein Kontakt

Für die Untersuchung brachte das Team junge Mädchen in eine Stresssituation – anschließend gab es vier verschiedene Alternativen des Kontakts zur Mutter. Die Probandinnen durften entweder direkt mit ihren Müttern sprechen, diese anrufen, ihnen Textnachrichten schicken oder aber blieben von diesen isoliert. Und siehe da: Mädchen, die nur über Textnachrichten mit ihren Müttern kommunizieren durften, sowie jene, die von ihnen isoliert blieben, zeigten keine Anzeichen von Stressbewältigung. Jene Teilnehmerinnen hingegen, die mit ihren Bezugspersonen telefonieren durften, glichen jenen, welchen direkten Kontakt hatten. Bei beiden Gruppen sank der Kortisolspiegel und der Oxytocinspiegel, der für emotionale Bindung steht, stieg. Der Stress wurde demnach bewältigt und die Bindung verstärkt.

Wenn es einmal stressig wird

Also, freilich kann man in stressigen Bürosituationen nicht immer seine Mutter, den Partner oder eine andere Bezugsperson anrufen. Und selbst wenn, weiß man ja nicht, ob der andere auch Zeit für die eigenen Probleme hat. Gibt es aber wirklich ein Problem und man braucht Zuspruch, sollte man eventuell gleich zum Telefon greifen. Wenn auch nur, um per SMS einen Gesprächstermin zu vereinbaren. Der eigene Stresspegel wird es einem danken und die Kollegen vielleicht auch.

 

Bildnachweis: bloomua / Quelle Shutterstock

Heike Frenner

Heike Frenner schreibt seit April 2012 für karriere.at In nächster Zeit jedoch nicht so oft und vermutlich mit leichtem Baby-Schwerpunkt.

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