Überheblicher Stolz: Wer am Boden bleibt, ist klar im Vorteil

von in Arbeitsleben, Arbeitsmarkt am Donnerstag, 24. Mai 2012 um 10:05

Wer etwas geleistet hat, darf sich nicht nur freuen, sondern den Stolz über die eigene Leistung auch mit anderen Menschen teilen. Siegerehrungen, bei denen der Held des Tages gefeiert wird, sind nur ein Beispiel dafür. Es gibt jedoch, wie Forscher nun bewiesen haben, zwei Arten von Stolz – den authentischen und den überheblichen. Letzterer ist durchaus nicht ungefährlich. Gerade Menschen in Machtpositionen sollten darauf achten, dass sie mit authentischem Stolz auf dem Boden bleiben.

Überheblicher Stolz fördert Vorurteile

Authentischer Stolz bedeutet, dass Erfolg als Ergebnis eigener Anstrengung angesehen wird. Eine solche Aussage könnte etwa lauten: „Ich habe den Zuschlag für das Projekt bekommen, weil ich am härtesten dafür gearbeitet habe.“ Überheblicher Stolz hingegen würde sich in einer Aussage à la „Ich habe das geschafft, weil ich großartig bin“ äußern. Nicht nur, dass überhebliches Verhalten schnell Missgunst und Neid hervorrufen, es führt zudem zu mehr Vorurteilen. Das haben die Forscherinnen Claire E. Ashton-James und Jessica L. Tracy herausgefunden, berichtet die Plattform Forschung erleben der Uni Mannheim.

Auswirkung darauf, wie wir andere Menschen wahrnehmen

Die beiden Forscherinnen führten demnach eine Studie mit College-Studenten in Kanada durch. Ein Teil der Studenten sollte eine Situation beschreiben, in der sie sich überlegen fühlten, während die anderen Teilnehmer beschreiben mussten, wie sie eine Herausforderung bewältigten. Durch diese Aufforderung sollte überheblicher beziehungsweise authentischer Stolz hervorgehoben werden. Nach dieser Aufgabe füllten die Teilnehmenden einen Fragebogen zur Bevölkerung aus, in dem sie schätzen sollten, wie viel Prozent der Asiaten und Weißen in Kanada bestimmte positive und negative Eigenschaften haben. (Anmerkung: Asiaten sind in Kanada zwar häufig angesehen, werden teilweise aber auch diskriminiert.)

Gruppe der Überlegenen diskriminierte stärker

Und siehe da: Die Vermutung der Forscherinnen, dass Menschen mit überheblichem Stolz mehr Vorurteile gegenüber solchen stigmatisierten Gruppen haben als Personen mit authentischem Stolz, wurde durch die Studie bestätigt. Jene Studenten, die zuvor über das Erleben von überheblichem Stolz geschrieben haben, wiesen Asiaten mehr negative Eigenschaften zu als die andere Gruppe. Diese Gruppe hingegen zeigte nicht nur weniger Vorurteile, sie schätzte Asiaten sogar positiver ein als Weiße.

Überheblicher Stolz führt zu mehr Distanz

Eine mögliche Erklärung dafür findet sich, so die beiden Forscherinnen, bereits in der Bezeichnung „überheblicher Stolz“. Denn dieser Stolz führt zu Distanz, sodass sich Personen weniger in andere hineinversetzen können. Personen mit authentischem Stolz hingegen verstehen eher die schwierige Lage anderer, schätzen Geleistetes und sehen auch das eigene Erreichte in einem anderen Licht. Nämlich in jenem, dass jeder Mensch durch Fleiß viel erreichen kann.

Nicht besser als andere Menschen

Die Tatsache, dass überheblicher Stolz mit mehr Vorurteilen einhergeht als authentischer, ist demnach nicht nur für das Verständnis von Jane Austens Klassiker „Stolz und Vorurteil“ (Protagonist Mr. Darcy ist einerseits eingebildet und hochnäsig, andererseits großmütig gegenüber anderen) hilfreich. Menschen in Machtpositionen sollte man demnach wünschen, dass sie mit authentischem Stolz auf dem Boden bleiben und anerkennen, dass sie nicht besser sind als andere. Gerade in Hinblick auf die Wichtigkeit von Diversity Management bzw. Diversity im Allgemeinen, die von der Führungsebene vorgelebt werden sollte, zeigt sich die große Bedeutung der Studie für Personaler und Führungskräfte.

Fotonachweis: Colourbox

Heike Frenner

Heike Frenner schreibt seit April 2012 für karriere.at In nächster Zeit jedoch nicht so oft und vermutlich mit leichtem Baby-Schwerpunkt.

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