Altersdiskriminierung schadet mehrfach: Mitarbeitern und Unternehmen

von in Arbeitsmarkt am Dienstag, 7. Mai 2013 um 10:37

Diskriminierung, sprich Benachteiligung oder Herabwürdigung bestimmter Personengruppen, ist nie in Ordnung. Und dennoch tritt sie in vielen Unternehmen auf – und zwar täglich. Eine Form der Diskriminierung ist jene gegen ältere Arbeitnehmer. Abgesehen vom moralischen Aspekt erleben die Opfer Altersdiskriminierung als großen Stressfaktor, was die Bindung zum Unternehmen schwächt. Und genau diese Tatsache könnte den Firmen das Genick brechen. Warum das so ist, erklärt Tanja Rabl von der Universität Bayreuth.

Ältere fühlen sich stärker benachteiligt

Wie eine kürzlich veröffentlichte Studie von Tanja Rabl zeigt, führt die Benachteiligung von Mitarbeitern dazu, dass diese weniger Kraft und Energie in die Arbeit investieren. Für die Untersuchung wurden insgeamt 1.255 Arbeitnehmer befragt. Die Hälfte der Befragten gehörte zur Gruppe der 30- bis 40-Jährigen, die andere Hälfte zu den 50- bis 60-Jährigen. Und wie sich zeigte, fühlen sich Ältere deutlich stärker benachteiligt als Jüngere. Für beide Gruppen gleich gilt jedoch, dass, wer sich diskriminiert fühlt, eine schwächere emotionale Bindung an das Unternehmen entwickelt.

Mitarbeiter erwarten Wertschätzung

Für die wissenschaftliche Erklärung der abnehmenden Unternehmensbindung greifen Rabl und ihre Kollegin Maria del Carmen Triana auf die Theorie der Ressourcenerhaltung vom amerikanischen Stressforscher Stevan Hobfoll zurück. Demnach wollen Menschen die für ihr Wohlbefginden wichtigen körperlichen und psychischen Ressourcen erhalten und weiter steigern. Wenn sie diese verlieren oder wenn sie auf Dauer mehr Energie einsetzen müssen, als sie erhalten, entsteht Stress. Ein solches Ungleichgewicht zwischen Geben und Nehmen ist eben auch am Arbeitsplatz möglich: So erwarten sich Mitarbeiter für ihren Einsatz unter anderem Fairness und Wertschätzung. Altersdiskriminierung wird als Verlust von Ressourcen wahrgenommen – die Folge ist eine verringerte emotionale Bindung an das Unternehmen. Dieses (unbewusste) Verhalten hilft den Betroffenen, Energien zu bewahren.

Fairness unabhängig vom Alter

Tanja Rabl

„Ältere Beschäftigte sind, das hat die bisherige Forschung gezeigt, verschiedenen Belastungen und Ressourcenverlusten ausgesetzt“, erklärt Tanja Rabl. „Dazu gehören beispielsweise geringere körperliche Leistungsfähigkeit, gesundheitliche Risiken oder psychische Belastungen durch den Tod von nahen Angehörigen. Daher sind sie auch anfälliger für den Stressfaktor Altersdiskriminierung und damit verbundene Ressourcenverluste.“ Doch wie verhindert man das Abnehmen der Mitarbeiterbindung? Hier empfehlen die Forscherinnen eine ganze Reihe von Maßnahmen, die alle zum gemeinsamen Ziel haben, den Mitarbeitern Fairness unabhängig vom Alter zu vermitteln.

Tipps für Unternehmen

Einige der wichtigsten Methoden zur Erhaltung und auch Kommunikation von Fairness:

  •  Fortbildungsangebote und Karriereoptionen für Mitarbeiter jeden Alters
  • Altersunabhängiges faires und leistungsbezogenes Feedback
  • Aufgabenverteilung nach Fähigkeiten
  • Bekämpfung bzw. Vorbeugung von Vorurteilen und Stereotypen
  • Einführung eines gezielten Altersdiversitätsmanagements

Bildnachweis: auremar / Quelle Shutterstock, Pressmaster / Quelle Shutterstock, Uni Bayreuth

Heike Frenner

Heike Frenner schreibt seit April 2012 für karriere.at In nächster Zeit jedoch nicht so oft und vermutlich mit leichtem Baby-Schwerpunkt.

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