Teilzeit-Mythos: Alleinerzieher arbeiten häufiger Vollzeit

von in Arbeitsleben, Arbeitsmarkt am Mittwoch, 10. April 2013 um 12:04

Wie wäre es einmal mit ein bisschen Statistik? Keine schlechte Idee, wenn man bedenkt, dass gerade die Debatte um Themen wie Familien in der Arbeitswelt, Babypausen oder den Wiedereinstieg ins Berufsleben meist schnell emotional wird. Gerade dann ist es hilfreich, Fakten auf den Tisch legen zu können. Etwa wenn Argumente kommen wie jenes, dass Frauen freilich oft weniger verdienen als Männer, weil sie ja oft auch Teilzeit arbeiten. Zu diesem Argument kommt ein interessantes und auch überraschendes Detail von der Statistik Austria.

Jede vierte Mutter ohne Partner arbeitet Vollzeit

Und dieses Detail gibt zu denken. Es gibt unter den Frauen in Österreich nämlich eine Gruppe – die Alleinerzieherinnen – die häufiger Vollzeit arbeiten als Mütter in Paarfamilien. 71,2 Prozent der Alleinerzieherinnen mit Kindern unter 15 Jahren sind erwerbstätig, jede vierte Mutter ohne Partner (27,1 Prozent) arbeitet zudem Vollzeit. Im Vergleich: Dies trifft auf nur 18,6 Prozent der Nicht-Alleinerzieherinnen zu. Der Grund hierfür liegt freilich in der Notwendigkeit, Geld zu verdienen. Jedoch: Personen in Ein-Eltern-Haushalten hatten laut Statistik Austria im Jahr 2011 ein stark höheres Armutsrisiko als der Bevölkerungsdurchschnitt. Es ist hier also Luxus, von der Frage Kind oder Karriere zu sprechen – handelt es sich in vielen Fällen doch eher um die Situation: mit Kind gegen Armut.

99.000 Frauen zu 9000 Männern

In 108.000 österreichischen Familien lebt ein Kind mit nur einem Elternteil, meistens mit der Mutter. Das Verhältnis Mann-Frau verändert sich nur sehr langsam, derzeit stehen 99.000 Alleinerzieherinnern 9000 Alleinerziehern gegenüber. Zusammenfassend kann man sagen, dass in Österreich jede achte Frau mit Kindern unter 15 Jahren alleinerziehend ist, bei den Männern ist es einer von 100. Was es bedeutet, Kind und Job zu schupfen, das können wohl nur jene Frauen und Männer nachvollziehen, die in dieser Situation sind oder waren. Und glücklich sind so und so jene, die auf die Unterstützung von Familie oder Freunden zählen können.

Bildnachweis: RedKoala / Quelle Shutterstock, Zurijeta / Quelle Shutterstock

Heike Frenner

Heike Frenner schreibt seit April 2012 für karriere.at In nächster Zeit jedoch nicht so oft und vermutlich mit leichtem Baby-Schwerpunkt.

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