„Haltet endlich die Klappe…! Wie soll man bei diesem Lärm ordentlich arbeiten können…!?!?“

von in Arbeitsleben am Dienstag, 7. September 2010 um 10:01

Akustik im Großraumbüro? Telefone läuten. Kopiergeräte und Drucker surren. Mitarbeiter tratschen. Das niemals abflauende Klappern von Tastaturen. Latent störendes Kaffeegeschirr-Geklimper. „AAAAAAAAAAAhhhhhhhh! Ist jetzt endlich einmal Ruhe hier?“ – der verzweifelte Ruf eines Lärmgeplagten. Martin Pongratz von M.O.O.CON hat sich der gesamthaften, an der Unternehmensstrategie orientierten Gebäudeentwicklung,  Facility Management und Relocation verschrieben. Er erklärt heute im ersten Teil des Interviews, warum sich die Akustik in Großraumbüros wesentlich auf die Produktivität von Unternehmen auswirkt.

Die Location: Beste Lage. Das neue Bürogebäude: Durchgestylt bis ins letzte Eck. Die Büros: Hell, freundlich, großzügig ausgestattet. Eigentlich die besten Voraussetzungen für Top-Leistungen.

Woher aber kommt dieser ständige Druck auf der Brust? Woher diese fast chronische Nervosität, bevor man die Arbeitsplatzumgebung betritt. Und: Warum wird es nicht besser? Es muss nicht der Job an sich sein, der viele Arbeitnehmer verrückt macht. Es könnte auch am falschen oder fehlenden Akustik-Konzept des Büros liegen, weiß Arbeitsplatz-Gestaltungsexperte Martin Pongratz: „Die Akustik wir sehr oft vergessen, ja fast systematisch unterschätzt. Vor allem dann, wenn Wände eingerissen werden, um große Räume zu schaffen. Mitunter werden großartige Design- und Raumkonzepte erdacht und umgesetzt, die aber hinsichtlich der Akustik eigentlich schon wieder Sanierungsbedarf haben und in der Wirklichkeit des täglichen Alltags dann eher belastend wirken.“

Denn der hohe Grundpegel an Lärm wirke sich nicht nur auf die Konzentrationsfähigkeit aus, betont Pongratz, er erhöht das Stresslevel noch zusätzlich zur Arbeitsbelastung: „Studien belegen, dass in Großraumatmosphären der Adrenalinlevel im Blut der Mitarbeiter höher ist, als bei jenen in kleineren Arbeitseinheiten.“ Das führt dazu, das viele Mitarbeiter in solchen Stress-Umgebungen nicht mehr „die Nerven“ haben, um kreativ oder innovativ zu sein. Sie versuchen, Experimente zu vermeiden“, warnt Pongratz vor dem Sparstift bei der Bürogestaltung. Gerade dort, wo kreativ gearbeitet werden sollte, seien einfachst und billig konzipierte Großräume kontraproduktiv, weiß Pongratz: „Denn durch Büros, welche die Kreativität der Mitarbeiter hemmen, bleibt langfristig die Wettbewerbsfähigkeit auf der Strecke.“

Ein – kostenmäßig relativ günstiger Ansatz – um die Arbeitsumgebung akustisch zu optimieren sind die guten, alten Zimmerpflanzen. „Es gibt Studien, die zeigen, dass Pflanzen die Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter erhöhen. Sie verbessern nicht nur das Raumklima und die Luftqualität, sondern haben sogar einen positiven Effekt auf die Akustik, wenn sie in größerer Menge eingesetzt werden“, erklärt der Büroarchitektur-Experte. Bevor man jedoch seinen Arbeitsplatz massiv begrünt,  sollten einige Dinge geklärt sein, warnt Pongratz: „Das Problem mit Pflanzen ist oft die Frage, wer sie pflegt. Das ist ein Facility-Management-Thema, das unbedingt gelöst gehört.“

Christoph Weissenböck

Christoph Weissenböck macht Kommunikation bei karriere.at. Und dazwischen Blogposts. Schreiben ist für ihn mehr als ein Job.

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