Aggression im Büro: Männer zeigen sie, Frauen suchen Verbündete

von in Arbeitsleben am Dienstag, 1. März 2011 um 16:01

Im Büro geht einem schon einmal der Hut hoch. Stress, nervige Telefonate und Arbeitskollegen, die ständig etwas wollen. Logisch, dass man da nicht allzu entspannt bleibt. Vor allem Männern wird ja nachgesagt, dass sie eine gewisse Affinität zum gepflegten Aggressionsausbruch haben. Das muss aber nicht so sein, besagt nun eine neue Studie: Frauen reagieren demnach genauso oft aggressiv auf bestimmte Situationen. Sie finden vielfach nur andere Wege als die direkte Konfrontation, um diese zu äußern.

„Ich bring‘ den Kerl nochmal um…!“ – gerade in der Arbeit ist es oft nicht leicht, kühlen Kopf zu bewahren. Ständige Kritik von Kollegen, Neid und ein Stresslevel, das Sie ohnehin schon an den Rand des Burnouts drängt. Da braucht es oft nicht mehr viel…

Strategie statt Konfrontation

Die Annahme, dass Männer gemeinhin als das aggressivere Geschlecht gelten, wird durch eine Untersuchung eines Harvard-Forscherteams rund um Joyce Benenson, über die science.orf.at berichtet, aus einem anderen Blickwinkel betrachtet.
Frauen seien nämlich, so die Studienergebnisse, nicht seltener aggressiv. Sie äußern Angriffslust aber nicht zwangsläufig mittels verbalen oder körperlichen Konfrontationsgelüsten, sondern denken viel eher strategisch.

Das Experiment: Jede Testperson musste mit zwei Mitspielern (=Konkurrenten) an einem Spiel teilnehmen, bei dem es um Punkte bzw. Geld ging. Dabei konnte sich der Proband jeweils aussuchen, ob er alleine um das Geld spielt, mit nur einem Konkurrenten kooperiert oder ob er mit beiden Mitspielern zusammenspielt. Dies bedeutete aber gleichzeitig, den Gewinn durch drei teilen zu müssen. So weit, so einfach: Männer und Frauen bildeten von sich aus in denselben Größenordnungen Fraktionen aus Allein-Spielern, Zweier oder Dreier-Teams – hier waren also noch keine Geschlechter-Unterschiede erkennbar.
Eine Ausschluss-Klausel zeigte jedoch auf, wie Männer und Frauen strategisch unterschiedlich reagieren: Den Einzelkämpfern wurde gesagt, dass sie riskieren, von den beiden anderen Mitspielern ausgeschlossen zu werden. Die Zweier-Teams bekamen gesagt: „Wenn Sie und ihr Partner gewinnen, wird der dritte Mitspieler ausgeschlossen und erhält keine Punkte.“

Reaktion: Während die Männer „sportlich“ reagierten und versuchten, ihre Mitspieler zu dominieren, wählten Frauen weitaus häufiger den indirekten Weg des Ausschlusses von Konkurrenten. Dies sei bereits bei Kindern sichtbar, zitiert science.orf.at Benenson: „Mädchen sind besorgt ausgeschlossen zu werden. Buben befürchten, verprügelt zu werden.“

Christoph Weissenböck

Christoph Weissenböck macht Kommunikation bei karriere.at. Und dazwischen Blogposts. Schreiben ist für ihn mehr als ein Job.

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