Lassen Sie sich ablenken – und Sie werden besser arbeiten

von in Arbeitsleben am Mittwoch, 23. Februar 2011 um 11:40

„Kaffee?“ – „Pfuh, eigentlich bin ich ziemlich im Stress. Naja, ich geh‘ schnell mit…“. Kommt Ihnen das bekannt vor? Nur ein exemplarisches Beispiel, wie man sich tagtäglich im Job von der eigentlichen Tagesaufgabe ablenken lässt: Läutende Telefone, Spontan-Meetings, leere Druckerpatronen, und, und, und…
Dass uns das in unserer Konzentration ablenkt, darüber war sich die Psychologie über 50 Jahre sicher. Eine aktuelle Studie glaubt nun den Gegenbeweis gefunden zu haben und postuliert: Kurze Ablenkungen verbessern sogar unsere Aufmerksamkeit. Wir haben’s ja immer schon gewusst…

Menschen, die sich von länger andauernden, eintönigen Beschäftigungen immer wieder kurz ablenken lassen, können sich insgesamt länger auf ihre Aufgabe konzentrieren und sind leistungsfähiger. Dies besagt nun eine Studie der Universität von Illinois, über welche die Plattform wissenschaft.de berichtet. Was die Forscher Alejandro Lleras und Atsunori Ariga damit widerlegen, sind zwei Grundannahmen der Psychologie: Dass nämlich die Aufmerksamkeit abnimmt, je länger man sie beansprucht. Und dass Ablenkungen konzentriertes Arbeiten behindern.

Ablenkung hilft beim Konzentrieren

Zum Experiment: 84 Probanden mussten über 50 Minuten eine langweilige Aufgabe an einem Computer erledigen. Dabei waren die Teilnehmer in vier Gruppen unterteilt. Die erste Gruppe musste sich vor dem Versuch vier Zahlen auswendig merken, die während der 50 Minuten zweimal zur Ablenkung am Bildschirm erscheinen sollten. Darauf hatten die Probanden zu reagieren. Die drei übrigen Gruppen wurden als Vergleichsgruppen herangezogen: Eine Gruppe bearbeitete nur die Aufgabe, eine weitere lernte die Zahlen umsonst, weil diese nie erschienen. Die dritte Vergleichsgruppe wurde zwei Mal mit den Zahlen konfrontiert, musste darauf jedoch nicht reagieren.

Ergebnis: Bei allen Vergleichsgruppen sank die Leistung in der monotonen Hauptaufgabe – mit Ausnahme der ersten Gruppe, die zweimal mit kurzen anderen Aufgaben abgelenkt wurden – bei ihnen blieb das Leistungsniveau stets gleich.

„Wir nehmen an, dass es hilfreich ist, seine Zielsetzungen kurzfristig zu deaktivieren und wieder zu aktivieren, um aufmerksam bei einer Sache bleiben zu können“, erklärt Forscher Lleras und ergänzt: „Aus praktischer Sicht bedeuten unsere Ergebnisse, dass man bei einer langen Aufgabe – zum Beispiel bei der Vorbereitung auf eine Prüfung – immer wieder kurze mentale Pausen machen sollte. Diese kurzen Ablenkungen helfen, konzentriert beid er Aufgabe zu bleiben.“

Arbeit verliert mit der Dauer an Reiz

Für den Forscher widerlegen seine Ergebnisse auch die bisherige Annahme, dass Konzentrationsfähigkeit eine Ressource ist, die wie ein Benzintank im Zeitverlauf leerer wird. Vielmehr sei Aufmerksamkeit immer in ausreichendem Maß gegeben, sie richte sich nur bei längeren Tätigkeiten immer wieder auf andere Dinge – quasi eine Wahrnehmungs-Ermüdung. „Man lässt in seiner Leistung in einer Anfgabe nach, weil man aufhört, ihr Aufmerksamkeit zu schenken“, sagt Lleras, der vorangegangene Versuche bestätigt sieht: Ein ständig wahrgenommener Reiz verschwindet im Laufe der Zeit aus dem Bewusstsein.

Christoph Weissenböck

Christoph Weissenböck macht Kommunikation bei karriere.at. Und dazwischen Blogposts. Schreiben ist für ihn mehr als ein Job.

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