Gefangen im „Narrenkastl“? – 10 Tipps für eine bessere Selbstmotivation

von in Arbeitsleben am Donnerstag, 28. Oktober 2010 um 11:07

Selbstcheck: Was machen Sie gerade? Internetsurfen, oder? Das heißt, Sie gehen gerade einer anderen Beschäftigung nach als jener, für die Sie eigentlich bezahlt werden. – Keine Panik, solange alles im Rahmen abläuft, sollte das kein Problem sein. Wenn man sich jedoch im Job von jeder Kleinigkeit ablenken lässt, jede Gelegenheit zum Kollegen-Tratsch dankend annimmt und stundenlang im Web „privatisiert“, kann man von mangelnder Selbstmotivation sprechen. Zehn Tipps, um den Biss für den Job wieder zurückzubekommen.

Jeder, der einem Job nachgeht, kennt zumindest zeitweilig das Gefühl: Man hätte eigentlich jede Menge zu tun, doch irgendwie wird die Latte an zu erledigenden Aufgaben nicht und nicht kürzer. Weil es sich am Ende dann doch immer irgendwie ausgeht und alles irgendwie rechtzeitig fertig wird. Das war schon in der Schule so: Eine Hausübung über das Wochenende wurde frühestens Sonntagabend erledigt. Reicht doch, oder?

Doch insgeheim frisst einen aber der Neid, wenn der Kollege täglich Punkt fünf nach getaner Arbeit das Feld räumt und sich in den wohlverdienten Feierabend verabschiedet. Weil er zur Gattung der „Was-erledigt-ist-ist-erledigt“-Selbstmotivierer gehört. Sobald er von einem Projekt erfährt, wird drauflosgearbeitet – auch wenn der Abgabetermin erst in zwei Wochen ist. Und die Verfechter der „Mach-ich-später“-Philosophie bleiben mit langen Gesichtern und viel Arbeit dann doch länger im Büro. Weil sie an „Aufschieberitis“, in der Fachsprache „Prokrastination“ leiden. Jeder vierte leidet daran, wie Jochen Mai von der deutschen „Karrierebibel“ bereits im September beschrieb.

Selbstmotivation ist erlernbar

Das muss aber nicht sein. Denn die Kunst der Selbstmotivation ist für jeden erlernbar. Wenn jede zu erledigende Aufgabe eine nahezu unüberwindbare Hürde darstellt, geht auch die Freude am Job rasch flöten. Und mit deren Verschwinden sinkt dann das Level der persönlichen Belastbarkeit. Was also tun, um sich selbst wieder etwas zu pushen? Zehn Tipps, wie man seinen Drive wieder zum Leben erweckt:

  1. Deadlines: Setzen Sie sich klare Deadlines, bis wann Sie welche Arbeiten erledigt haben möchten. Das muss nicht automatisch der vom Chef kommunizierte Termin sein, sondern einer, den Sie wählen. Untermauern Sie Ihre eigene Deadline beispielsweise damit, indem Sie sich einreden: „Nachher habe ich keine Zeit mehr für diese Aufgabe – da läuft schon längst ein anderes Projekt, das meine volle Aufmerksamkeit braucht!“
  2. Ziele: Hand in Hand mit den Deadlines gehen die persönlichen Ziele. Definieren Sie klar gewisse Arbeitsmengen, die Sie bis zu einem bestimmten Zeitpunkt erledigt haben möchten. Diese sollten realistisch sein, um auch einen wirklichen Anreiz darstellen zu können.
  3. Belohnung: Was bei Zirkustieren funktioniert, klappt auch bei Bürohengsten! Kleine „Zuckerl“ lassen Sie wahre Kunststücke vollführen. Beispiel: Wenn ich diese Auswertung bis 10 Uhr schaffe, habe ich mir die Zigarette/den Kaffee/die fünf Minuten Internetsurfen verdient.
  4. Das große Ganze: Behalten Sie nicht nur Ihre aktuelle, langweilige Aufgabe im Blickfeld – sondern auch das Gesamtziel, das Ihr Unternehmen oder Ihre Abteilung mit dem laufenden Projekt verfolgt. Das stärkt das Selbstbewusstsein und das Wissen, dass der persönliche Einsatz für das Unternehmen unerlässlich ist.
  5. To-Do-Lists: Unterschätzen Sie niemals die Aufschieberitis-lindernde Wirkung der banalen To-Do-Liste! Ein Zettel mit allen Punkten, die pro Tag zur Erledigung anstehen. Wenn etwas gemacht wurde – Programmpunkt durchstreichen. Sie werden sehen: Es wird Sie stören, wenn Dinge am Ende des Tages unerledigt bleiben.
  6. Re-Organisation: Überdenken Sie Ihre derzeitige Lage! Ist die Aufschieberitis eventuell auch dadurch begründet, dass Sie einfach nicht mehr Herr über die anstehenden Aufgaben sind? Oder dass Sie schon gar nicht mehr genau wissen, welche Tasks überhaupt bis wann abzuarbeiten sind? Nehmen Sie sich eine Stunde Zeit und überdenken Sie Ihr Organisationskonzept. Ob eventuell ein Stehkalender neben dem Bildschirm, auf dem Sie alle Termine und Aufgaben notieren, helfen könnte? Ob Sie der Outlook-Kalender mehr verwirrt als entwirrt? Oder ob der Post-It-Salat, der Ihren Bildschirmrand zupflastert, doch etwas unübersichtlich ist?
  7. Ablenkungs-Management: Fast jeder checkt seine Privatmails im Büro. Die meisten schauen – sofern es nicht gesperrt ist- zumindest einmal täglich kurz bei Facebook rein. Wenn Ihre Privat-Accounts Ihnen mehr Stress bereiten als Ihr Job selbst, ist es an der Zeit, sich ein Time-Management-Modell anzueignen. Sprich: Fixe zehn Minuten, in denen Sie sich Facebook und Co. widmen, und dann erst wieder nach Feierabend.
  8. „Werde ich“ statt „Ich werde“: Wissenschaftler der Universität von Illinois (USA) stellten in Tests fest, dass Probanden, die sich vor Aufgaben die Frage nach der Machbarkeit wie „Werde ich erfolgreich sein?“ stellten, erfolgreicher waren als jene, die sich mit „Ich werde es schaffen!“ pushten. Grund: Eine im Kopf formulierte Frage wirkt motivierender als die plumpe „Du-schaffst-es!“-Parole.
  9. Emotionen: Haben Sie Ihre Emotionen im Griff? In manchen Fällen ist es eine Frage der persönlichen Befindlichkeit, die die Motivation, sich für einen Job einzusetzen auf den Nullpunkt sinken lässt. Das kann die Abneigung gegenüber Kollegen sein, Unzufriedenheit mit dem Chef oder eine schief gelaufene Gehaltsverhandlung. Hier kann man sich etwas vom Profifußball abschauen: Ein Spieler wird nicht dafür bezahlt, dass er sich mit seinen Mitspielern streitet. Sondern dafür, dass er unbedingt gewinnen will. Mit ihnen. Persönliche Dinge haben hinten anzustehen.
  10. Idealzustand: Denken Sie an Phasen, in denen es im Job für Sie so wirklich gut gelaufen ist! Was war das für ein Gefühl, als sie Projekt um Projekt abgearbeitet haben? Als sich die acht Stunden Arbeitszeit anfühlten wie 30 Minuten inklusive Mittagspause? Das war kurz bevor Sie Ihre letzte Gehaltserhöhung bekommen haben, oder? Das sollte der Idealzustand sein. Wer sich diesen ins Gedächtnis ruft, kann auch feststellen, wie weit er davon derzeit entfernt ist: Ist es nur ein kurzer Durchhänger, wie er bei jedem einmal vorkommt? Oder erscheint Ihnen Ihre letzte Power-Phase schon gefühlte 100 Jahre passé?

Dann sollten Sie schleunigst etwas ändern.
Beginnen Sie am besten mit Punkt 1.!

Christoph Weissenböck

Christoph Weissenböck macht Kommunikation bei karriere.at. Und dazwischen Blogposts. Schreiben ist für ihn mehr als ein Job.

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