„Ich bring‘ den Kerl nochmal…!“ Bevor Sie auf Ihren Kollegen losgehen, lesen Sie das!

von in Arbeitsleben am Donnerstag, 2. September 2010 um 10:20

17.15 Uhr. Ein langer, harter Arbeitstag liegt hinter Ihnen. Sie sind genervt, haben die Nacht zuvor nur wenig geschlafen. Acht Stunden lang ertrugen Sie die Scherze ihrer Bürokollegen, acht Stunden lang sagten Sie regelmäßig „Wird gemacht, Chef!“. Acht Stunden lang schluckten Sie den Frust über ihren unfähigen Teamkollegen einfach runter, der in dieser Zeit eigentlich nichts tat, außer Witze reißen und „Farmville“ spielen. Und jetzt, nach acht Stunden, brüstet sich dieser Typ mit den Ergebnissen Ihrer Arbeit vor dem Boss … Explosionsgefahr.

„Ich bring‘ den Kerl nochmal…“ Besser nicht. Da wäre es schon besser, einfach zu kündigen. Denn den Job ist man dann mit Sicherheit los. Was aber tun? Ewig seinen Ärger runterzuschlucken löst auf lange Sicht keine Probleme und bringt in letzter Instanz maximal ein Magengeschwür. Hier einige Tipps, wie man die Zündschnur noch rechtzeitig kappt, bevor man in die Luft geht, wie folgender Kollege:

  • Checken Sie, wer genau Sie so wütend macht. Ist es einer, sind es zwei, ist es eine bestimmte Gruppe oder sind es eigentlich alle rund um Sie herum? Sind es einige wenige, so kann man sich noch eher auf die Situation einstellen, ihr eventuell durch einfache Maßnahmen begegnen oder entschärfen. Dies kann vom Schreibtisch-Tausch mit anderen Kollegen über ein klärendes Gespräch mit den Betroffenen bis hin zur Krisensitzung mit den Vorgesetzten gehen. Eine Lösung sollte sich aber finden lassen. Bringt sie eigentlich jeder in ihrer mittelbaren Umgebung in Rage, sollten Sie auch daran denken, das Problem bei sich selbst zu suchen. Möglichkeiten wären ein Coaching oder eine Aggressionstherapie. Denn zieht sich eine solche Situation länger hin, werden Sie sich schnell als Mobbing-Opfer mit allen Konsequenzen wiederfinden.
  • Handelt es sich um Kleinigkeiten, die Sie aggressiv werden lassen, ist eines der probatesten Mittel immer noch: Ignorieren. Zugegeben, dafür muss man schon der Typ sein. Aber wenn es um benutzte Teebeutel in der Spüle des Pausenraumes, nicht wieder heruntergeklappte Klobrillen oder ständig „geborgte“ Kugelschreiber geht – sehen Sie großzügig darüber hinweg. Denn denken Sie daran: Die Strapazierfähigkeit Ihrer Nerven sollten Sie nur bei wirklich wichtigen Anlässen austesten.
  • Kleinere Scharmützel oder Spannungen unter Kollegen lassen sich durch kleine, gezielt eingesetzte „Fluchten“ entspannen: Gehen Sie beispielsweise auf die Toilette, wenn Sie die Witze des Gegenübers schon nicht mehr hören können. „Aus den Augen, aus dem Sinn“, sagt ein Sprichwort. Versuchen Sie das im Anfangsstadium. Wenn das dann klappt, können Sie Ihre Fluchten schön langsam auf die geistige Ebene verlagern: Denken Sie an etwas Schönes, Entspannendes. Ob das der Sieg Ihres Vereines in der vergangenen Bundesligarunde, der bevorstehende Urlaub oder ein romantisches Dinner mit dem oder der Liebsten ist, ist eigentlich egal.
  • Wenn alles nichts hilft: Lenken Sie Ihre Wut auf ein Ziel, bevor sie auf Kollegen losgehen. Vielleicht finden Sie einen Platz im Keller des Bürogebäudes, wo Sie unbeobachtet gegen die Wand treten oder mit einigen Liegestützen Dampf ablassen können. Das hilft – garantiert.
  • Vermeiden Sie Mobbing! Dies ist nämlich die gefährlichste Form, Aggressionen im Büro freien Lauf zu lassen: Psycho-Spielchen können auf lange Sicht bei weitem schädlicher sein als ein einmaliges Schreiduell unter Kollegen. Und hier gilt es, extrem sensibel zu sein und sein eigenes Verhalten selbst zu beobachten. Denn nahezu niemand ist davor gefeit, gelegentlich die Psycho-Keule zu schwingen. Sobald eine Regelmäßigkeit erkennbar wird oder sich Kollegen verbünden um auf andere loszugehen, fügt man anderen wirklich ernsthafte Wunden zu. Diese bluten zwar nicht, tun aber mindestens so weh.
Christoph Weissenböck

Christoph Weissenböck macht Kommunikation bei karriere.at. Und dazwischen Blogposts. Schreiben ist für ihn mehr als ein Job.

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