Wien - In Österreich gehen jährlich 6,8 Millionen Arbeitstage als Auswirkung von Migräne verloren. Damit schlägt sich ein weit verbreitetes Volksleiden auch volkswirtschaftlich spürbar nieder.
Migräne ist eine sehr häufige Erkrankung - einer von zehn Menschen in Österreich leidet an Migräne. Die sehr starken Schmerzen können einseitig auftreten, sind pulsierend und pochend, ein Anfall kann bis zu 72 Stunden dauern. Migräne ist zwar eine von zahlreichen Kopfschmerzarten, aber jene mit den unangenehmsten Begleiterscheinungen wie Wahrnehmungsstörungen, Übelkeit und Erbrechen. Laut einer österreichweiten Studie aus dem Jahr 2003 leiden rund 486.000 österreichische Arbeitnehmer an Migräne. Besonders häufig sind Frauen betroffen, sie leiden mehr als doppelt so häufig unter Migräne wie Männer. Auch Beschäftigte im Alter zwischen 30 und 49 Jahren sowie die Bevölkerung von Wien und Westösterreich trifft Migräne öfter als andere.
Der Studie zufolge berichteten arbeitende Migränepatienten von Attacken an durchschnittlich 13,5 Tagen innerhalb von drei Monaten - das bedeutet knapp 54 Tage mit Migräneattacken im Jahr. Dadurch kommt es zu einem durchschnittlichen Arbeitsausfall von zwölf Tagen pro Jahr bei Männern und 15,6 Tagen im Jahr bei Frauen. Somit gehen bei Migränepatienten zwei Wochen Erwerbstätigkeit pro Jahr durch Migräne verloren. Man kann annehmen, dass bei einem jährlichen Arbeitsverlust von durchschnittlich 14 Tagen etwa 6,8 Millionen Arbeitstage jährlich als Auswirkung von Migräne in Österreich verloren gehen.
Während eines Migräneanfalls lässt sich kaum an einen normalen Tagesablauf denken. Trotz dieser dramatischen Einschränkung befindet sich laut der Studie nicht einmal die Hälfte der Betroffenen in ärztlicher Behandlung - entweder aus Unkenntnis über vorhandene Therapiemöglichkeiten oder weil sie die Hoffnung auf Hilfe aufgegeben haben. Dabei stehen aufgrund moderner Forschung wirksame Strategien zur Vorbeugung und Therapie zur Verfügung.
US-Forscher indes haben jüngst eine Erklärung dafür gefunden, warum Licht die Kopfschmerzen bei vielen Migränepatienten verschlimmert. Bei Untersuchungen an Ratten fanden sie eine bisher unbekannte Verbindung zwischen bestimmten lichtempfindlichen Zellen im Auge und Zellen im Gehirn, die für Wahrnehmung und Weiterleitung von Schmerzen verantwortlich sind. Ihre Ergebnisse stellen die Forscher im Fachblatt Nature Neuroscience vor.
Rami Burstein von der Harvard Medical School in Boston im US-Staat Massachusetts und seine Mitarbeiter hatten festgestellt, dass selbst manche blinden Migränepatienten Licht meiden. Sie konnten zwar nicht sehen, nahmen aber unbewusst noch bestimmte Lichtreize wahr. So reagierten ihre Pupillen zum Beispiel auf Lichtveränderungen. Bei Blinden, denen das gesamte Auge fehlte oder der optische Nerv, der das Auge mit dem Gehirn verbindet, verschlimmerte Licht die Migräne indes nicht.
Von Tabletten bis Akupunktur reicht die Palette der Therapieansätze, viele Betroffene müssen letztlich lernen, mit der Krankheit zu leben. In der Schwangerschaft leiden Frauen seltener unter Migräne, fanden Forscher heraus. Wissenschafter führen dies auf die Hormone zurück und auf die veränderte Hirnaktivität. Einige Wochen nach der Entbindung ist allerdings alles wie zuvor. (TT)
Tiroler Tageszeitung



