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07.12.2009

Die Helden der Arbeit

(c) colourbox

Wer spielt, produziert nichts. Tatsächlich nutzen wir aber jeden Platz in der Arbeit zum Spielen: Im Meeting mit Büroklammern und, wenn sich der Nachmittag zieht, am Bildschirm. Der Computerarbeitsplatz ist ein verführerischer Ort, an dem jeder manchmal faul sein will: Schreibt private eMails, bucht schnell am Nachmittag eine Reise im Internet. Schiebt eine Runde Solitaire ein oder wird in seinem zweiten Leben zum Bewirtschafter virtueller Bauernhöfe im Internet-Netzwerk Facebook. Saisonal bedingt sind auch heuer wieder 700.000 Österreicher auf der Rennstrecke der Ski Challenge unterwegs - auch beruflich, in der Arbeit nämlich. Das Angebot an Bürospielen wird immer vielfältiger.


Freilich: Man spricht nicht darüber. Das Klappern auf der Tastatur gehört ohnehin zum Handwerk im Büro, ganz gleich, ob die Kollegen dabei etwas Nützliches und Gescheites schaffen oder nicht. In einer Leistungsgesellschaft klingt das Klappern sogar nach Fleiß, auch wenn der tatsächlich Output so ausschaut: null.

Die Bürospieler

Wie viel wird in heimischen Büros gespielt? An deutschen Schreibtischen - und damit wohl nicht weit entfernt von unseren Gegebenheiten - haben sich Psychologen durch die Welt der Bürospieler gefragt. Jeder Zweite spielt demnach manchmal in der Arbeit. Zwei von zehn Arbeitnehmer tun es ein Mal pro Woche, immerhin zwölf Prozent täglich. Alle zusammen schaffen im Schnitt 28 Minuten - jeden Tag. Ob die in die freie Mittagspause fallen? Die Psychologen haben diese eine Frage vergessen.
Bei soviel scheinbar verplemperter Arbeitszeit kommt es schon vor, dass Manager wissen wollen, was ihr teuer bezahltes Humankapital den ganzen Tag über so treibt. Sie rüsten mit Blockade-Software auf. Oder greifen zu härteren Mitteln: In North Carolina etwa hat man den alle Produktivität zersetzenden Feind gleich im Innersten von Unternehmen entdeckt - vorinstalliert am Compter. Also fordert der Senat im US-Bundesstaat ein Gesetz, das Minensuchen und Kartenlegen auf Computern verschwinden lassen soll. Es ist aber kein ungleicher Kampf im Boom der Bürospiele: Mitarbeiter halten mit Programmen aus dem Internet wie "Bosskey" dagegen - es macht alle Fenster am Bildschirm auf Tastendruck unsichtbar, wenn der Boss plötzlich kommt.

Sehr gescheit

Es ist kontraproduktiv, wenn Arbeitgeber jetzt wegen so viel verspielter Arbeitszeit graue Haare bekommen. Laut Medienpsychologen ist das Spiel nämlich durchaus eine gescheite Sache - es lässt Mitarbeiter den Arbeitsstress schneller vergessen, sie leichter entspannen. Das rechnerische Fazit eines deutschen Forscherteams: Wer eine halbe Stunde im Büro spielt, erholt sich schneller als seine Kollegen. Und bringt es auch noch auf bessere Leistungen. Kluge CEOs wie Steve Jobs von Apple wissen schon lange: Wenn Mitarbeiter Spaß haben, dann sind sie innovativ. "Spielen fördert strategische und soziale Fähigkeiten, Kreativität und Intelligenz", sagt der Salzburger Spieleforscher Rainer Buland. Heute experimentieren immer mehr amerikanische Unternehmen mit Jux und Tollerei am Schreibtisch. Die Spiele sind allerdings nicht zweckfrei: Computerspiele unter Mitarbeitern sollen Teamfähigkeit stärken und Kommunikationsdefizite unter den Mitarbeitern glätten.


Und vielleicht noch mehr: Denn wer spielt, schafft seine eigene Wirklichkeit und dort sind Hierarchien aufgehoben. Laut dem Nachrichtendienst CNET sind immer mehr Spieler aus Chefetagen bei virtuellen Ballereien dabei. Frei nach dem Motto: Shoot the Boss - nimm deinen Chef ins Visier.

Kurier/Dieter Strasser
 

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