Mit Qualifizierungsmaßnahmen, Praktikas und zunehmend auch coachingähnlicher Betreuung will das AMS Wien Jugendlichen die Tür zum Arbeitsmarkt öffnen.
Wien. "Die Jugendlichen unter 25 Jahren sind derzeit unser größtes Problem", erzählt Claudia Finster, Landesgeschäftsführerin des AMS Wien. Bei ihnen handle es sich zum einen um Ersteinsteiger in den Arbeitsmarkt, zum anderen um Jugendliche, die bereits erste Berufserfahrungen geschnuppert hätten. Sorgen macht Finster die große Zahl der Lehr- und Schulabbrecher - davon gibt es so viele wie noch nie. Aber auch die Tatsache, dass nicht mehr nur schlecht ausgebildete Jugendliche keinen Job oder keine Lehre finden, bereitet ihr Kopfzerbrechen.
Vielen Jugendlichen - und das nicht nur jenen mit Migrationshintergrund - fehle das einfachste Basiswissen. "Unser Schulsystem erreicht manche Kinder nicht", sagt Finster. Dazu kämen viele, die zwar die Lehre absolviert haben und trotzdem nicht untergebracht werden können. Darüber hinaus fällt auch Absolventen von AHS oder ande ren höheren Schulen der Berufseinstieg teils aus mangelnder Praxis allmählich schwe rer. "Die Jugendlichen sollten nicht zu lange stehen, um die Potenziale nicht verkümmern zu lassen", fordert sie.
Betreuung ist gefragt
Großes Augenmerk wird ihrer Erfahrung nach auf Praxis gelegt - und da wird auch angesetzt. Gemeinsam mit dem Wiener Arbeitnehmerförderungsfonds (WAFF), dem Insolvenzgeldsicherungsfonds und Betrieben bietet das AMS ein stiftungsähnliches Angebot an. Zielgruppe sind junge Menschen bis Mitte 20, die entweder von einem KMU oder von einer Leiharbeitsfirma gekündigt wurden und dort mindestens drei Monate beschäftigt waren.
Sie können nun während der durchschnittlichen zehnmonatigen Verweildauer Lehrabschlüsse nachholen oder machen, Zusatzqualifikationen erwerben - und werden regelmäßig betreut. "Das wird immer wichtiger", erzählt Finster. Neben Berufsorientierung umfasst das auch eine coachingähnliche Begleitung. "Wir müssen die Jugendlichen gleichsam in der Schule abholen", sagt Finster. So soll vermieden werden, dass diese zum einen durch unpassende Ausbildungen frustriert werden; zum anderen sollen die Schulmüden unter ihnen neu motiviert werden.
(Wirtschaftsblatt, Ursula Rischanek)



