Dieses Buch ist nichts für zarte Gemüter: Gerade im Berufsleben sind fragwürdige rhetorische und andere kommunikative Tricks ein legitimes Mittel, um sich durchzusetzen oder seine Position zu stärken.
Ob die Konkurrenten dabei auf der Strecke bleiben, ist ganz egal, denn gerade hier gilt: Der Zweck heiligt die Mittel.
Verbotene Rhetorik verrät, wie man seine Ziele erreicht, indem man andere zielgerichtet und ohne Hemmungen manipuliert.
Die Kommunikationstrainerin Gloria Beck präsentiert 30 wissenschaftlich fundierte Manipulationstechniken, von der Attraktivitätstechnik über die Sündenbocktechnik bis zur Vernichtungstechnik.
Denn nur wer die Methoden seiner Gegner kennt, kann sich im Ernstfall wirksam verteidigen!
- Welche Methode ist für welches Ziel geeignet: Verzeichnis der Techniken nach rhetorischen Zielen
- 30 Manipulationstechniken: Warum sie funktionieren und wie man sie anwendet.
- Mit Skala: "Ethischer Bedenklichkeitswert" jeder Technik
Die Autorin
Gloria Beck, geboren 1968, arbeitet als Autorin und Managementberaterin in Zürich. Die ausgebildetete Philosophin, Germanistin, Arbeitswissenschaftlerin und Erwachsenenpädagogin bekam den Anstoß zu diesem Buch durch Teilnehmer ihrer Seminare, die immer nach "bösen Manipulationstechniken" fragten.
Erschienen: 10.2007
Aus der Reihe: «Serie Piper»
Einband: kartoniert/broschiert
Erschienen bei: Piper
Seitenzahl: 329
Gewicht: 287 g
Sprache(n): Deutsch
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Leseprobe
Meisterschaft des Alltäglichen
Schon seit der griechischen Antike gibt es rhetorische Wettstreite. Da gibt es die öffentlich ausgetragenen und die zahlreichen, die im Stillen stattfinden. Die leisen Wettbewerbe, die, die als solche nicht gesehen werden, das sind die rhetorischen Wettstreite um die beste, geschickteste, raffinierteste Manipulation des anderen.
Da kämpft eine Frau um den Mann der besten Freundin, mobbt ein Kollege den anderen, sticht ein Unternehmer den anderen beim Kunden aus. Das sind keine lautstarken Kämpfe, die am Rednerpult stattfinden, sondern subtile und leise Taktiken, die im täglichen Umgang mit Personen angewendet werden. So gesehen leben wir in einer Gesellschaft, die durchzogen ist von gezielten Manipulationen.
Häufig ärgern wir uns, dass wir etwas tun, was wir eigentlich gar nicht wollten: Wir haben unserem Kollegen einen Gefallen erwiesen und Überstunden gemacht oder einen Urlaub getauscht, der eigentlich schon geplant war. Wenn so etwas geschieht, dann sind wir überrumpelt worden, auf die eine oder andere (hinterlistig-) freundliche Art und Weise.
Auf der anderen Seite aber versuchen auch wir selber, unsere Ziele durchzusetzen: Wir ziehen uns gut an, bevor wir ein Rendezvous haben (was steckt wohl dahinter?), wir sind freundlich zu jemandem, von dem wir etwas wollen, wir stellen uns positiv dar, wenn wir uns um einen Job bewerben. Mit anderen Worten: Wir versuchen ebenfalls, andere zu manipulieren! Und das tagtäglich, beinahe jedes Mal, wenn wir mit jemandem kommunizieren.
Wenn nun feststeht, dass Manipulation bereits gängige Praxis im Alltag ist, dann stellt sich die weitere Frage: Warum es nicht zur Meisterschaft darin bringen? Wieso nicht in diesem Pool von Manipulierenden der beste sein? Warum also nicht, statt unbewusst zu manipulieren, bewusst und zielgerichtet vorgehen? Mit anderen Worten: Warum nicht rhetorisch vorgehen?
"Rhetorisch" manipulieren bedeutet: Ausgewählte Personen bewusst und zielgerichtet zu manipulieren unter Anwendung von Manipulationstechniken nach einem vorgefassten Plan.
Rhetorisch zu manipulieren erfordert, sich alltägliche Verhaltensweisen bewusst zu machen, Formen des Umgangs miteinander zu hinterfragen, die Sie sonst gar nicht thematisieren. Machen Sie sich zum Beispiel Folgendes klar: Wenn Sie in einer langen Schlange an der Kasse anstehen und vorgelassen werden möchten, dann lächeln Sie die dicke Frau vor Ihnen an und bitten sie darum, vorgelassen zu werden.
Hand aufs Herz: War Ihr Lächeln ehrlich gemeint? Haben Sie diese dicke Frau nur so, aus purer Freundlichkeit anlächeln wollen? Oder taten Sie es, damit sie Sie vorlässt? Die Antwort liegt auf der Hand und Sie sollten sich auch eingestehen: Nein, das Lächeln diente mir als Mittel meiner Zielerreichung. Und es hat auch funktioniert.
Da so etwas jeder schon einmal so oder so ähnlich getan hat, stellt sich die Frage, wieso ein derartiges Verhalten nicht auch gezielt manipulierend im beruflichen und privaten Umfeld eingesetzt werden soll? Wieso behandeln Sie Ihren Ehepartner nicht ebenso trickreich? Und warum nicht Ihre Kollegen, Ihre Vorgesetzten, Ihre Freunde und Bekannten?
Denn diese, seien Sie sich darüber im Klaren, beeinflussen Sie tagtäglich. Vielleicht möchten Sie Menschen nicht nur als Mittel zum Zweck sehen, vielleicht möchten Sie sie nicht ausnutzen, um Ihre Vorteile zu haben. Aber wenn Sie nicht Vorteile im Leben haben wollen, was wollen Sie dann? Der Wille zur Macht über andere, der Wunsch, überlegen zu sein und Ziele unbedingt zu erreichen, den kann Ihnen keiner abnehmen. Das muss aus Ihnen selbst kommen. Diesen Entschluss können nur Sie selber treffen.
Aber wer sich dazu bekennt, ab und an fies, gemein und böse sein zu wollen, der findet hier eine Auflistung von Techniken, die systematisch aufzeigt, wie man Macht über andere ausüben kann und wie man gekonnt manipuliert. Nicht alle Techniken sind von Grund auf böse.
Sie bündeln lediglich die alltäglichen Gemeinheiten, die kleinen Tricks, mit denen sich andere durch das Leben schlängeln. Es ist schließlich nicht immer möglich, fair zu sein. Wer mit unfairen Mitteln attackiert wird, der wird mit seiner fairen Vorgehensweise auf der Strecke bleiben.
Aus diesem Grunde sollte sich jeder, der sich mit der Verbotenen Rhetorik beschäftigt, auch an Begrifflichkeiten gewöhnen, die auf den ersten Blick vielleicht abschrecken mögen. Da ist von Opfern die Rede und von Zielerreichung, von Kampf und Gegnerschaft, von Hinterlist, Täuschung, von rhetorischer Distanz und Ablehnung jeglicher sozialer Nähe zu bestimmten Personen.
Das mag zunächst einmal hart und brutal klingen, aber das ist es aus demselben Grunde, aus dem wir lieber ein Stück Steak mit dem Messer zerschneiden, als es roh aus dem Kadaver zu reißen. Wir töten und zerfleischen Tiere - aber wir tun es auf vornehme Art und Weise. Diese Vornehmheit will ich in diesem Lexikon zugunsten einer realistischen Ehrlichkeit aufgeben.
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